Neuss: Mini-Häuser sollen Wohnraum-Problem lösen

Politik in Neuss skeptisch : Mini-Häuser sollen Wohnraum schaffen

„Die Linke“ will prüfen lassen, ob „Tiny Houses“ in Neuss aufgestellt werden können. Davon sollen auch Berufsanfänger profitieren.

Sie sind klein, meist aus Holz, oft mobil – und eine Lösung für den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Neuss? Sogenannte Tiny Houses sollen – so in der Theorie – das Wohnen auf engstem Raum attraktiv machen. Die Minihäuser mit wenigen Quadratmetern Grundfläche sind flexibel und vergleichsweise günstig. In anderen Städten sind sie bereits als alternativer Wohnraum im Stadtbild zu finden. So zum Beispiel in Berlin. Auch die Stadt Düsseldorf prüft, ob und wo das Aufstellen von Tiny Houses ermöglicht werden kann. Da nur erschlossene Grundstücke in Betracht kommen, können Plätze zum Beispiel im Rahmen künftiger Bebauungspläne vorgesehen werden.

Zur nächsten Sitzung des Planungsausschusses hat die Fraktion „Die Linke“ nun beantragt, die Möglichkeit zur Errichtung von Tiny Houses auf dem Neusser Stadtgebiet zu prüfen. Als Großstadt biete Neuss schon jetzt viele verschiedene Wohnumgebungen und -formen. Tiny Houses seien eine „gute Ergänzung für Menschen mit individuellen Wohnbedürfnissen, die Urbanität und Naturnähe verbinden wollen“, heißt es in der Begründung. Vor allem Berufsanfänger könnten davon profitieren. Vor dem Hintergrund des niedrigen Anschaffungspreises könnten die Häuser zudem als kreativer Baustein für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraums gesehen werden. „Natürlich ersetzen Tiny Houses nicht die Notwendigkeit zum massiven Ausbau des öffentlich geförderten Wohnungsbaus“, so der Fraktionsvorsitzende Roland Sperling. „Allerdings sollten wir auch neuen Wohnformen gegenüber aufgeschlossen sein. Wir gehen davon aus, dass der Flächenverbrauch gering ist und durch die Mobilität, die viele der kleinen Häuschen mit sich bringen, eröffnen sich auch neue Perspektiven in der Stadtentwicklung. Dabei ist unser Antrag nur ein erster Aufschlag, weitere Prüfungen werden folgen.“

Oft sind Tiny Houses auf einem Fahrgestell montiert, was einen spontanen Ortswechsel ermöglicht. Ob Räder unter dem Haus montiert sind oder nicht, ist aber für die rechtliche Einordnung wichtig. Das Gesetz unterscheidet hierzulande klar zwischen Häusern und Fahrzeugen, erklärt der Verband Privater Bauherren (VPB). Für beide gelten Auflagen. Hat ein Tiny House Räder und soll auf die Straße, gilt es als Wohnwagen und muss für den Straßenverkehr zugelassen sein. Bekommen die Besitzer die Zulassung, müssen die rollenden Häuser dann auch wie Wohnwagen angemeldet, versichert, versteuert und technisch kontrolliert werden.

Steht das Minihaus hingegen auf Dauer auf einem Grundstück, muss es dort genehmigt werden wie jedes normale Wohnhaus. Dann greift zunächst die Landesbauordnung, die bestimmte Forderungen an den Wohnraum stellt, etwa mit Blick auf Dusche, WC oder den zweiten Rettungsweg. Für die Häuser gilt der Bebauungsplan.

Arno Jansen ist skeptisch, ob die Mini-Häuser tatsächlich einen nachhaltigen Effekt auf dem Wohnungsmarkt erzielen können. Der SPD-Fraktionsvorsitzende bezeichnet die Wohnform als „sehr exotisch“. Aber durch die Verwaltung prüfen lassen, könne man es ja mal.

Auch Ingeborg Arndt, planungspolitische Sprecherin der Grünen, geht nicht von einer dauerhaften Problemlösung durch Tiny Houses aus. Es handele sich dabei zwar um eine interessante Gedankenanregung, die in der Praxis aber wohl nur schwer umzusetzen sei. Sollte sie tatsächlich realisiert werden, könne man jedoch überlegen, eine touristische Attraktion aus den Häusern zu machen.

Auch Helga Koenemann äußert ihre Skepsis: „Das klingt ein bisschen nach Aktionismus“, so die CDU-Fraktionsvorsitzende auf Nachfrage. Sie könne sich nur schwer vorstellen, mit dieser Maßnahme die Wohnungsnot in den Griff zu bekommen. Eine tatsächliche Realisierung könne ohnehin nur erfolgen, wenn sich ein privates Unternehmen findet, das diese kleinen Häuser aufstellt und auch langfristig betreibt.

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