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Neuss: Klimaschutz als Chance für die Wirtschaft

Wirtschaftstreff in Neuss : Klimaschutz als Chance für die Wirtschaft

Jürgen Landgrebe vom Umweltbundesamt war Gast beim Neusser Wirtschaftstreff. Selbst Aluminium, sagt er, kann CO2-neutral erzeugt werden. Und er erklärte, warum die Unternehmen die Klimaschutz-Chance nicht verschlafen dürfen.

Welche Folgen hat der Klimaschutz für die Neusser Wirtschaft? Mit dieser Frage hat sich der Neusser Wirtschaftstreff im Rahmen einer Online-Veranstaltung beschäftigt. „Es ist der Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz“, erklärt Moderator Tom Hegermann.

Mit ihm im Studio: Jürgen Landgrebe vom Umweltbundesamt in Berlin, der gleich eine gute Nachricht für die Neusser Unternehmer hat: „Klimaschutz und erfolgreiche Wirtschaft sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: Der Klimaschutz ist wie die Digitalisierung ein Game-Changer“, sagt Landgrebe. Wer auch in Zukunft erfolgreich sein will, dürfe diesen Wechsel nicht verschlafen. Ein Beispiel: Immer mehr Verbraucher wollen wissen, welchen CO2-Fußabdruck ein Produkt habe. Unternehmen, deren Produkte in der Herstellung sehr viel Kohlendioxid freisetzen, hätten künftig immer mehr das Nachsehen.

„Außerdem müssen Sie bedenken, dass kein Klimaschutz auch Geld kostet“, lieferte der Fachmann ein weiteres Argument für Klimaschutz. Schon jetzt stiegen schließlich die Kosten für Strom, Benzin und Heizöl. Wer keine Energiesparmaßnahmen ergreift, müsse also höhere Kosten einplanen.

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Nicht zuletzt machte Landgrebe in seinem Vortrag deutlich: Die Begrenzung der Erderwärmung um maximal 1,5 Grad ist ein Muss. „Denn wenn wir bestimmte Schwellenwerte bei der Erderwärmung überschreiten, dann kommt es zu Dominoeffekten“, erklärte er. Und die seien dann weder aufzuhalten noch könnten sie rückgängig gemacht werden. „Es geht also um nichts weniger als den Schutz und Erhalt unserer Lebensgrundlage“, so Landgrebe. Eine Erkenntnis die sich langsam weltweit durchsetze und zu einer Verschärfung der Klimaziele auf allen Ebenen führe.

Bleibt die Frage: Wie können Unternehmen – insbesondere aus energieintensiven Branchen wie die Alu- oder Papierwerke in Neuss – ihren CO2-Ausstoß verringern? Ist das überhaupt möglich, fragte das Publikum via Online-Chat. Ja, meint Landgrebe: „Wenn die Industrie vollständig auf erneuerbare Energien umstellt, dann kann auch Aluminium, trotz eines hohen Stromverbrauchs, weitestgehend CO2-neutral hergestellt werden.“ Diese Energiewende sei machbar. Zwar nicht zum Nulltarif, aber dafür gebe es staatliche Förderung – etwa die „Carbon Contracts for Differences“. Vereinfacht ausgedrückt übernimmt dabei der Staat für einen vertraglich festgelegten Zeitraum die Energiemehrkosten.

Daneben gebe es noch zahlreiche andere Förderprogramme von der EU, dem Bund, NRW oder der Stadt, mit denen Klimaschutzmaßnahmen finanziell unterstützt werden. Sie gelte es zu nutzen und dafür rät der Fachmann: „Denken sie nicht nur über eine Nachhaltigkeits- und Klimastrategie nach, sondern entwickeln sie eine.“ Ebenso empfiehlt er, sich von Fachleuten beraten zu lassen. „Denn viele Klimaschutzmaßnahmen in der Wirtschaft werden schon in einem ganz frühen Stadium verworfen, weil der Sachverstand fehlte“, so Landgrebe.

Die Sorge aus dem Publikum, dass durch die CO2-Bepreisung und Klimavorschriften des Staates Firmen abwandern würden, kann der Fachmann zwar nachvollziehen, aber in der abschließenden Diskussion auch gleich nehmen: „Wir konnten diesen Carbon leakage bisher nicht beobachten“, betont er. Um dies auch in Zukunft zu verhindern, sei außerdem geplant, dass künftig beim Import von Waren, die ohne CO2-Kosten hergestellt wurden, eine CO2-Bepreisung entrichten werden muss. Nichts desto trotz würden bestimmte Produktlinien nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Aber Landgrebe bleibt dabei: Der Klimaschutz bietet vor allem Chancen – für neue Technologien, neue Produkte und auch viele neue Arbeitsplätze.