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Neuss: Mit dem "Chancenwerk" werden Schüler an der Janusz-Korczak-Schule unterstützt

Förderung in Neuss : Schüler und Studenten profitieren voneinander

Seit anderthalb Jahren gibt es an der Janusz-Korczak-Gesamtschule die „Lernkaskade“ des Chancenwerks. 43 Schüler nehmen daran teil.

Salma (10) klebt sorgfältig die Abbildungen ägyptischer Götter über die passenden Texte. „Das ist für Gesellschaftskunde“, erklärt die Fünfklässerin. Serife (16) beobachtet alles genau und greift bei Bedarf ein. An einem anderen Tisch verbessert Jamie (12) aus der sechsten Klasse seine Englischarbeit und Romy (12) fertigt ihre Deutschhausarbeiten an. Elif (15) hilft und unterstützt, wo es nötig ist. Und sie profitiert wiederum von Tiffany Danch, die in Aachen Umweltingenieurswissenschaften studiert und in den Kernfächern Mathe, Deutsch und Englisch den Schülern hilft, aber nach Bedarf auch in allen anderen Fächern.

Diese besondere Situation in einem Klassenraum der Janusz-Korczak-Gesamtschule diente jetzt als „Schnupperstunde“ für Vertreter der Schule, der Wehrhahn-Stiftung, der Stadt und des Chancenwerks. Denn letzteres ist verantwortlich für das Prinzip der „Lernkaskade“, das seit anderthalb Jahren an der Schule angeboten wird: Ältere Schüler der neunten und zehnten Klassen erhalten ein Mal wöchentlich eine neunzig minütige Unterstützung von Studenten, die unentgeltlich ist – im Gegenzug helfen diese Schüler den jüngeren der Klassen fünf bis acht zwei Mal wöchentlich. Aktuell nehmen 32 Unterstufenschüler und elf ältere Schüler das Angebot wahr. Das Prinzip habe sich sehr gut bewährt, so der stellvertretende Schulleiter Stefan Appel: Das soziale Miteinander werde gefördert und das Ganze sei eine riesige Chance, denn die Schule könne besondere Herausforderungen nicht alleine stemmen. Unabhängig von besseren Noten fördere das Projekt die soziale Reife. Beratungslehrerin Monika Kemper sagt: „Den Schülern tut das Ganze einfach gut“ - zudem sei der 45-Minuten-Rhythmus für manche Schüler problematisch. Hilfe durch Eltern führe auch oft zu Konflikten – beim Projekt Chancenwerk dagegen bliebe diese aus.

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Nur eventueller Personalwechsel unter den Studenten führe zu Unruhe. Die Schüler zeigten sich durchweg begeistert. Jamies Noten sind schon viel besser geworden und er dürfe nun neben seinem Wunschpartner sitzen, wie er schmunzelnd sagt. Maja schätzt das ruhige und gute Erklären. Greta aus der neunten Klasse profitiert durch die Studenten beim Englisch-Intensivkurs. Auf der anderen Seite habe sie durch die Nachhilfe bei den jüngeren Schülern viel Stoff wiederholt, was ihr ebenfalls geholfen habe. Dass sie es in ihrer Freizeit tue, verstehe zwar nicht jeder, aber ihr macht das Ganze großen Spaß. Also eine Win-Win-Situation in jeder Hinsicht. Alle Schüler waren wunschlos glücklich mit Chancenwerk. Der Schwerpunkt der Hilfe liegt zwar bei den Hausaufgaben, aber es werden auch Vokabeln abgehört oder Aufsätze zu bestimmten Themen zu Übungszwecken geschrieben.

Das Prinzip überzeugte auch Helene Reuther und Claire Straaten von der Wehrhahn-Stiftung, die das Projekt seit anderthalb Jahren finanziell unterstützt und die Realisierung möglich macht, denn die Studenten erhalten eine Vergütung. Die beiden Vertreterinnen zeigten sich begeistert: „Das Lernkaskadenmodell ist überzeugend und gleicht unterschiedliche Bildungschancen aus“, sagt Helene Reuther. Die Praxis zeige das gute Zusammenspiel von jüngeren und älteren Schülern und die Nachhilfe sei durch ein Lerntagebuch gut strukturiert.

Claire Straaten bezeichnete die Aktion als „fantastische Idee“. Heribert Rotthausen, stellvertretender Amtsleiter des Schulverwaltungsamts, brachte das Kaskadenmodell auf die schlichte Formel „einfach aber genial“ – ihn überzeugte auch die ruhige und konzentrierte Atmosphäre.