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Neuss: Monika Maron eröffnet Aktion „Neuss liest ein Buch“

Aktion „Neuss liest ein Buch“ : Autorin Monika Maron eröffnet Lese-Festival

Zum neunten Mal veranstaltet die Stadtbibliothek die Aktion „Neuss liest ein Buch“. Im Mittelpunkt steht die Autorin Monika Maron mit ihrem Roman „Endmoränen“. Sie kommt auch zur Eröffnung.

Nun also Monika Maron – eine Schriftstellerin mit DDR-Biografie, 1941 in Berlin geboren und unter anderem auch wegen des Veröffentlichungsverbotes ihres 1981 in der Bundesrepublik erschienenen Romans „Flugasche“ aus der DDR nach Hamburg ausgesiedelt. 1988, ein Jahr vor der Wende. Was diese in ihr ausgelöst haben mag, lässt sich (verschlüsselt) in ihrem Roman „Endmoränen“ erlesen.

Denn er erzählt von Johanna, einer Autorin Anfang 50, deren Lebensrhythmus durch den Untergang der DDR ins Wanken geraten ist. 2002 ist der Roman erschienen und steht nun im Mittelpunkt der Aktion „Neuss liest ein Buch“. Zum neunten Mal hat die Stadtbibliothek das Lese-Fest, dessen Orte über die ganze Stadt verteilt sind, organisiert, jedes Mal ging es um einen großen Autor (Dieter Wellershoff 2010, Uwe Timm 2011, Hanns-Josef Ortheil 2012, Margriet de Moor 2013, Christoph Peters 2014, Arnon Grünberg 2015, Martin Walser 2016 und Ilija Trojanow 2018), der es sich auch nicht nehmen ließ, zur Eröffnung zu kommen. Auch Monika Maron wird dabei sein, wenn die Aktion am Donnerstag, 27. September, im Foyer des RLT gestartet wird.

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Die mehrfach ausgezeichnete Autorin – unter anderem mit dem Kleist-Preis 1992 – arbeitet seit 1976 als freie Schriftstellerin, hat Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte studiert und vorher in einem Industriebetrieb gearbeitet. Als Journalistin hatte sie das Material gesammelt, aus dem später ihr Roman „Flugasche“ erwuchs und der für wenig Gefallen bei der DDR-Regierung sorgte, denn er thematisierte die Umweltsünden rund um Bitterfeld. Laut Recherchen des „Spiegel“ im Jahr 1995 soll Maron, übrigens die Stieftochter von Ulbrichts Innenminister Karl Maron, von 1976 bis 1978 „Kontaktperson des Stasi“ gewesen sein. Sie selbst hatte das zunächst verschwiegen, aber dann zugegeben und gestanden, es sei „unehrenhaft“ gewesen. Nach dem Ende ihrer Mitarbeit wurde Maron selbst von der Stasi überwacht.

Marons alles andere als glatte Biografie ist in den Augen von Alwin Müller-Jerina ein Pluspunkt. Der inzwischen pensionierte Leiter der Stadtbibliothek hat die Mitarbeit von Maron an der Aktion noch eingefädelt. „Eigentlich war es ein Zufall“, sagt er, „denn der Vorschlag kam vom Fischer-Verlag bei der Leipziger Buchmesse.“ Zusammen mit der Bibliotheks-Mitarbeiterin Christine Breitschopf hatte er mit einer Verlagsmitarbeiterin über die Aktionen der Neusser gesprochen: „Sie brachte dann Monika Maron ins Spiel.“ Die Schriftstellerin habe „ruckzuck“ zugesagt, selbst die Terminabsprache (sonst häufig ein großes Problem) habe reibungslos geklappt.

Wichtig für Müller-Jerina ist bei der Auswahl des „Neuss liest“-Autors ein umfangreiches Œuvre und ein ganz neues Buch, das bei der Eröffnung vorgestellt werden kann. An Romanen und Aufsätzen von Maron besteht nun gewiss kein Mangel, und mit „Munin oder das Chaos im Kopf“ ist gerade erst ein neuer Roman herausgekommen. Dass dennoch „Endmoränen“ von 2002 im Fokus von „Neuss liest“ liegt und in den bekannten Kaffeepausen-Lesungen kreuz und quer durch die Stadt präsentiert wird, ist ebenfalls eine Entscheidung von Müller-Jerina: „Natürlich haben wir uns durch Marons Romane durchgelesen“, sagt er, „und mit ,Endmoränen’ jenen bestimmt, der vermutlich die meisten anspricht, die an der Aktion teilnehmen, der aber auch sehr vielschichtig ist und mehrere Zeitebenen hat.“ Lothar Schröder, Ressortleiter Kultur unserer Zeitung, wird die Eröffnungsveranstaltung moderieren und sich mit Monika Maron vor allem wohl über ihren jüngsten Roman unterhalten.