Neuss: Kirchenmusikwoche: interreligiöses Chorprojekt

Kirchenmusikwochen in Neuss: Religionsaustausch über die Musik

Bei den Kirchenmusikwochen musizierten Menschen unterschiedlichen Glaubens.

Es war ein ganz besonderer Programmpunkt innerhalb der Kirchenmusikwochen: Am Donnerstagabend gab es im Romaneum einen interreligiösen musikalischen Austausch mit Vertretern der drei großen Religionen. Es ging vor allem um die Bedeutung der Musik im Islam, im Judentum und im Christentum. Die islamische Sichtweise erklärte Kürsat Kaan Baki aus Krefeld, als jüdischer Vertreter war Kantor Aharon Malinsky aus Düsseldorf gekommen und aus Korschenbroich war Bernhard König, der Leiter eines interreligiösen Chorprojekts dabei.

Dorothea Gravemann übernahm die Moderation und nannte ihre Talkgäste sehr treffend „am Dialog Interessierte“. Nach einem theoretischen Teil erkannte sie, dass das interreligiöse Musizieren funktioniert. Kürsat Kaan Baki, der in Istanbul Islamische Theologie studiert hatte, griff zu einer kleinen Handtrommel und sang auf Türkisch. Dann wurde die deutsche Übersetzung per Beamer auf eine Leinwand projiziert, und schon erklang ein vielstimmiges „Im Paradies die Flüsse all, sie singen mit dem Ruf Allah. Und dort auch jede Nachtigall, sie singt Allah, Allah.“ Zuvor hatte bereits der Kantor der viertgrößten deutschen Synagoge, nämlich der in Düsseldorf, Texte verteilt. Gemeinsam wurde unter anderem der Klassiker „Hevenu Shalom Aleichem“ gesungen. Der Höhepunkt des Abends sollte aber erst noch folgen: Bernhard König präsentierte einen neuen Text zu dem alten Kirchenlied „Wie schön leuchtet der Morgenstern“: „Wie schön ist es, wenn Fremdheit weicht, wenn man erfährt, wie viel sich gleicht und das, was fremd bleibt, achtet.“

  • Kirchenmusikwoche in Neuss : Musikalischer Dialog der Religionen

Im theoretischen Teil hatte Bernhard König erklärt, es gehe bei seinem Projekt nicht darum, „eine Scheinharmonie herzustellen“. Und er erklärte: „Islam und Christentum sind sich auf musikalischer Ebene sehr fremd – Christen und Muslime können sich nicht auf einer Ebene begegnen.“ Zwischen Christen und Juden, aber auch zwischen Juden und Muslimen sei dies leichter möglich. Kürsat Kaan Baki gab zu verstehen, dass es in den muslimischen Ländern große Unterschiede gebe: „Es gibt arabische Länder, in denen Frauen im Radio aus dem Koran rezitieren dürfen – die Türkei gehört nicht dazu.“ Außerdem würden iranische Muslime anders singen als irakische, und die wiederum anders als iranische Gläubige. In der Moschee dominiere das Wort des Imam. Aharon Malinsky verriet, dass es in Synagogen auch Kantorinnen gibt, räumte aber ein: „Ich bin orthodox geprägt, bei uns ist das nicht möglich.“

(barni)
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