Neuss: Konzertkritik zum Akustik-Konzert von Grobschnitt im Zeughaus

Konzertkritik : Grobschnitts Acoustic Party im Zeughaus

Drei Musiker der 1970 gegründeten Band „Grobschnitt“ gaben im Zeughaus ein spektakuläres, nahezu stromloses Konzert.

In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hatten sich in Deutschland diverse Bands formiert, deren musikalische Ausrichtung die experimentelle und konzeptionelle Rockmusik war. Bombastische Nebel- und Lichteffekte sowie Pyrotechnik in heute nicht mehr vorstellbarer Menge und vor allem Anwendung machten aus einem manchmal stundenlangen Konzertbesuch eine Art psychodelischer Trip.

Dass – von den Besuchern – vorheriger Konsum diverser Rauschmittel mit solchen Auftritten meist einherging, brannte so erlebte Abende in das lebenslange Gedächtnis. Die ganze Welt – nur nicht Deutschland – staunte über den „Krautrock“. Es waren klanghafte Bands wie Guru Guru, Birth Control, Amon Düül, Kraan und Grobschnitt. Lupo (Gerd Otto Kühn), Willi und – wenn der Vater mit dem Sohne – Nuki (Stefan Danielak Senior und Junior) sind aktuelle bzw. Gründungsmitglieder der Band und hatten zu einer akustischen Party der Extraklasse in das fast ausverkaufte Zeughaus eingeladen. Eine beeindruckende Location, wie gemacht für solch magische Stunden.

Der künstlerische Fundus ist facettenreich und vielfältig, haben die gebürtigen Hagener doch mehr als 30 Alben eingespielt. Lieder wie „Vater Schmidts Wandertag“, „Silent Movie“, „The Sniffer“ und „Wir wollen leben“ sind wahre Hymnen einer Zeit, in der die meisten Künstler Botschaften senden wollten und nicht darauf aus waren, schnellstmöglich Ruhm und Geld zu erringen. Von Followern, Clicks und Likes einmal ganz zu schweigen.

„Wie geht es euch?“, begrüßt Willi rhetorisch seine Zuhörerschar. Ein zustimmendes „Gut!“ ist ihm sicher. Die Haarfarbe grau und gelegentliche Bauchansätze prägen das Erscheinungsbild im gealterten Auditorium. Vorteilhaft bei dieser Klientel: So gut wie kein vom Vordermann nervend in die Höhe gehaltenes Handy.

„Toller Schuppen“, staunt er voller Respekt, „warum spielen denn hier nicht viel öfter mal Bands?“ Die lockere Moderation führt durch den Abend. Immer wieder mit viel Schmunzeln begleitete Anekdoten aus 40 Jahren Bandgeschichte, bei denen sich die Protagonisten selbst am wenigsten ernst nehmen, lassen die mehr als drei Stunden wie im Flug vergehen. Nicht wenige Fans aus Belgien und Holland sind da, Pedro ist aus Mexiko angereist. Er hat zu den Klängen von „Raintime“ geheiratet, ein vielumjubelter Extraauftritt ist ihm sicher.

Und dann, es geht auf halb elf zu, die letzte Zugabe. Danach stehende Ovationen, euphorische Bravos und ganz viel Applaus.