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Neuss: "Milieu-Krippe" im Schützenmuseum zeigt viele Neusser Originale

Brauchtum in Neuss : “Milieu-Krippe“ zeigt viele Neusser Originale

Die „Milieu-Krippe“ im Rheinischen Schützenmuseum ist keine gewöhnliche Krippe: Maria, Josef und Jesus stehen zwar im Mittelpunkt, doch um sie herum sind weder Schafe noch Hirten, sondern 50 Neusser Persönlichkeiten zu sehen.

Bei einer Kölner Krippenwanderung hatte Peter Albrecht die Idee. Als er in der Lyskirche in der Kölner Altstadt die Kölner „Milieu-Krippe“, unter anderem mit Figuren von Tünnes und Schäl sah, war er sofort überzeugt, dass das auch eine gute Idee für Neuss wäre. Albrecht war damals, 2014, schon einige Jahre als Ehrenamtler im Rheinischen Schützenmuseum unterwegs. Der ehemalige Hubertus-Schütze brauchte nicht lange, um seine Kollegen zu überzeugen. „Doch die Frage war, wie finanzieren wir das?“, erzählt der heute 83-Jährige.

Beim Stammtisch der Ehrenamtler wurde entschieden, eine Spendenaktion verbunden mit einem Abendessen zu organisieren. Auf die Teller kam damals das „Quirinus-Schnittchen“, eine Scheibe Brot mit Fleisch, reichlich Soße und obendrauf einem Spiegelei. „Eigentlich ein bekanntes Neusser Reste-Essen, was abends serviert wurde, mit dem Fleisch, das vom Mittagessen übrig geblieben war“, erklärt Albrecht. Der Andrang für das Sponsoren-Essen war groß, die Spendenbereitschaft noch größer. Und so konnte die „Schützenkrippe“ zwei Jahre später bereits zum ersten Mal aufgebaut werden, und war da schon ziemlich komplett.

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Neben Maria, Josef und Jesus im Mittelpunkt der Krippe gruppieren sich 50 knapp 30 Zentimeter große Figuren, Schützen und Neusser Originale, alle längst verstorben. „Das war uns wichtig, dass die Personen, die dargestellt werden, nicht mehr leben, damit es nicht zu langen Diskussionen kommt, wer dort stehen darf“, erzählt Albrecht. Geschnitzt wurden auch nur die Köpfe, und das so, dass eine Ähnlichkeit erkennbar ist. „Die Köpfe nach Bildern originalgetreu nachzuarbeiten, hätte uns 1000 Euro pro Kopf gekostet. Das wäre dann doch zu teuer geworden“, sagt Peter Albrecht. So verlangte der Schnitzer aus dem Bayrischen Wald „nur“ 200 Euro pro Stück. Eine Schneiderin aus der Nähe von Hamburg nähte die diversen Uniformen. Orden, Federn und sonstiger Schützen-Schmuck wurden in mühevoller Kleinarbeit von Ehrenamtlerinnen angefertigt.

 50 Figuren gehören zu der Schützenkrippe, die zuletzt 2018 aufgebaut war, darunter natürlich auch Grenadiere.
50 Figuren gehören zu der Schützenkrippe, die zuletzt 2018 aufgebaut war, darunter natürlich auch Grenadiere. Foto: Stadt Neuss

Zu sehen sind in der Krippe unter anderem der Jägermajor „Hecke Pap“, die Wirtin Mieze Herbrechter, Bürgermeister und Schützenpräsident Hermann Wilhelm Thywissen, der Initiator des Schützenmuseums und langjähriger Stadtarchivar Joseph Lange sowie der Schutzmann Tappermanns Jupp. Die Heiligen Drei Könige werden von den Schützenkönigen Joseph Leuchtenberg (1826), Hermann Welter (1869) und Ernst Heitzmann (1953) dargestellt. Und sie kommen nicht mit Gold, Weihrauch und Myrrhe, sondern mit typisch rheinischen Geschenken, nämlich Sauerkraut, Altbier und Flönz. Zu den Figuren gehören auch eine muslimische Frau und ein Muslim in Schützenuniform. „Damit wollen wir ausdrücken, dass jeder bei uns in Neuss willkommen ist“, so Albrecht. Den Hintergrund der Krippe bildet eine Ansicht des alten Neumarkts.

Zu sehen ist das detaillreiche Stück im Rheinischen Schützenmuseum an der Oberstraße 58 noch bis zum 2. Februar, mittwochs bis sonntags von 11 bis17 Uhr (vom 20. Dezember bis 10. Januar ist das Museum allerdings geschlossen). Der Eintritt ist frei, es gilt die 2G-Regel. Kommenden Sonntag, 12. Dezember, und eine Woche später am 19. Dezember wird Peter Albrecht, der betont, dass die Krippe eine große Gemeinschaftsleistung war, von 15 bis 16 Uhr einiges über die Figuren erzählen. Ein Abschiedsgeschenk, sagt er, denn zum Ende des Jahres hört er als Ehrenamtler im Schützenmuseum auf. Anneli Goebels