Neuss: Konzert in der "Lukas"-Kapelle für Johannes Goritzki

Konzert in Neuss : Ein makelloses Spiel auf dem Cello

Das Konzert in der Kapelle des Lukaskrankenhauses war eine Hommage an Johannes Goritzki.

Das letzte Konzert in der Kapelle des Lukaskrankenhauses war zugleich ein beeindruckender Nachruf auf Johannes Goritzki. Der 1942 in Tübingen geborene Cellist hatte während seiner Lehrtätigkeit als Professor an der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule 1980 die Deutsche Kammerakademie Neuss (DKN) gegründet und 25 Jahre lang geleitet.

Als Solist und Dirigent tourte er mit der Kammerakademie nach Australien, Südamerika, Japan, China, Mexiko und zahlreiche andere Länder und hatte damit den bis heute andauernden Grundstock für das attraktivste Neusser Werbelevel gelegt. Am 22. Dezember vergangenen Jahres war Johannes Goritzki in Lugano (Schweiz) verstorben. Noch im November hatte er mit Paul Gier, dem künstlerischen Leiter der Lukas-Konzerte, telefoniert: „Ich habe da einen furchtbar talentierten Schüler für Neuss!“ Und der konzertierte nun im Lukas.

Der Turiner Lorenzo Guida (20) studierte bis zuletzt bei Goritzki, der auch im Alter von 76 Jahren noch 70 Meisterschüler am Konservatorium von Lugano betreute. Lorenzo hatte seinen Bruder Gianluca (28) mitgebracht, der eine Klavierklasse am G.- Verdi-Konservatorium in Turin leitet. Die beiden Brüder, die schon gemeinsam in der Carnegie-Hall New York musiziert haben (2016), verstanden sich natürlich blind, was schon der „Sonate für Violoncello und Klavier C-Dur“ von Sergej Prokofjew zugute kam. Besonders der zweite, sehr „cellistische“ Satz, in dem zwei lyrische Kantilenen ein virtuoses Scherzo umrahmen, war exzellent interpretiert.

Dass ein Violoncello als Soloinstrument der Violine in nichts nachsteht, zudem seine interessante Basslage voraus hat, beweist Ludwig van Beethoven in seiner Sonate für Klavier und Violoncello „Op. 102, Nr. 1 C-Dur“. Ein zartes Cello-Andante leitet harmlos die Sonate ein, die dann einen rhythmisch abwechslungsreichen und markanten Verlauf nimmt. Wunderbar tiefe Klangfülle im Cello steht in scharfem Kontrast zu lyrischen Gedanken.

Lorenzo Guida steigerte sein makelloses Spiel zu einem emotionalen Höhepunkt in der „Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur“ von  Brahms, durchgängig bravourös von Gianluca am Flügel begleitet. Für den nicht endenden Beifall dankten die Brüder mit einer Schumann-Fantasie.

Unter den Konzertbesuchern in der Kapelle war auch Uta Schlichtig-Goritzki, mit der Johannes Goritzki vier Kinder hat. Dankbar war man auch dafür, dass dem Programm ein ausführlicher Nachruf beigelegt war.

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