Neuss: Kritik an Polizei wegen Markt-Einsatz nach dem Kappessonntagszug

Nach dem Kappessonntagszug in Neuss : Kritik an Polizei nach Markt-Einsatz

Die Beamten sollen nach dem Kappessonntagszug unnötig brutal reagiert haben. Dieser Vorwurf wird in den sozialen Netzwerken erhoben.

Zehn vorläufige Festnahmen, 55 Platzverweise und eine leicht verletzte Polizistin, die bereits Anzeige erstattet hat. Das ist die ernüchternde Bilanz der Polizei am Tag nach dem Großeinsatz auf dem Markt im Anschluss an den Kappessonntagszug. Dort hatte die Polizei zunächst eine Auseinandersetzung zwischen wenigen Personen unterbunden, wurde während des Einsatzes aber von anderen Anwesenden angegangen. Daraufhin kam es zu unübersichtlichen Szenen.

In den sozialen Netzwerken meldeten sich nun Augenzeugen zu Wort, die eine unverhältnismäßige Gewalt-Anwendung der Beamten beobachtet haben wollen. So seien Personen „brutal auf den Boden geworfen“ worden. Umstehende Karnevalisten seien von den Polizisten – einige von ihnen waren Teil einer Hundertschaft, die zuvor vor dem Amtsgericht im Einsatz war – weggeschubst oder mit Schlagstöcken zurück gedrückt worden. Ein Augenzeuge, der nicht namentlich genannt werden möchte, fasst zusammen: „Da wurde nicht lange gefackelt, sondern gleich fixiert.“ Der Vorwurf im Kern: Durch das Auftreten der Polizei sei die Lage auf dem Markt erst wirklich eskaliert. Die Beamten hätten einen überforderten Eindruck gemacht.

Wie Polizeisprecherin Daniela Dässel auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, wurde bislang im Rhein-Kreis Neuss noch keine Anzeige gegen einen Polizeibeamten wegen dieses Einsatzes erstattet. Dass Personen am Boden fixiert werden und dass dabei auch ein sogenannter Einsatz-Mehrzweckstock genutzt werden kann, sei nicht unüblich. „Kommt eine Person einem erteilten Platzverweis nicht nach, bleibt nur noch die Ingewahrsamnahme“, sagt Daniela Dässel.

In ungewohnter Rolle sahen sich die Rettungsdienste bei dem Einsatz auf dem Markt. Als sie bemerkten, dass die Beamten von Karnevalisten angegangen werden, traten sie sozusagen als „Bodyguard“ der Polizei auf. „Bis die Verstärkung da war, haben wir uns dazwischen gestellt“, sagte Dieter Guderley, Sprecher der Rettungsdienste.

Doch die Rettungskräfte ärgerten sich auch über andere Störfeuer. So seien sie während des Einsatzes von Augenzeugen gefilmt worden. Nach Informationen unserer Redaktion wurde noch auf dem Markt ein Handy konfisziert.

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