Neuss: Marienhaus ebnet den Weg zum Erzieher-Beruf

Ausbildung in Neuss : Marienhaus ebnet Weg zum Erzieher-Beruf

In vielen Kindertagesstätten herrscht Personalnot. Erzieher werden dringend benötigt. Das Marienhaus ermöglicht die Ausbildung.

Erzieher werden händeringend gesucht. Aber wer eine solche Tätigkeit anstrebt, braucht eine gewisse Portion Leidenschaft. Gerda Maria Himmels, Leiterin des Neusser Berufskollegs Marienhaus in Erzbischöflicher Trägerschaft, führt drei junge Frauen als Beispiele an, wenn sie nach der Motivation für den Erzieher-Beruf gefragt wird. „Weil sie für diesen Beruf brennt“, das sage etwa Samira Wieszorek (24), die derzeit die Oberstufe der Fachschule für Sozialpädagogik im Marienhaus besucht. Zuvor hat sie dort eine Kinderpflegeausbildung absolviert.

Die 21-jährige Julia Desczyk hat nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Familienzentrum abgeleistet, bevor sie in die Fachschule eingetreten ist: „Ich finde es spannend, als Lernbegleiterin Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen, denn Kinder sind Konstrukteure ihrer eigenen Umwelt.“ Anna-Maria Raschdorf, gerade einmal 19 Jahre alt, wünscht sich zusätzlich zur Fachschulausbildung eine weitere theoretische Vertiefung. Deshalb kombiniert sie die Erzieherausbildung mit einem Studiengang der Kindheitspädagogik, ein Kooperationsmodell zwischen dem Marienhaus und der Katholischen Hochschule Köln.

Die Wege in die Fachschule für Sozialpädagogik sind vielfältig. Sie führen unter anderem über eine Berufsausbildung oder den Hochschulzugang mit einem einschlägigen Praktikum von 900 Stunden. Über diese Einstiegsmöglichkeiten werden die Interessenten im Marienhaus in umfassenden Einzelgesprächen beraten. Neben der vollzeitschulischen Ausbildung bietet die Einrichtung an der Kapitelstraße seit dem Schuljahr 2018/2019 die „praxisintegrierte Form“ an: Vom ersten Tag an arbeiten die Studierenden zu gleichen Anteilen in der Praxis und Schule. Anders als bei der Vollzeitform, die im dritten Jahr („Anerkennungsjahr“) vergütet wird, wird diese „PIA-Ausbildung“ schon vom ersten Tag an bezahlt. Die Studierenden schließen mit den jeweiligen Trägern einen Ausbildungsvertrag ab. „Die Fachschulausbildung hat sich in den vergangenen 20 Jahren stark verändert“, sagt Himmels. Die Ausbildung sei im sogenannten Deutschen Qualifikationsrahmen auf Level 6 angesiedelt, was einem Bachelorabschluss entspricht. „Stand bis dahin die Betreuung von Kindern im Mittelpunkt, steht heute die frühkindliche Bildung im Fokus.“

Der Erwerb einer beruflichen Handlungskompetenz sei deshalb vorrangiges Ziel der Ausbildung. „Erzieher müssen ein breites abstraktes Wissen und ein vielfältiges methodisches Können auf den Umgang mit Menschen in konkreten Situationen anwenden. Empathiefähigkeit sowie Freude am Umgang mit Kindern sind weiterhin notwendige Grundvoraussetzungen“, so die Schulleiterin. Und wie sieht es nach der Ausbildung mit Fort- und Weiterbildung aus? „Die gestiegenen Herausforderungen an Erzieher erfordern ein lebenslanges Lernen.“

Das Marienhaus versteht sich als Kompetenz- und Weiterbildungszentrum. „Neben einer qualitativ hohen Ausbildung können Zusatzqualifikationen in den Bereichen Religionspädagogik, Naturwissenschaft, Sprache und Motopädie erworben werden“, erklärt Himmels.

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