In Neusser Senioreneinrichtung Wenn Renter und Kinder zusammen gärtnern

Neuss · Die Kinder und Jugendlichen des Jugendzentrums InKult bauen mit ihrer Garten-AG in der benachbarten Senioreneinrichtung der St. Augustinus Gruppe Gemüse an und pflegen einen Teil des Gartens.

Die Kinder und Jugendlichen des interkulturellen Jugendzentrums InKult pflegen den Garten des Johannes von Gott Hauses. Wöchentlich kommt eine wechselnde Gruppe, um zum Beispiel Unkraut zu zupfen. Senioren schauen zu oder knüpfen Kontakte.

Die Kinder und Jugendlichen des interkulturellen Jugendzentrums InKult pflegen den Garten des Johannes von Gott Hauses. Wöchentlich kommt eine wechselnde Gruppe, um zum Beispiel Unkraut zu zupfen. Senioren schauen zu oder knüpfen Kontakte.

Foto: Jugendzentrum InKult

Pflanzen, gießen, Unkraut jäten – Gartenpflege ist ein umfassendes Thema, und bis aus einem Samen eine Paprika wird, gehört noch eine ganze Menge Geduld dazu. Das und vieles mehr lernen die Kinder und Jugendlichen aus dem interkulturellen Jugendzentrum InKult in der Garten-AG. In dem Jugendzentrum stehen Kreativität, Toleranz sowie soziale und interkulturelle Kompetenzen im Mittelpunkt. Verschiedene Projekte – teilweise von Partnern begleitet – bieten den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zur interaktiven Begegnung und Entfaltung. Auch die Garten-AG ist ein Partnerprojekt mit der benachbarten Senioreneinrichtung der St. Augustinus Gruppe.

Die Kooperation zwischen dem InKult und der Senioreneinrichtung besteht schon seit einigen Jahren. Regelmäßig finden zum Beispiel in der Woche Bingo-Runden statt und zu Weihnachten backen die Kinder zusammen mit den Senioren Plätzchen. Da bei den Kindern Interesse an einem Garten und Naturprojekt bestanden habe und die Senioreneinrichtung die notwendige Fläche bereitstellen konnte, sei mit der Garten-AG nun ein weiteres Projekt hinzugekommen, sagt Umut Ali Öksüz, Vorstand des Trägervereins interkulturelle Projekthelden. Von der Kooperation hätten beide Seiten etwas, sagt er und erläutert: „Uns ist es ein wichtiges Anliegen, Jung und Alt zusammen zu bringen.“ Viele Kinder hätten keine Großeltern mehr und teilweise hätten die älteren Menschen den Kontakt zur jungen Generation verloren. Während der Projekte finde ein Austausch statt, der beide Seiten bereichere, erklärt er. Die Tatsache, dass im Jugendzentrum 16 verschiedene Sprachen gesprochen werden, sei für die Senioren eine Besonderheit und fördere die Vielfalt im Quartier.

Ende Mai wurde der Garten in der Senioreneinrichtung für das Projekt vorbereitet und erste Pflanzen gesät. Zuvor sei der Garten zum Spazieren und Ausruhen genutzt worden. Seit dem Start im Mai kommen jeden Mittwoch bis zu acht Kinder aus dem Jugendzentrum, um den Garten zu pflegen. Neben anderen betreut Emine Avci das Projekt ehrenamtlich. Ihre Gartenarbeit sei bereits ausgezeichnet worden, erklärt Öksüz. „Ihr Engagement überträgt sich auf die Kinder und sie hat auf alles eine Antwort“, sagt er. Zu Beginn habe man die Befürchtung gehabt, keines der Kinder wolle freiwillig zum Unkraut jäten kommen. Jetzt gebe es bereits ein Rotationssystem, damit jedes Kind teilnehmen kann, und die Kinder stünden schon mit ihren Eimern bereit zum Einsatz. „Die Kinder haben viel Spaß, wenn sie im Garten sind“, so Öksüz. Kinder mit Migrations- oder Fluchthintergrund hätten nicht immer Zugang zu einem Garten und hätten hier dennoch die Möglichkeit, praxisnah etwas über Naturschutz, Nachhaltigkeit, Anbausaisons und das Gärtnern im Allgemeinen zu lernen. Einiges, was sie im Projekt lernten, sei auch auf den Anbau von Gemüse, zum Beispiel auf dem Balkon zu Hause, übertragbar, sagt er.

Bisher säßen viele Senioren als Zuschauer am Rand und freuten sich darüber, dass der Garten durch die Kinder belebt werde. Einige Senioren redeten aber auch mit den Kindern und bauten Kontakt auf, so Öksüz. Durch das Projekt soll eine symbiotische Beziehung von Jung und Alt entstehen. Nach der Ernte soll deshalb auch ein gemeinsames Essen im Garten stattfinden.