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Neuss: Martin Ferfers übersetzt sein Bilderbuch Siggi Sternenschläfer auf Ukrainisch

Spendenaktion in Neuss : Autor übersetzt Gute-Nacht-Geschichte auf Ukrainisch

Der gebürtige Neusser Autor Martin Ferfers hat sein Kinderbuch „Siggi Sternenschläfer“ ins Ukrainische übersetzen lassen. Dass er damit eine Marktlücke füllt, hat ihn selbst überrascht. Doch die Nachfrage ist groß, das Angebot an ukrainischer Literatur rar.

Siggi ist ein neugieriger Hase. Selbst, wenn er längst schlafen sollte, hat er noch Fragen: „Papa, warum leuchten die Sterne nur nachts?“, möchte er zum Beispiel wissen. Und der Hasenvater fängt an, zu erzählen.

„Siggi Sternenschläfer“ heißt das Gute-Nacht-Bilderbuch, das der gebürtige Neusser Martin Ferfers schon 2015 in einem Selbstverlag veröffentlich hat. Nun, sieben Jahre später, hat er das Buch erneut in den Druck gegeben – denn die Geschichte rund um den kleinen Hasen soll bald auch auf Ukrainisch zu lesen sein. Damit möchte der 39-Jährige einen Beitrag leisten und die Menschen unterstützen, die ihre Heimat wegen des Kriegs in der Ukraine verlassen mussten. „Die Bilder in den Nachrichten haben mich sehr berührt, ich habe mich gefragt, was man neben Spenden noch unternehmen kann“, erzählt er. Und dann sei ihm sein Hase Siggi in den Sinn gekommen: „In dem Buch geht es um Liebe und Geborgenheit, Gefühle, die vielen Familien mit ihren Kindern gerade fehlen dürften.“ Also machte sich Martin Ferfers, Sohn des ehemaligen Umweltdezernenten Horst Ferfers, auf die Suche nach einem Übersetzer. Über Mitglieder seines Schützenzuges wurde er schnell fündig: „Zum Glück hat das Bilderbuch nicht viel Text“, sagt der 39-Jährige, und so habe es nicht allzu lange gedauert, bis es auch in einer ukrainischen Version vorlag. Die Bücher wollte er über Initiativen an ukrainischsprachige Kinder verschenken.

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  • Mitinitiator der Spendenaktion Andre Sole (l.),
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Was der gebürtige Neusser da noch nicht ahnte: Mit seiner Bilderbuchübersetzung füllt er eine Lücke auf dem Markt. „Die Buchhändler in Deutschland suchen händeringend nach ukrainischen Kinderbüchern“, ist etwa in einem Artikel des Börsenblatts, dem Fachmagazin der Buchbranche, zu lesen. So war es zum Beispiel in einer Hamburger Buchhandlung, die von Lutz Heimhalt und der gebürtigen Ukrainerin Natalia Banakh geführt wird. Durch einen Pressebericht wurde der 39-Jährige auf das Paar aufmerksam. „Ich habe ihnen angeboten, einige Bücher zu spenden“, erzählt er. Überrascht war er von der Dynamik, die sich daraus entwickelte. Allein 200 Bücher wollte das Buchhändlerpaar ihm abnehmen, um sie an Bibliotheken und andere Organisationen zu verteilen, weitere 100 möchte sie an andere freie Buchhandlungen und Organisationen vertreiben. Kurzerhand hat Martin Ferfers seine Auflage auf 1200 erhöht.

Einen Teil seiner Bücher gibt er auch an das Neusser Bücherhaus am Münster – 50 Bücher spendet er, 50 nimmt ihm die Inhaberin Dorothea Gravemann ab. Unabhängig von ihm hat sie eine Aktion gestartet: Mit Spenden kauft sie ukrainische Kinderbücher, die dann an die ukrainischen Kinder in Schulen, Kitas und Privatinitiativen verschenkt werden. „Die Muttersprache ist ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung und ein Stück Zuhause“, erklärt sie. „Dies gilt umso mehr, je kleiner die Kinder sind. Darum brauchen Kinder aus der Ukraine ukrainische Kinderbücher.“ Doch noch sei das Angebot rar: Zwar hätten die deutschen Verlage bereits mit Übersetzungen begonnen, doch Papierknappheit in den Druckereien verzögere die Prozesse. Neben den Siggi-Bilderbüchern hat die Buchhändlerin noch eine andere Bezugsquelle: Der Buchgroßhändler Libri habe ukrainische Kinderbücher mit Lkw aus der Ukraine geholt. Zahlreiche dieser Bücher habe Gravemann schon geordert: „Diese Umsätze helfen den ukrainischen Verlagen vor Ort.“