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Neuss: Maria Baum wird am 5. Juni 100 Jahre alt

Maria Baum aus Neuss : Siebenfache Ur-Oma feiert ihren 100. Geburtstag

Maria Baum aus Neuss ist trotz ihres hohen Alters ein geselliger, humorvoller Mensch mit einer bewundernswerten Energie. Am 5. Juni hat sie Grund zum Feiern. Wegen der Corona-Pandemie geht das allerdings nur im kleinen Kreis.

Zu Weihnachten konnten sich die sieben Enkel und sieben Ur-Enkel noch auf selbstgebackenes Spritzgebäck aus ihrer Küche freuen, auf Familienfeiern gehört sie stets zu den letzten Gästen und spült nachts schnell das schmutzige Geschirr ab: Maria Baum ist ein geselliger, humorvoller Mensch mit einer bewundernswerten Energie. Am 5. Juni wird sie 100 Jahre alt.

Das Gehör funktioniert zwar nicht mehr ganz so gut, und Lesen strengt die Augen an, aber davon abgesehen fühlt sich die Jubilarin noch richtig fit. Jeden Tag kocht sie sich in ihrer Wohnung am Agrippinaweg in Meertal ein leckeres Essen – zum Beispiel ihr Leibgericht Fleischrouladen. Ein kleiner Spaziergang – ohne Rollator – gehört ebenfalls zu den täglichen Ritualen, und die Wohnung hält sie ohne fremde Hilfe sauber – inklusive Fenster. „Bei mir muss sich keiner anmelden – ich habe immer alles picobello“, berichtet Maria Baum. Gibt es ein „Geheimrezept“ dafür, mit 100 Jahren noch so selbstständig zu sein? Sie habe immer viel gearbeitet, sich viel bewegt, nie geraucht und keinen Alkohol getrunken.

Geboren wurde sie am 5. Juni 1920 als „Fritze Bäcks Marie“ im fränkischen Rannungen in die Familie Fritz hinein. Ihre Eltern betrieben einen Bauernhof und eine Bäckerei, und so musste Maria als ältestes von sechs Kindern schon früh mitarbeiten. Gerne hätte sie studiert und wäre Lehrerin geworden, aber ihr Vater tat diese Pläne mit den Worten ab: „Die soll besser mal einen Kuhstriegel in die Hand nehmen.“ Als Maria beim Domprobst in Würzburg die Haushaltsführung lernte, brach der Zweite Weltkrieg aus. Mitten im Krieg, 1942, heiratete sie Rolf Baum, der aus Düsseldorf stammte und mit seiner Familie nach Bayern evakuiert worden war. Als ihr Mann 1946 aus italienischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, war die älteste Tochter bereits drei Jahre alt. Drei weitere Kinder folgten, wobei die kleine Rosemarie schon im Alter von drei Jahren infolge eines tragischen Unfalls starb.

1953 zog die Familie nach Neuss, wo Rolf Baum Geschäftsführer im Kaufhaus Kaiser und Gans wurde. Später eröffnete er eigene Modegeschäfte in Oberhausen und Bottrop – tatkräftig unterstützt von seiner Frau Maria, der ein modisches und gepflegtes Äußeres nach wie vor sehr wichtig ist. Gute Zeiten verbrachte die Familie in ihrem Ferienhaus am Venekotensee bei Brüggen. „Die Jahre, als die Kinder klein waren, und die Zeit am See“ gehören zu ihren schönsten Erinnerungen. Doch an diesem See, an dem sich das Ehepaar schließlich komplett niederließ, musste sie auch von ihrem Mann Abschied nehmen, der bereits vor 30 Jahren starb. In ihrer großen Trauer suchte sich die Witwe damals ein neues Hobby – sie begann zu malen. Und so schmücken Aquarelle mit Blumen- und Landschaftsmotiven unter anderem die Wände im Haus ihrer Tochter Gisela von der Stein in Rosellen. Die Bilder sind fröhlich und bunt – so wie das Naturell der Malerin, die sich von Schicksalsschlägen nicht unterkriegen ließ und sich ihren Optimismus bewahrt hat.

Der große Tag kann wegen der Pandemie allerdings nur im kleinen Kreis im Garten eines Enkelsohnes gefeiert werden. Sie blicke auf ein erfülltes Leben zurück, sagt Maria Baum. Aber einen Wunsch habe sie doch noch: „Ich möchte gerne mal so eine Alte im Theater spielen“, erklärt sie lachend. Mit dem Text dürfte sie jedenfalls keine Probleme haben, denn die Gedichte ihrer Kindheit sagt Maria Baum noch so flüssig auf wie vor Jahrzehnten.