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Neuss: Kasseler wollen Modell des Hamtores nach Neuss zurück bringen

Stadttor-Modell aus Neuss : Das Hamtor soll zurück nach Hause

Stephan Weiler und sein Sohn Max, die in Kassel leben, besitzen ein maßstabgetreues Modell des Neusser Hamtores. Nun wollen sie es zurück in seine „Heimatstadt“ bringen.

Im Jahr 1841 wurde das Hamtor mitsamt dem anschließenden Pförtnerhaus abgerissen – als letztes der vier mittelalterlichen Stadttore, die einem modernen Ausbau des Straßennetzes nicht als Nadelöhr im Weg stehen sollten. Erhalten blieben nur zwei heute noch unübersehbare Wehrgangbögen, mächtige, im Jahr 2003 freigelegte Fundamente im Erdreich und eine Ansicht des Tores von der Stadtseite aus, die 1586 in einem Kupferstich von Braun und Hogenberg festgehalten wurde. Jetzt ist es wieder da – wenn auch nur als maßstabgetreues Modell. Und das soll jetzt zurück nach Neuss.

So hat sich das zumindest Stephan Weiler (53) vorgestellt, der mit seinem Sohn Max Weiler (16) das Hamtor seit Jahren hütet. Im hessischen Kassel, wohin es den gebürtigen Neusser Stephan Weiler aus beruflichen Gründen gezogen hat und wo er eine Agentur be- und in einem Online-Shop „Werbemittel für Networker“ vertreibt. Weil beide nicht wussten, wer sich für ihr Stadttor erwärmen könnte, formulierten sie in der Facebook-Gruppe „Du bist Neusser, wenn...“ eine Anfrage. Vorschläge kamen prompt: Heimatfreunde, Schützenmuseum – allerdings nicht von den Vorgeschlagenen selbst. Zu denen will Weiler aber nach den Feiertagen mal Kontakt aufnehmen.

Stattlich ist das Modell, das 60 Zentimeter hoch, 60 Zentimeter breit, aber nur 25 Zentimeter tief ist. Nur der zwingerähnliche Vorbau, der im 14. Jahrhundert über den Stadtgraben in Richtung der Felder errichtet worden war, fehlt. Vielleicht, weil er auf dem Kupferstich nicht zu sehen ist?

 Am Hamtorplatz erinnern Wehrgänge, die wieder aufgemauerten Umrisse und ein Modell an das mittelalterliche Hamtor.
Am Hamtorplatz erinnern Wehrgänge, die wieder aufgemauerten Umrisse und ein Modell an das mittelalterliche Hamtor. Foto: Christoph Kleinau

Entstanden nämlich sei das Modell nur anhand von Bildmaterial, betont Stephan Weiler. Er hat aber nicht selbst Hand angelegt, vielmehr setzte sich sein Vater Norbert Weiler hin und bastelte. Basteln sei der Ausgleich des 2011 verstorbenen Malermeisters von der Kamillianerstraße gewesen, sagt sein Sohn. Für das Stadttor für seinen Enkel Max nahm er Sperrholz sowie Polystyrolplatten – für das imitierte Mauerwerk. „Eines Tages stand er damit vor der Tür“, sagt Stephan Weiler. Das war im Jahr 2008, als Max im richtigen Alter für Ritterburgen war. Doch gespielt wurde mit dem Modell nie, sagt sein Vater. Aus Angst, etwas kaputt zu machen? „Da Max in Kassel geboren und aufgewachsen ist, hat er auch keinen wirklichen Bezug zum Hamtor in Neuss.“