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Neuss: "Kleine Bühne Erfttal" zeigt Stück "Otello darf nicht platzen"

Hobby-Schauspielgruppe aus Neuss : „Kleine Bühne Erfttal“ zeigt ihr neues Stück

Rund 2500 Besucher kommen jedes Jahr, um die Theateraufführungen der „Kleinen Bühne Erfttal“ zu sehen. Das neue Stück „Otello darf nicht platzen“ hat am Freitag Premiere. Ein Besuch bei den Proben im Pfarrsaal von St. Cornelius.

Die „Kleine Bühne“, das Theater an St. Cornelius, gegründet 1980, ist ein Phänomen: Rund 2500 Besucher haben die Hobby-Mimen pro Jahr. Die Premiere am kommenden Freitag ist bereits ausverkauft, Restkarten gibt es nur noch für einige wenige der insgesamt 13 Aufführungen. Diesmal ist an der Harffer Straße 52 „Otello darf nicht platzen“ von Ken Ludwig zu sehen. Derzeit laufen die letzten Proben.

Was dabei sofort auffällt, ist die enorme Spielfreude der Akteure. Man merkt, dass ihnen die Schauspielerei unheimlich viel Spaß macht. Vier der acht Schauspieler sind übrigens Geschwister: Annette C. Braun, Brigitte Behnke, Uschi Hebing und Reinhard Braun, der auch die Regie übernommen hat. Fast schon Ehrensache: ein tolles Bühnenbild, in diesem Fall die Suite eines Hotels.

Sarah Martinato war jetzt bei den Proben als Souffleuse zwar unentbehrlich. Aber sie hatte so wenig zu tun, dass sie bei der Arbeit stricken konnte. Reinhard Braun war mit den Leistungen zufrieden. Was nützen die besten Schauspieler, wenn die Komödie, die sie aufführen, pulvertrocken ist, sich zäh hinzieht? Unter diesem Aspekt ist die Entscheidung für „Otello darf nicht platzen“ ein Glücksgriff. Man kennt das: Da geht eine Tür auf, jemand kommt herein und ahnt nicht, dass derjenige, der dort anwesend ist, ein ganz anderer ist als angenommen. Komödien leben von Verwechslungen, und davon gibt es in dem aktuellen Stück viele.„Otello darf nicht platzen“ ist darüber hinaus spannend und berührt das Publikum.

Reinhard Braun spielt mit Bravour den kapriziösen Opernstar. Herrlich, seine Mischung aus Deutsch und Italienisch. Amüsant auch, wie er den Veranstalter Harry Sounders (Wolfgang Hebing) nervös macht: Alkohol, Tabletten und Liebeskummer – die eifersüchtige Ehefrau (Brigitte Behnke) schreibt ihm einen Abschiedsbrief – machen einen Auftritt unmöglich. Nicht wie in einer Komödie, sondern eher wie aus dem Märchenbuch: Der Sekretär von Harry Sounders, Max (Michael Engels), ein stimmgewaltiger Mann mit kleinem Ego, springt für den großen Opernstar ein und macht einen hervorragenden Job.

Seine Verlobte Maggie Sounders (Annette C. Braun), die Tochter von Mister Sounders und Verlobte von Max, himmelt den vermeintlichen Star an, ohne zu ahnen, dass es ihr Max ist – einfach köstlich. Reinhard Braun geht in der Rolle des Opernstars Tito Merelli voll und ganz auf, er amüsiert zum Beispiel mit einem Missverständnis: Die Opernsängerin Diana (Ulrike Rahns) outet sich als „Professionelle“ und bittet den Maestro und Schürzenjäger um ein Urteil. Der denkt, sie sei im „horizontalen Gewerbe“ tätig, dabei ist sie eine Kollegin. Herrlich, wie lebendig auch die Nebenrollen sind: Julia, die Vorsitzende der Operngilde (Uschi Hebing), schwärmt zum Beispiel wie eine Pubertierende von dem berühmten Italiener.