Interkulturelles Buch aus Neuss Märchenhaftes über die Rettung der Welt

Neuss · Ein Jahr hat es gedauert, dann konnten die Interkulturellen Projekthelden ein neues Buchprojekt abschließen. Nach einem Kulturführer, einem Kochbuch und einer Sammlung von Lebensläufen wird es jetzt märchenhaft. Und das in jeder Hinsicht.

 Anisa Elachab (r.) und Sara Rajavi (2.v.l.) gehören zum Autorenteam der Märchensammlung mit dem Titel „Eine interkulturelle Reise mit der Kristallsonde“. Am Samstag stellten sie den Band mit Anna Rajavi (l.) und Projektleiterin Marianne Bouguettaja vor.

Anisa Elachab (r.) und Sara Rajavi (2.v.l.) gehören zum Autorenteam der Märchensammlung mit dem Titel „Eine interkulturelle Reise mit der Kristallsonde“. Am Samstag stellten sie den Band mit Anna Rajavi (l.) und Projektleiterin Marianne Bouguettaja vor.

Foto: Dieter Staniek

Was liegt Kindern und Jugendlichen am Herzen? Diese Frage stellten die Mitarbeiter des interkulturellen Jugendzentrums „InKult“ ihren Kids zum Einstieg in ein Literaturprojekt. Das Ergebnis hielten die Teilnehmer – nun zu Autoren geworden – jetzt zum ersten Mal in Form ihres Buches in Händen. Gemeinsam schufen sie einen bunten Märchenband, in dem die Hauptpersonen in einer großen Mission unterwegs sind: Die Rettung der Welt.

Von der ersten Ideensammlung bis zum fertig gedruckten Werk verging fast ein Jahr, das Inkult-Mitarbeiterin Marianne Bouguettaya als sehr abwechslungsreich beschreibt. „Die Kinder konnten sich selbst überlegen, wie sie sich einbringen wollen. Einige haben angefangen zu schreiben, andere kümmerten sich um die Illustrationen und die nächsten spielten im Theater am Schlachthof die entstandenen Szenen nach“, erklärt sie. In mehreren Schritten nahm das Buch so Form an.

Sara Rajavi und Anissa Elachhab waren mit dabei. Mit leuchtenden Augen erzählen die zehnjährigen Mädchen von ihrer Geschichte. In Saras Märchen haben die beiden Hauptpersonen, die mit einem geheimnisvollen Wesen in einer Kapsel unterwegs sind, den Auftrag, den Regenwalt am Amazonas zu retten. Anissa hat sich eines anderen Problems angenommen, ihre Geschichte spielt in Mexiko: Ein Junge lebt in Armut und versucht, die kranke Mutter und die Geschwister als Müllsammler zu ernähren. Eine gute Fee rettet die Familie und sorgt dafür, dass der Junge auch zur Schule gehen kann.

Während des Schreibens haben sich die Kinder gegenseitig unterstützt, denn außerhalb der Schule haben sie bislang noch keine Geschichten geschrieben. In eigenen Zeichnungen lieferten sie die Vorlagen für die späteren, digital erstellten, Illustrationen. So entstand Schritt für Schritt ein buntes Märchenbuch. „Uns ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Fähigkeiten frei einbringen können“, erklärt Umut Ali Öksüz, Vorsitzender des Trägerverein Interkulturelle Projekthelden. Aufgabe der Pädagogen sei es, die Fäden zusammen zu halten.

Als die Geschichten geschrieben waren, kümmerte sich unter anderem Marianne Bouguettaya darum, eine Rahmengeschichte zu finden. Die Entscheidung fiel dann auf Lio und Xia, die sich in ein Abenteuer stürzen und mit einer Kristallkugel um die Welt reisen. Sie mussten dann in alle Geschichten eingebaut werden.

Das Märchenbuch mit dem Titel „Eine interkulturelle Reise mit der Kristallsonde“ ist nicht das erste Buchprojekt der Projekthelden. Es gibt von ihnen bereits einen Kultur-Wegweiser durch Neuss, eine Sammlung von Lebensgeschichten junger Neusser unterschiedlicher Herkunft und ein Kochbuch. Von dem Märchenbuch sind bisher nur Belegexemplare am Berghäuschensweg angekommen. Im März soll der Band im Handel erhältlich sein, berichtet Öksüz, der auf die Kreativität stolz ist, mit der die Kinder ans Werk gingen.

Das noch junge Jugendzentrum am Berghäuschenweg wird mit drei hauptamtlichen Mitarbeitern betrieben und lebt von vielen ehrenamtlichen Helfern unterschiedlichen Alters. Corona hat die Jugendarbeit nicht einfacher gemacht, aber mit Absprachen untereinander werde versucht, möglichst vielen Jugendlichen einen Besuch zu ermöglichen. Häufig gibt es aber mehr Anfragen, als die Pandemie zulässt. Dabei geht es den Jugendlichen nicht nur um kreative Freizeitangebote. „Manchmal wollen sie nur reden“, sagt Öksüz. Ute Böhm

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