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Neuss: Landtagskandidaten sprechen im Politcamp

Landtagskandidaten aus Neuss : Breite Themenpalette im „Politcamp“

Erst- und Jungwähler hatten im Forum der Sparkasse die Möglichkeit, Neusser Landtagskandidaten auf den Zahn zu fühlen. Dabei kamen viele Themen auf den Tisch.

Auf Einladung des Fördervereins Kinder- und Jugendhilfe Neuss sollten sich die Landtagskandidaten vor allem der jungen Wählerschaft präsentieren und Fragen beantworten. Leider waren kaum junge Leute in den Saal der Sparkasse gekommen. Von den sechs Landtagskandidaten fehlten zudem zwei. Interessant war der Talk, den Daniel Fellert moderierte, trotzdem.

Der Einladung gefolgt waren Jörg Geerlings, der für die CDU bereits im Landtag ist und dort auch bleiben möchte, Arno Jansen von der SPD, der nach einer erfolglosen Kandidatur diesmal den Einzug in den Landtag schaffen will, sowie Susanne Benary (Die Grünen) und Thomas Schommers (FDP). Falk vom Dorff (Die Linke) und Dennis Schubert (Volt) fehlten. Die Landtagskandidaten mussten sich zu aktuellen Themen äußern. Dazu gehörte auch die Digitalisierung. Dabei herrschte überwiegend Übereinstimmung. Nicht nur Susanne Benary möchte, dass jeder Schüler einen Tablet-PC bekommt. Generell müssten die Schulen besser ausgestattet werden. Für Thomas Schommers ist wichtig, dass die Lehrer entsprechend ausgebildet werden. „Alle Schulen sind ans Glasfasernetz angeschlossen, Neuss hat als Kommune ihre Hausaufgaben gemacht“, sagte Arno Jansen. Der Umgang mit dem Tablet müsse zum Normalfall werden, er könne mittelfristig sogar die Schulbücher ersetzen. Geerlings zog eine gemischte Bilanz: „In die Digitalisierung muss mehr Dampf reinkommen.“ Digitalisierung sei ein „umfassendes Gebiet“ und es sei „noch viel auf den Weg zu bringen“.

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Zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit beklagte Arno Jansen die zu großen Abstandsflächen von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung. Er schlug außerdem vor, die eine oder andere nicht so wertvolle Ackerfläche für Photovoltaikanlagen zu nutzen. Jörg Geerlings gab zu verstehen, dass Kommunen von den geltenden Abstandsflächen abweichen könnten. „Energie wird das Thema Nummer 1 werden“, ist sich Schommers sicher. Was er kritisierte: „Es ist deutlich zu wenig Geld in die Forschung geflossen.“ Er sprach sich klar dagegen aus, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. „Da bin ich noch grüner als du“, sagte er zu Susanne Benary. Die würde gerne mehr in die erneuerbaren Energien investiert wissen, außerdem liegt ihr ein preiswerterer Öffentlicher Personennahverkehr am Herzen.

Ein weiteres Thema war bezahlbarer Wohnraum. Geerlings sprach von einer Abwägung, wenn es darum geht, ehemalige Gewerbegebiete zu überplanen: Soll dann dort Wohnen möglich gemacht werden oder sollen wieder Gewerbeflächen angesiedelt werden? Selbstredend, dass sich Benary für mehr bezahlbaren Wohnraum, auch für Studenten und Azubis, ausspricht. Dem konnte Jansen nur zustimmen: „Fast jeder zweite Neusser hat Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein.“ Die Zahl der Sozialwohnungen müsse deutlich erhöht werden. Und der Mieterschutz müsse verbessert werden.

Der Ukraine-Krieg beschäftigt die Landtagskandidaten ebenfalls sehr. „Sollen schwere Waffen geliefert werden? Ich habe da jeden Tag eine andere Meinung“, gab Schommers zu. Geerlings sieht nicht, dass die Flüchtlinge bald wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Die Lieferung schwerer Waffen findet er richtig. Susanne Benary erklärte, sie schwanke hin und her, wenn es um Waffenlieferungen geht und lobte die Willkommenskultur in breiten Kreisen der Bevölkerung. Arno Jansen stellte „eine große Übereinstimmung bei den demokratischen Parteien“ fest. Man sei deutlich besser vorbereitet als 2015, als viele Syrer nach Deutschland kamen. Und er beschrieb den Spagat, den die Politik jetzt schaffen müsse: „Einerseits muss die Ukraine die Möglichkeit haben, sich zu verteidigen, andererseits darf es nicht zu einem Flächenbrand kommen.“