Theater am Schlachthof Mit Baerbock auf der Bühne

Neuss · Martin Maier-Bode schrieb und inszenierte den satirischen Roadtrip „Letzte Ausfahrt Reuschenberg“ am Theater am Schlachthof. Ein wunderbar unterhaltsamer Abend.

 Szenenfoto aus „Letzte Ausfahrt Reuschenberg“ von Martin Maier-Bode mit Franka von Werden, Jens Kipper (hinten) und Harry Heib (r.).

Szenenfoto aus „Letzte Ausfahrt Reuschenberg“ von Martin Maier-Bode mit Franka von Werden, Jens Kipper (hinten) und Harry Heib (r.).

Foto: Judith Look

Die erste Uraufführung in der neuen Spielzeit im Theater am Schlachthof ist wunderbar gelungen. Kabarettist Martin Maier-Bode hat „Letzte Ausfahrt Reuschenberg“ geschrieben und selbst inszeniert. Er setzt dabei mit den Schauspielern Harry Heib, Jens Kipper und Franka von Werden sowie der Bühnenbildnerin Britta Bremer auf Teammitglieder von „Stunk Neuss“. Dass sich alle Beteiligten kennen und seit Jahren zusammenarbeiten, ist spürbar. Die Rollen sind dem Trio quasi auf den Leib geschrieben. Und es ist umwerfend komisch, in welche verschiedenen Rollen die drei Protagonisten im Laufe des Abends schlüpfen. Die teilweise schrillen Kostüme (Stefanie Klein) unterstreichen die grotesken Seiten unseres Alltags. Doch das Spiel der drei driftet zum Glück nie ins Klamaukhafte ab. Zum Ende hat Franka von Werden ihren ganz großen Auftritt als Außenministerin Annalena Baerbock.

„Letzte Ausfahrt Reuschenberg“ lässt Reuschenberg ganz hinter sich und konzentriert sich auf Holzheim, seit 48 Jahren Stadtteil im Neusser Süden mit rund 8000 Einwohnern. Ausgangspunkt ist der fiktive Bundeswettbewerb „Schönster Vorort“. Dabei ist Holzheim in die Endrunde gekommen. Doch dann gewinnt Aschheim bei München. Jetzt entern drei Holzheimer die Bühne: der Güllepumpenproduzent (Harry Heib), die Lehrerin (Franka von Werden) und der Kneipenwirt (Jens Kipper) sind riesig enttäuscht und wittern einen Skandal. Das Trio sind der Vorsitzende, die Schriftführerin und der Wirt der Vereinskneipe des Verschönerungsvereins, der mit Blumenkübeln das Ortsbild aufgehübscht hat. Da muss die CSU in Berlin Druck gemacht haben. Die drei Holzheimer beschließen, sofort nach Berlin aufzubrechen und den Skandal aufzudecken. Mut machen sie sich mit dem Absingen der Holzheim-Hymne.

Mit ihrem betagten Ford Fiesta bleiben die Holzheimer in Brandenburg liegen. Im Wald hören sie die Wölfe heulen, was einen verschrobenen Förster (Harry Heib) auf den Plan ruft. Der liebt Wölfe und hasst Mountainbiker. Um weiterzukommen, nehmen sie ein Taxi. Doch der Ossi-Taxifahrer (Jens Kipper) schmeißt die arroganten Fahrgäste aus dem Westen auf halbem Wege aus dem Wagen. Dann scheitern sie am überforderten Pförtner (Jens Kipper) des Bundeskanzleramtes. Mit großer Spielfreude und Sinn für Situationskomik sind alle drei dabei. Schließlich begegnen sie Annalena Baerbock (Franka von Werden) im Reichstag. Sie ist über die schönen Blumenkübel in Holzheim bestens im Bilde, aber helfen kann sie auch nicht.

Kein Happy End, aber eine wichtige Erkenntnis: Es nützt nichts, alles an die Politik zu delegieren, die Bürger sollen selber die Demokratie mit Leben füllen. So hieß es auch im Schlusslied: „Steht auf“. Das Publikum ließ sich nicht lange bitten: Applaus im Stehen.

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