Faszination Lost Places Verwunschene Orte und ein versunkenes Boot in Neuss

Neuss · Die Suche nach sogenannten Lost Places fasziniert immer mehr Menschen. Auch in Neuss und Umgebung gibt es verlassene Häuser und alte Gemäuer mit ganz besonderem Reiz.

Neuss: Verwunschene Orte und Lost Places in der Stadt
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Auf der Spur verwunschener Orte

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Foto: Andreas Fahrländer

Es ist eine pittoreske Szenerie: Dort, wo der Silbersee bei Uedesheim in den Rhein mündet, liegt seit den 1990er-Jahren ein alter Aalschokker auf Grund. Das Geisterschiff ragt nur knapp aus dem Wasser. Mast, Steuerrad und Bug sind jetzt zu sehen. Als der Rhein im vergangenen Jahr wegen der langen Trockenheit Niedrigwasser führte, tauchte das Wrack zeitweise wieder ganz aus dem Fluss auf.

Der Aalschokker ist nur einer von zahlreichen Orten in und um Neuss, die als „Lost Places“ gelten. Immer mehr Menschen faszinieren sich für diese verlorenen Orte, die es in den Städten genauso gibt wie auf dem Land. „Urban Exploring“ oder kurz „Urbex“ nennt sich diese Art der Stadterkundung nach verlassenen Plätzen. Eine Google-Maps-Karte, auf der solche Orte auf der ganzen Welt eingezeichnet sind, ist seit diesem Jahr frei zugänglich.

Bei der Erkundung ist allerdings doppelte Vorsicht geboten: Zum einen sind Lost Places oft private Gebäude, die nicht betreten werden dürfen. Zum anderen ist das Risiko meist nicht unerheblich, sich zu verletzen. Der Aalschokker im Rhein ist dagegen relativ gut zugänglich. Er liegt zwar unterhalb der viel befahrenen Koblenzer Straße. Aber über Trampelpfade und durch Brombeersträucher kommt man hier mit festen Schuhen gut ans Ufer, um das Geisterschiff zu sehen.

Anders ist das beim verlassenen Bunker am Berghäuschensweg in Gnadental. Hier kommt niemand so einfach rein. Der Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg verschwindet fast unter seinem Pflanzendach. Dicke Efeustränge ranken sich an ihm empor. Der Verein Luftschutzanlagen Rhein-Kreis Neuss dokumentiert die verschiedenen Bunkerbauten im Kreis.

Wie der Verein auf seiner Website schreibt, wurde der Bunker in Gnadental 1941 gebaut. Er bot über 700 Menschen Schutz. Die seltsame Form, die an eine Kirche erinnert, war von den Nationalsozialisten so geplant: Nach ihrem Willen sollte das Gebäude so nicht nur vor feindlichen Bombern getarnt sein, sondern sich auch gut ins Stadtbild einfügen.

Mehrere Lost Places sind auch rund um den Neusser Hafen zu finden. An der Rennbahn etwa steht derzeit noch die zugemauerte alte Wetthalle von 1959. Sie zeugt von alten, glanzvolleren Zeiten des Pferderennsports. Auf den Industriegleisen zwischen den Hafenbecken 2 und 3 wiederum verrottet ein alter Bahnwaggon – seit wann ist ungewiss, aber die Natur erobert auch ihn Stück für Stück zurück.

Besonders imposant sind die alten Lagerhallen am Hafenbecken 1. Dort, wo seit 1896 in den Speichern der Neusser Lagerhaus-Gesellschaft Getreide und andere Waren von den Schiffen gelöscht wurden, soll neues Leben einziehen. Die Anlage steht seit 2010 unter Denkmalschutz, geplant sind unter anderem ein Hotel und ein Kongresssaal. So könnte wenigstens aus diesem Lost Place in Neuss wieder ein Ort voller Leben werden.