Neuss: „La Traviata“ als bestechende Open-Air-Oper vor dem Zeughaus

Vor dem Zeughaus in Neuss : „La Traviata“ als bestechende Open-Air-Oper

Gut 900 Besucher bedeuten bei der 5. Auflage „Music to go" einen Rekord

Bereits ab 9 Uhr hatten Mitarbeiter von Neuss Marketing und Gregor Duschkin sowie Ariel Salmang, die beiden Vorsitzenden des Musikvereins „Music to go“, Stühle vor das Zeughaus geschleppt: insgesamt 650. Das reichte aber bei weitem nicht, um dem Andrang, der kurz nach 12 Uhr auf dem Freithof herrschte, gerecht zu werden. Letztlich waren es gut 900 Besucher, die „La Traviata“, Guiseppe Verdis berühmte Oper, aber im „Espresso-Format“, erleben wollten.

„Music to go“ bringt bereits seit fünf Jahren die beliebtesten Opern- und Operettenhits vor das Zeughaus, um klassische Musik in authentischer und hautnaher Atmosphäre auch einem Opern-unerfahrenen Publikum näher zu bringen.

Ein Streichquartett unter der Leitung von Kapellmeisterin Katharina Storck (1. Violine) fungiert als Orchester: Skeptiker – „Verdi auf ein Streichquartett runter zu schreiben, das geht nicht!“ – belehrte der Düsseldorfer Komponist Raphael D. Thöne: Es geht ganz wunderbar und die optimale Technik sorgte für einen ansprechenden Sound. Bei Verdis „La Traviata“ (Die vom Weg Abgekommene) steht die von der Pariser Gesellschaft abgelehnte Kurtisane Violetta Valéry im Zentrum. Sie stirbt mit 23 Jahren an Tuberkulose. Ihr Liebhaber Alfredo Germont muss auf sie verzichten, was aber ohnehin sein Vater Giorgio Germont – von wegen Kurtisane – gefordert hatte.

Carlos Moreno Pelizari (Tenor) und Agris Hartmanis (Bariton) spielen Sohn und Vater und stellen ihre wunderbaren Opern-würdigen Stimmen gleich im Eingangsterzett „Dell’invito trascorsa è già l’ora“. Sie singen zusammen mit Désirée Brodka (Sopran), die mit der Rolle der Violetta Valéry die umfangreichste Partie hat. Sie singt traumhaft und gestaltet die Arie „Ah, forsè lui che l’anima“ zum Höhepunkt. Oft gab es heftigen Zwischenapplaus wie auf italienischen Opernbühnen.

Désirée Brodka moderierte auch Geschichte und Inhalt der Oper und garnierte ihre Moderation mit direkter Publikumsansprache. Die Arie „Trinken wir aus fröhlichen Kelchen, desto heißer werden die Küsse sein“ ergänzte sie: „Das kennen Sie ja vom Schützenfest!“

Die sehr gute Technik trug die Musik weit ins Rund, und auch beim Restaurant „Schwan“ genossen viele Zuhörer mucksmäuschenstill die Aufführung: „Die musikalische Qualität ist ausgezeichnet, auch in den Streichern, und die perfekte Organisation wird nur von den tollen Sängern übertroffen“, sagt die Neusserin Gisela Jait vollkommen begeistert.

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