Neuss: Mann aus Meerbusch soll Frau mit einem Messer attackiert haben

Prozess nach Angriff in Neuss : Messer-Attacke auf der Furth: Opfer belastet den Angeklagten

Der Angeklagte soll die Frau vor einem halben Jahr mit einem Messer attackiert haben. Nun sagte sie vor Gericht aus.

Ein halbes Jahr nach einer Messer-Attacke auf der Neusser Furth hat das Opfer den Angeklagten am Mittwoch im Prozess am Landgericht Düsseldorf schwer belastet. Der Angeklagte habe sie quer durch ein Wohngebiet verfolgt und schließlich in der Nähe eines Spielplatzes auf sie eingestochen. Der mutmaßlichen Tat sei ein Beziehungs-Wirr-Warr mit unterschiedlichen Anschuldigen, Vermutungen und Gerichtsverfahren vorausgegangen. Zum Prozessbeginn vor einer Woche hatte der Tatverdächtige, der zuletzt in Meerbusch gelebt hatte, zu sämtlichen Vorwürfen geschwiegen.

Zuvor hatte er bei der Polizei alles abgestritten und behauptet, er habe mit der Messerattacke nichts zu tun. Das wurde während der Verhandlung am Mittwoch von dem mutmaßlichen Opfer ganz anders dargestellt. „Er kam plötzlich auf mich zu, ich sagte zu meinem Freund: Lauf, lauf!“, erinnert sich die Frau. „Als er mich eingeholt hatte, drückte er mein Kinn auf eine Bank und zog mir schließlich das Messer über den Hals.“ Blutend sei sie anschließend in ein Mehrfamilienhaus gelaufen, dort habe eine Freundin gewohnt. Anschließend sei sie ins Johanna-Etienne-Krankenhaus eingeliefert worden. In der Klinik sei die Schnittwunde versorgt worden, genauso wie Abwehr-Verletzungen im Bereich der Hände und Arme.

Das Motiv für die Tat konnte der zuständige Richter Reiner Drees nur schwerlich hervorarbeiten. 2012 hatte sich das Paar in Neuss erstmals gesehen, anschließend hatte der Tatverdächtige die Frau bei Facebook angeschrieben. Eine „normale Beziehung“ führten die beiden in der Folgezeit allerdings nicht. „Er wollte nichts Offizielles“, erklärte die Neusserin. „Ich hätte gerne eine Beziehung gehabt.“ Lediglich einmal sei man wie ein ganz normales Paar gemeinsam „zum Chinesen auf der Furth“ essen gegangen, der Rest hätte sich auf Sex, ein eher heimliches Miteinander und auch häusliche Gewalt beschränkt. „Ich bin von ihm verprügelt worden“, sagte die 29-Jährige, „es kam auch zum Prozess. Danach haben wir uns aber wieder versöhnt.“ Später sei er dann im Gefängnis gelandet, per Brief habe er sich von ihr getrennt. „Gab es auch Probleme, weil er Ihnen vorgeworfen hat, Sie würden als Prostituierte arbeiten?“, wollte Richter Drees von der Zeugin wissen. „Ja, ständig“, erklärte die Frau – um gleich hinterher zu schieben, dass sie nie als Prostituierte gearbeitet habe. Nach der Entlassung des 34-Jährigen aus der Haft habe er sie immer wieder bedroht, erklärte die Zeugin – obwohl er sich zuvor von ihr getrennt hatte und auch keine offizielle Beziehung wollte. „Es gab Drohungen per Facebook. Dann haben Nachbarn ihn auch mit einer Pistole bei uns auf der Furth im Hausflur gesehen.“ Letztlich gipfelte das Beziehungs-Durcheinander nach Angaben des Opfers in der Tat vom 5. Oktober.

Ein Rechtsmediziner sagte dazu, die Verletzungen der jungen Frau würden eindeutig zu ihren Schilderungen passen. Am 29. April wird das Verfahren fortgesetzt.

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