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Neuss: Michael Klinkicht debütiert als Prologius des Nüsser Ovend

Der neue Prologius des „Nüsser Ovend“ : Ein „Bürgerschreck“ in der Bütt

Michael Klinkicht von den Grünen debütiert am Samstag als Karnevalsredner. Die Heimatfreunde machen ihn zum Prologius des „Nüsser Ovend“. Der Ur-Grüne kündigt eine politische Rede an, will aber mit den Gegnern fair umgehen.

Geerlings, Hamacher, Greiwe, Rosen, Henke, Freistühler: Die Karnevalsabteilung der Heimatfreunde wirkte immer ein wenig wie eine Vorfeld-Organisation der Neusser CDU. Und der „Nüsser Ovend“ war ihr Fest. Daran änderte auch der Neustart unter Jean Heidbüchel und Jens Hartmann wenig. Trotzdem bringt der Elferrat am Samstag den Ur-Grünen Michael Klinkicht als Prologius auf die Bühne. Ein „Bürgerschreck“ in der Bütt. Das kann ja heiter werden. Hoffentlich.

Vor 40 Jahren erblickten die Grünen das Licht der Welt. „Einst Anti-Parteien-Partei, heute Kanzlerhoffnung“, fasst das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe den weiten Weg seitdem zusammen und attestiert dem bunten Häuflein von einst: „Endlich erwachsen.“ Die Neusser Grünen sind das allemal – und nach fast fünf Jahren an der Seite der CDU im Stadtrat auch koalitions-gestählt. War das Klinkichts Eintrittkarte zum „Ovend“? Der winkt ab.

Nein, ein Casting habe er nicht durchlaufen, keine Talentprobe durchstehen, keine Mitgliedschaften nachweisen müssen, sagt der derzeit dienstälteste Fraktionsvorsitzende im Neusser Rat. Seine Etatreden seien es gewesen, die sich herumgesprochen hätten. Dem von Jens Hartmann unterbreiteten Angebot, mal vor größerem Politikum Funken sprühen zu lassen, konnte Klinkicht am Ende nicht widerstehen. Dann aber sei er doch schwankend geworden: „Im Rat kenne ich ja mein Publikum.“ Den „Ovend“ aber besuchte er zuletzt vor zehn Jahren.

Klinkicht lehnt sich in seiner Norfer Dichterklause zurück und kaut an seinem Stift. Seit dem Wochenende feilt er an seiner Rede, dem Programmpunkt Nummer eins am „Ovend“. Politisch werde seine Rede sein, das vor allem, sagt er. „Wenn man schon einen wie mich verpflichtet...“. Aber korrekt will er sein. Bei anderen Politikern in der Bütt sei „ja mal was aus dem Ruder gelaufen“, sagt er. War da nicht mal was mit Annegret Kramp-Karrenbauer?

Für ihn ist der Gang in die Bütt ein Debüt. „Ich bin ein breit aufgestellter Humorist“, sagt Klinkicht über sich selbst. Doch an Einmarsch, Tusch und „Krätzchen“ – und das mit und für ihn – hätte er nicht im Traum gedacht, als er 1980 allen Farben abschwor und sich seitdem schwarz kleidet. Nur so kennen ihn die Grünen, denen er sich 1984 anschloss, „um an Informationen zu kommen“. Die erste Mitgliederversammlung besuchte er dann 1988. Anlass: „Die hatten mir glatt zweimal den Jahresbeitrag abgebucht“, sagt er. Und das ließ sich nur auf der Versammlung klären.

Aktiv wurde Klinkicht dann als Autor von Flugblättern für die Hausbesetzer in Neuss und als Kämpfer gegen die Abrechnungspraxis der Telekom. „Damit kam ich sogar ins Fernsehen“, sagt er stolz. Das Verbraucherthema brachte ihn dann aber 1995 auch in den Parteivorstand der Grünen und 1999 in den Rat. Dem will er nach der nächsten Wahl auch noch angehören dürfen.

Akzeptiert in der Stadtgesellschaft waren die Grünen damals noch nicht. „Wir galten landauf, landab als Bürgerschreck-Partei“, sagt Klinkicht. „Sogar auf der Straße bin ich beschimpft worden.“ Was soll da am Samstag noch passieren?

Ins Redekonzept lässt er sich nicht blicken, aber eine Schlusspointe hat er verworfen: die – scherzhafte! – Bekanntgabe seiner Bürgermeisterkandidatur. „Ich will den Leuten ja nicht den Abend verderben.“