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Neuss: Künstler Christoph Rehlinghaus fasziniert die Welt der Berge

Atelierbesuch in Neuss : Der Bergwelt-Maler vom Niederrhein

Seit gut zwei Jahren ist der Künstler Christoph Rehlinghaus von der Welt der Berge im Süddeutschen fasziniert. Sie bestimmt auch die Motivwahl seiner Bilder und Installationen, die in seinem Atelier an der Hansastraße entstehen.

Filzmütze, kurze Lederhose, Tiroler Weste, Bergschuhe: Christoph Rehlinghaus weiß genau, dass sein Outfit in hiesigen Breiten – diplomatisch gesagt – ungewöhnlich ist. „Ist auch ein bisschen Attitüde“, sagt er selbstironisch und ergänzt: „Alles wird von mir mit Bedeutung aufwickelt.“ Und so weiß er auch, dass er ein Niederrheiner durch und durch ist – aber: „Beuys hat es mit seiner Filz-Geschichte auch nicht anders gemacht ...“

Doch für den Neusser Maler ist die äußere Erscheinung auch Teil einer inneren Haltung. 55 Jahre ist er alt. Immer schon hatte die jeweilige Lebensphase großen Einfluss auf seine Kunst, die Malerei. Nun allerdings wirkt Rehlinghaus endlich angekommen. In den Bergen, in den Alpen, in Süddeutschland (woher auch die Lederhose stammt), so dass er wieder zu seiner (alt-)meisterlichen Malweise, die sich durch fotografische Genauigkeit und einen ironischen Schlenker auszeichnet, zurückgekehrt ist. Die „Eier“-Nordwand für die NGZ zu Ostern war deswegen auch kein Zufall: Das Bild vom kraxelnden Menschen an der grauen Ei(g)er-Wand nach oben zur Schneekuppe entspricht den Bildern, die ihn umtreiben. Großformatige Arbeiten in seinem Atelier an der Hansastraße zeugen davon.

Berglandschaften breiten sich aus, so wie sie auch in der Natur existieren. Bildmächtig, überwältigend in ihrer ganzen Schönheit. Aber was macht die Zirkustruppe in dieser Schneelandschaft? Mit Elefant, Robbe, Bär und Clown (der natürlich im Schnee ausgerutscht ist), über deren Köpfe bunte Ballons in den unendlichen Berghimmel schweben? Ganz klein, aber auch sofort ins Auge fallend. Eine Tour über die Alpen wird sie so wohl kaum überleben.

Aber sie steht für einen typischen Rehlinghaus, der beim Malen des Bildes auch an Hannibals Alpenüberquerung 218 v. Chr. mit Elefanten während des Zweiten Punischen Krieges dachte. „War wie ein Wanderzirkus“, sagt er, hat ihn eben umgesetzt und ergänzt sich selbst mit einen weiteren Assoziation: „Heute spricht man gerne vom Ski-Zirkus...“

Brechungen wie diese dokumentieren, was der Maler in Worten ausdrückt: „Ich sehe mich in kritischer Distanz zu meiner Leidenschaft für die Berge. Ich will kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.“ Daher das Outfit, daher die intensive, aber humorvolle Beschäftigung mit dem Thema, dem er seit seiner Kindheit verbunden ist, „ohne dass ich es die vergangenen Jahre wirklich gemerkt habe“.

Warum auch immer: Die Erinnerung an eine Bergwanderung als Jugendlicher, bei der er einen Todesfall miterleben musste, wurde vor zwei Jahren so präsent, dass er für sich erkannte: „In mir steckt ein Flachlandtiroler.“ Als Kind vom Niederrhein habe er damals einen regelrechten Kulturschock erlebt und sei gleichzeitig völlig fasziniert von der Bergwelt gewesen.

Wirklich losgelassen hat ihn das wohl nie, sagt er heute, aber sich erst vor zwei Jahren in seinem persönlichen und malerischen Denken Bahn gebrochen. Denn für den Künstler ist die Bergform auch eine Metapher. „Für Freiheit, für Sicherheit“, sagt er, „ein Symbol für alles, was mir passt.“

Mit dem „Wilden Kaiser“ hat es angefangen. Der Gebirgszug bei Kitzbühel schaffte es als erster auf die Leinwand. Wobei der Name „Wilder Kaiser“ von Rehlinghaus gleich mit „kleiner Kaiser“ assoziiert wurde, es folgerichtig eine kleine Figur am linken Bildrand gibt, die nicht von ungefähr an den „Kleinen Prinzen“ erinnert. Was den Maler besonders fasziniert, ist das sich ständig verändernde Licht in den Bergen. „Wie malt man Gestein? Wie sich ständig ändernde Wetterverhältnisse?“ sind Fragen, die den Künstler bewegen und für einen jeweils neuen, inneren Blick sorgen, der auf der Leinwand sichtbar wird.

Dabei bleibt sich Rehlinghaus als Künstler in jeder Hinsicht treu, nimmt sich, was er in der Kunst gebrauchen kann. Das kraxelnde Männlein etwa gehört zu einer Eisenbahnmodellausstattung.