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Neuss: Markus Andrae hat eine Komödie über Sherlock Holmes geschrieben

Krimi im TaS Neuss : Sherlock Holmes verschlägt es an den Niederrhein

Markus Andrae hat für das Theater am Schlachthof eine neue Komödie über Sherlock Holmes geschrieben.

Markus Andrae (56), der künstlerische Leiter des Theater am Schlachthof (TaS), ist neben seinen vielen Engagements als Regisseur seit genau 25 Jahren auch als erfolgreicher Autor tätig. Mindestens eine Komödie pro Jahr oder musikalisch-literarische Kleinkunst hat der auch als Gitarrist überzeugende Schauspieler geschrieben. So etwa das Flusslieder-Programm „Das Echo der Flüsse“ (2017), die illustre Unterhaltung mit Violine und Klavier „Der Klang der Freiheit“ (2016) oder die wunderbare Hommage an die Liebe mit dem Titel „Im Bann der Koslowski-Konstante“ (2015). Jetzt feierte sein neuestes Stück „Sherlock Holmes und das Mysterium des Mirakels“ im TaS Premiere und Uraufführung zugleich.

Die Kriminal-Komödie ist sehr frei nach Arthur Canon Doyle verfasst. Man darf Markus Andrae getrost unterstellen, dass er mit dieser Komödie auch den Erfinder der berühmtesten Detektivfigur aller Zeiten exakt 90 Jahre nach seinem Tod würdigt. Etliche Erzählungen haben bei Doyle, in dessen Leben der Hang zum Spirituellen eine große Rolle spielte, den Titel „The Mystery of...“

Im TaS befindet sich der Meisterdetektiv auf der Rückreise von Reichenbach nach London und hat ausgerechnet vor dem düsteren Hotel Ratherbroich im Niederrheinischen eine Panne. Holmes und sein legendärer Begleiter Dr. Watson checken in das Hotel ein, das vom Ehepaar Else und Otto Wipp geleitet wird, die sich riesig über die Gäste freuen, denn das Haus steht kurz vor der Pleite. Else ist vor Freude geradezu hysterisch, Monika Sobetzko spielt das laut, aber musikalisch-rhythmisch perfekt aus. Ihr Mann Otto (Lars Evers) ist in ominöse Geschäfte verwickelt. Hat er etwa mit dem verschwundenen Rheingold zu tun?

„Wat, Richard Wagner ist ein Verbrecher?“ fragt Else Wipp entsetzt. Sherlock Holmes und Dr. Watson bieten ihre Hilfe an, genießen zunächst aber erst einmal Tee. Neusser Sauerkraut als Tee findet Dr. Watson „sehr lecker“ und bestellt „as schnell as möglich“ eine zweite Tasse. Der Meisterdetektiv wähnt sich gar im „kulinarischen Paradies“ und findet den Neusser Tee „außergewöhnlich aromatisch“.

Dann aber ermittelt er inkognito und findet zunächst Ameisen auf den knarrenden Dielen. Dr. Watson mahnt: „Es geht hier um den Schatz der Nibelungen!“ Das Bühnenbild ist bei seinen kriminalanalytischen Methoden hilfreich und äußerst gelungen (Tina Bundkirchen). Originelle, meist ruhige Bühnenmusik (Fabian Schulz) trägt zur Entspannung in aufregender Komödie bei. Am Ende ist das Geheimnis ohnehin ein Wunder.

Die Theaterpädagogin und Theaterwissenschaftlerin  Sarah Binias hat in ihrer ersten abendfüllenden Regie im TaS ihren Schauspielern Wortwitz und hohes Tempo verschrieben. Die Aufklärung des Falles endet mit einem Slapstick par excellence.. „Habe ich mich jemals geirrt?“ fragt Sherlock Holmes, als er mit seiner genialen Intuition das Rheingold als – nein, wird hier nicht verraten. Die Begeisterung der Zuschauer über ein flottes Theaterstück fasst Dirk Markgraf aus Grimlinghausen so zusammen: „Britisch, rheinisch, schräg, ein sehr schönes Kabinettstückchen. Toll, wie ein blasierter Sherlock Holmes seiner Rolle sehr viel Charme gibt.“ Und Tochter Klara (13) ergänzt: „Das war total lustig und hat mir sehr gut gefallen.“

Die nächsten Aufführungen sind am 4. und 5. April. Weitere Infos und Karten unter Telefon 02131 277499.