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Neuss: Lehrer verzeichnen keinen Boom an Einser-Abis in Neuss

Abitur in Neuss : Neusser Schulen ohne Einser-Abi-Boom

Bundesweit nimmt die Zahl der Abiturienten mit einem Einser-Durchschnitt zu. Nicht so in Neuss, wie eine Umfrage unter Schulleitern ergab. Tendenz: Die Zahl der Einser-Kandidaten ist vom jeweiligen Jahrgang abhängig.

Mit 900 bis 661 Punkten auf dem Abiturzeugnis steht in dem mehrseitigen Dokument eine 1 vor dem Komma. Die benötigt man für die Zulassung zu vielen Studiengängen. Und auch für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz macht die Zahl sicher in einigen Fällen den Türöffner. Eine Umfrage in den Bundesländern hatte ergeben, dass die Zahl der „Einser-Abiturienten“ beständig gewachsen ist. Sogar von Inflation ist die Rede.

Doch wie sieht es in den Neusser Schulen aus? Werden auch dort die Einser-Kandidaten von Jahr zu Jahr mehr? Von signifikanten Unterschieden in den vergangenen Jahren, was die Einserquote bei den Abiturienten angeht, kann Achim Fischer, Leiter der Janusz-Korczak-Gesamtschule und Sprecher aller weiterführenden Schulen in Neuss, nicht sprechen. „Ich bin seit 14 Jahren hier und kann keine erwähnenswerten Schwankungen feststellen“, sagt der Pädagoge. Und um der Floskel „Abitur zu machen, wird immer leichter“, vorzubeugen, betont er: „Die jungen Menschen, die Abitur machen, müssen schon was können.“ Für ihn ist die Diskussion um die „Einser-Inflation“ einfach nur ein spätes „Sommerloch-Thema“, das immer wieder mal aufploppe. Und die Vergleiche zwischen den einzelnen Bundesländern ein Gesprächsstoff, der sich auch ständig wiederhole.

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Bettina Gossmann, stellvertretende Schulleiterin am Quirinus-Gymnasium, sagt, dass es von Jahrgang zu Jahrgang unterschiedlich sei, wie viele Schüler einen Durchschnitt im Einserbereich haben. „Eine Steigerung von Jahr zu Jahr kann ich nicht feststellen“, fügt sie hinzu. Sicher sei aber, dass die Abiturienten sich heute besser vorbereiten könnten als noch vor zehn Jahren. „Es gibt viel mehr Materialien, die sie sich bei Verlagen bestellen oder im Internet herunterladen können“, erklärt sie. So wüssten die Schüler besser, was auf sie zukomme. Das bedeute jedoch keinesfalls, dass die Prüfungen einfacher geworden seien, eher die Aufgabenformate intensiver eingeübt würden. Das sieht auch Josef Burdich so. „Die Vorbereitungen können heute viel genauer erfolgen als noch vor zehn Jahren“, sagt er. Warum? „Weil die Obligatorik überschaubarer ist.“ Heißt für das Fach Deutsch: Man müsse weniger lesen. Oder für Latein: Es werden mehr Vokabeln angegeben. 13 Jahre hat Josef Burdich das Gymnasium Marienberg geleitet, 15 Jahre war er dort stellvertretender Schulleiter. Sein Fazit: „Wer fleißig ist, kann sich sehr gezielt vorbereiten.“ Daher habe sich die Zahl der Einser-Kandidaten schon erhöht, aber auch an seiner ehemaligen Schule nicht inflationär.

Auch Emmy Tressel, Leiterin des Marie-Curie-Gymnasiums, kann nicht bestätigen, dass sich an ihrer Schule die Zahl der Schulabgänger mit einem Einser-Durchschnitt von Jahr zu Jahr erhöhe. „Ich würde sagen, dass es in den vergangenen drei bis vier Jahren in etwa gleich geblieben ist“, teilt sie mit.

Eine, die vor wenigen Wochen ihr Abitur mit der Durchschnittsnote 1,7 am Norfer Gymnasium bestanden hat, ist Felicitas Hitze. Von den 150 Abiturienten dort haben knapp 40 einen Einser-Durchschnitt. „Ich habe für die Prüfungen schon viel gelernt“, sagt die Rosellenerin, „aber superschwer ist es am Ende nicht gewesen.“ Felicitas wird ab Oktober Geschichte studieren. Ein Einser-Abi hätte sie dafür nicht gebraucht.