Neuss: Krach um Kunst im öffentlichen Raum

Kulturausschuss in Neuss : Es gibt Krach um Kunst im öffentlichen Raum

Die vor rund sieben Jahren gegründete Kommission Kunst wünscht sich eine frühere Beteiligung an Plänen für die Kunst im öffentlichen Raum. Dem Kulturausschuss wird die Ablehnung einer Hoppeditz-Figur empfohlen.

Fast sechs Jahre ist der Beschluss des Kulturausschusses alt, sich beim Thema „Kunst im öffentlichen Raum“ von einer Kommission beraten zu lassen. Jede Schenkung, jede Umsetzung einer Skulptur muss zwar erst vom Kulturausschuss, dann vom Rat beschlossen werden – dem städtischen Konzept zufolge aber nachdem ein Gremium von Fachleuten sich dazu geäußert hat. Das scheint bisher nur bedingt geklappt zu haben, so dass in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses laut Verwaltungsvorlage „um rechtzeitige Einschaltung“ der Kommission Kunst gebeten wird.

Anlass sind zwei Pläne, von denen einer bereits so weit gediehen ist, dass man ihn hinnehmen will, der andere jedoch abgelehnt werden soll. Der Aufstellung einer Skulptur der Neusser Bildhauerin Carola Eggeling am Marie-Curie-Gymnasium (als Teil des Skulpturenpfades Nordstadt vom dortigen Initiativkreis) steht demnach nichts entgegen, aber eine Hoppeditz-Figur auf dem Münsterplatz soll keine Chance haben. Auch in dem Fall ist ein Verein der Initiator: der Freundeskreis Neusser Karneval hatte den Künstler Christopher Pawlowski mit einem Entwurf beauftragt und an den Münsterplatz als repräsentativen Ort gedacht.

„In Neuss war es bislang fast Usus, dass Vereine eher frei über Auftrag und Standort entschieden haben“, sagt Kulturdezernentin Christiane Zangs, will aber angesichts der aktuellen Beispiele nicht von einem Konflikt in der Kommission sprechen. Doch deren Existenz in Erinnerung rufen, ist ihr ein Anliegen und auch der Grund für die Vorlage des Sitzungsprotokolls der Kommission vom 10. Januar 2019, in dem die bisherige Vorgehensweise bemängelt wird.

So hat sie sich vorgenommen, Vereinsvorsitzende künftig im Vorfeld solcher Pläne zu Gesprächen einzuladen. Beispiele hat sie auch parat: „Bevor die Augustinus-Gruppe den ,Mann mit Rose’ von Stephan Balkenhol nach Neuss holte, wurde das Kulturamt gefragt“, erzählt sie, „da ging es schlicht auch um Material und die Zusammensetzung einer Jury.“ Auch Leitung und Schüler der Gesamtschule an der Erft seien letztlich in Gesprächen (und dank einer Restaurierung) davon überzeugt worden, den Piet-Schütz-Brunnen im Innenhof nicht abzubauen.

Dass sich an der Aufstellung der Eggeling-Skulptur noch etwas ändern lässt, sieht sie sie ebenso wenig wie die Kommissionsmitglieder, die laut Sitzungsprotokoll bemängeln, dass „der Standort der Skulptur vor der Sitzung nicht mehr abgestimmt werden konnte, bereits eine Künstlerin ausgewählt und der Auftrag erteilt wurde“.

Bei der Hoppeditz-Figur ist die Lage anders. Selbst der Künstler war laut Protokoll mit seiner Arbeit nicht zufrieden, ohnehin fühlte sich manches Kommissionsmitglied an eine bekannte Harlekin-Figur erinnert, und der gewünschte Standort Münsterplatz fand auch keine Zustimmung.  Denn dort befänden sich bereits Gestaltungselemente wie der Brunnen und das Relief der Rotarier, zudem finden dort Märkte statt. Gleichwohl, so die Beschlussempfehlung an den Kulturausschuss, soll die „Idee als solche mit Beratung weiterverfolgt werden“.

Unsere Autorin kommentiert das Thema hier.

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