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Neuss: Margarete Falkenberg wird Heiligabend 100 Jahre alt

Margarete Falkenberg wird Heiligabend 100 Jahre alt : Ein Neusser „Christkind“ mit viel Spaß am Reisen

Margarete Falkenberg feiert an Heiligabend an der Kölner Straße die Vollendung ihres 100. Lebensjahres. „Ich habe mein Leben gelebt“, sagt die gebürtige Holzheimerin - und wirkt zufrieden.

Heiligabend 1920 bekommt Familie Schmitz in Holzheim ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk: Tochter Margarete wird als Jüngste von vier Geschwistern geboren. Hundert Jahre später sitzt die alte Dame bei Annegret und Ulrich Jungbluth in ihrem Haus an der Kölner Straße und lässt ihr Leben gedanklich an sich vorbeiziehen. Ulrich Jungbluths Mutter und die von Margarete Falkenberg – so ihr heutiger Name – sind Kusinen. Das Ehepaar Jungbluth kümmert sich seit zwölf Jahren um die Jubilarin.

Margarete Falkenberg ist blind und hört nicht mehr so gut, aber ihr Geist ist hellwach, und im Gespräch erzählt sie immer wieder unvermittelt von dem Ereignis, das ihr Leben am stärksten geprägt hat:  vom Zweiten Weltkrieg. Dann erinnert sie sich an ihre Todesangst bei Bombenangriffen und wie sie um ihr Leben rannte: „Es war eine furchtbare Zeit.“

Da fällt der Blick ganz weit zurück in ihre Kindheit und Jugend schwer. Aber dann erinnert sie sich, wie sie viel im heimischen Haushalt helfen musste und ihre Mutter gepflegt hat – eine Berufsausbildung blieb dem Geburtstagskind verwehrt. Später arbeitete sie 41 Jahre lang bei der Neusser Ölmühle von Walter Rau. In ihrer Stimme schwingt Stolz über die lange Treue zu diesem Betrieb mit. Erst spät gelang ihr die Loslösung von ihrer Familie und sie zog nach Düsseldorf, berichtet Ulrich Jungbluth.

1964 heiratete sie Willy Falkenberg. Er war wesentlich älter als sie und brachte zwei erwachsene Söhne mit in die Ehe. Das gemeinsame Glück währte nur kurz: 1968 verstarb ihr Mann. Zu beiden Stiefsöhnen besteht bis heute guter Kontakt. Ein Sohn lebt in Miami, der andere in New York – und er ruft jeden Sonntag um 18 Uhr an. „Er ist auch schon 86 Jahre alt.“

Margarete Falkenberg entdeckte das Reisen und war fast auf der ganzen Welt unterwegs. „Alleine, aber immer mit einer Reisegesellschaft“, sagt sie. Amerika, Australien, Griechenland, Madeira, Österreich – von den vielen Eindrücken zehrt sie noch heute. Besonders in Erinnerung: eine Äquatortaufe auf einem Frachtdampfer: „So herrlich“, schwärmt sie. Das eigene Land habe sie erst später entdeckt, gibt sie zu: „Deutschland ist schön“ stellte sie fest, nachdem sie den Schwarzwald, die Eifel und Mosel bereist hatte. Immer sei sie im Urlaub viel gewandert.

2008 erkrankte sie schwer und konnte nicht mehr alleine leben, seitdem wohnt Margarete Falkenberg bei Familie Jungbluth. „Ich habe mein Leben gelebt“, meint die Jubilarin rückblickend und wirkt zufrieden. Und wie wird man so alt? Die Jubilarin lacht: „Da fragen Sie mich aber zu viel!“ Gute Gene spielen sicher eine Rolle, denn auch ihre Eltern sind hochbetagt verstorben. Aber dann blickt sie plötzlich ganz spitzbübisch: „Ich habe ja auch immer gerne mal einen getrunken!“ Noch heute genießt sie Killepitsch und manchmal ein halbes Glas Bier. Und mit dem Rauchen hat sie mit 98 Jahren aufgehört – aber nur, weil der Husten so hartnäckig war.

Den schönsten Moment ihres Lebens kann sie nicht benennen: Es gab viele glückliche Augenblicke. „Sie ist immer noch neugierig aufs Leben“, sagt Ulrich Jungbluth. Viel Abwechslung bieten ihr die Provinzkrimis um Franz Eberhofer von Rita Falk, die sie als Hörbücher genießt. Auch Musik gehört zu ihrem Leben, schließlich sang sie früher im Kirchenchor und tanzte gern. Den Geburtstag feiert die Familie im kleinsten Kreis: „Ab 12 Uhr ist Weihnachten“, erklärt Annegret Jungbluth. Und es ist ein Doppelgeburtstag: Ulrich Jungbluth wird an Heiligabend 72 Jahre „jung“.