Neuss: Kunst in der Kapelle des Gesellenhauses von Johan Thorn Prikker

Johan Thorn Prikker in Neuss : Kunst in der Kapelle als Zeichen der Hoffnung

Die Gestaltung der Gesellenhaus-Kapelle durch Johan Thorn Prikker war eine Art Testlauf für die Fenster in der Dreikönigenkirche.

Noch vor Weihnachten im Jahr 1912 sollten die Fenster eingebaut werden. Nach einem Entwurf des Künstlers Johan Thorn Prikker, gearbeitet von der Berliner Firma Heinersdorffs Kunstanstalt für Glasmalerei, Bleiverglasungen und Glasmosaik und beauftragt vom Neusser Pfarrer Joseph Geller, der damit auch bezwecken wollte, die Fensterentwürfe des Künstlers für die Dreikönigenkirche quasi hoffähig zu machen. Denn immer noch war keineswegs sicher, dass der Kölner Erzbischof den Einbau der Kirchenfenster genehmigen würde. Und so reagierte Heinersdorff in einem Schreiben an den kunstsinnigen Pfarrer: „Da diese Fenster ja noch lange vor den Kirchenfenstern zu sehen sein werden, wollen wir mit ihnen ,Stimmung’ machen für unser großes Werk.“

Die Kapelle mit den Prikker-Fenstern liegt im ersten Stock des ehemaligen Gesellenhauses. Foto: Helga Bittner

Geholfen hat es zunächst nur wenig. Immerhin musste nicht der Erzbischof seine Erlaubnis erteilen, denn die Kapelle war ein Teil des von Peter Behrens entworfenen Katholischen Gesellenhauses an der Sternstraße für den Katholischen Gesellenverein, der 1852 gegründete Neusser Kolping-Verein. Gleichwohl hagelte es heftige Kritik an Gellers Vorgehen, aber auch an den künstlerischen Entwürfen. Besonders das von Prikker in die Kuppel gemalte Bild von der „Opferung Isaaks“ stieß auf Ablehnung Vor allem bei Msgr. Clemens Höller, der nichts unversucht ließ und sich in Briefen auch an den Generalpräses des Gesellenvereins, den Dechanten der Quirinusgemeinde oder Domkapitular Kreutzwald über die „unwürdig gemalten“ Figuren ausließ und den ornamental gestalteten Fenstern jedwede „religiöse Kunst“ absprach.

3D-Kunst: In das Kreuz im Fenster der Gesellenhaus-Kapelle sind  Glasbruchstücke eingearbeitet. Foto: Helga Bittner

Doch Geller setzte sich durch. Die Fenster wurden zwar nicht mehr zum Weihnachtsfest, aber im Januar 1913 eingebaut, und die Kapelle wurde von Geller im April eingeweiht. Wie lange die Fenster von Prikker jedoch an Ort und Stelle blieben, lässt sich heute nicht mehr genau klären. Gleichwohl hat Uta Husmeier-Schirlitz, die Direktorin des Clemens-Sels-Museum, die Geschichte der Kapellen-Kunst so weit zusammengetragen, das sie ein weiterer Mosaikstein in der Geschichte über Prikkers Fenster für die Dreikönigenkirche in Neuss ist. Vermutlich, so führt sie im Katalog zur aktuellen Ausstellung „Ihrer Zeit voraus! Heinrich Campendonk – Heinrich Nauen – Johan Thorn Prikker“ aus, wurden die Kapellenfenster noch 1913 unter dem neuen Präses und Rektor des Gesellenvereins,  Hubert Emonts,  wieder ausgebaut und durch solche ersetzt, die sein Bruder entworfen hatte. Hubert Emonts wollte auch das Wandgemälde in der Kuppel übermalen lassen, was aber ebenso verhindert wurde wie der 1922 gestartete gleichartige Versuch von Pfarrer  Bruchseifer. Das Wandgemälde blieb und wurde 1965 restauriert, als die Kapelle wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde. Da zu diesem Zeitpunkt die erste Fenster-Ausführung von Joseph Geller längst an das Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld verkauft worden war (das runde Fenster mit der Heilig-Geist-Taube ließ Geller in eine Kölner Kapelle einbauen), wurde ein zweite erstellt und 1967 eingebaut.

„Die Anbetung der HL Drei Könige“ aus der Dreikönigenkirche (Ausschnitt). Foto: Woi

Die Kapelle, das komplette Gesellenhaus, gehört heute zum Quirinus-Gymnasium, wird für kleine Andachten genutzt und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Eigentlich. Denn im Rahmen der Ausstellung (bis 10. März) bietet das Clemens-Sels-Museum „Stadtspaziergänge“ an (02131 904141). Sie führen zum einen zur Kapelle und natürlich auch zur Dreikönigenkirche, wo die Fenster von Johan Thorn Prikker als  Beispiel für die Glasmalerei-Kunst des 20. Jahrhunderts – auch und gerade wegen ihrer modernen Darstellung der biblischen Szenen wie der Geburt Jesu oder der Anbetung der Hl. Drei Könige – gelten. Die Fenster in der Kapelle – im übrigen eingerichtet für die Augustinerinnen, die das Gesellenhaus betrieben, was sie ohne einen Andachtsraum niemals gemacht hätten – stehen ihnen in ihrer Leuchtkraft in nichts nach.

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