Neuss: Jutta Hillen modernisiert die Kapelle im St.-Hubertusstift

Architektur-Projekt in Neuss : Wie designt man eine Kapelle?

Mit der Modernisierung der Kapelle im St.-Hubertusstift hat sich Jutta Hillen an ihr erstes sakrales Projekt gewagt. Das Ergebnis: ein heller, einladender Ort mit hochmodernen Licht- und Akustikkonzepten.

„Kirchen strahlen eine große Ruhe aus“, sagt Jutta Hillen. „Sich mit einem solchen Raum zu beschäftigen, war für mich etwas ganz Besonderes.“ Die 47 Jahre alte Innenarchitektin hat schon zahlreichen kleinen Zimmern und großen Sälen neues Licht und Leben eingehaucht. Jutta Hillens Design-Fokus liegt eigentlich auf Verwaltungsgebäuden, Praxen, Anwaltskanzleien und Verkaufsräumen. Mit der Gestaltung der Kapelle im Reuschenberger St.-Hubertusstift hat sie Neuland betreten – und diesen Schritt nicht bereut, im Gegenteil. „Als gläubige Christin war mir dieses Projekt eine besondere Herzensangelegenheit.“

Der Kontakt zum Hubertusstift entstand bereits im Jahr 2015. Damals hatte die Neusserin mit viel Erfahrung in der Gestaltung von Pflegeeinrichtungen unterschiedliche Bereiche des Seniorenheims, unter anderem die Flure und das Beschilderungssystem, modernisiert – und gab im Zuge dieser Arbeiten 2018 schließlich auch auf besonderen Wunsch der Heimleitung dem 1960 geweihten Kirchenraum ein völlig neues Gesicht.

Damit Gottesdienstbesucher mit Hörgeräten keine Störgeräusche mehr empfangen, wurde eine neue Beschallungsanlage mit Induktionsschleifen installiert. Die Optik ist schlicht, aber effektvoll: weiße Wände mit bronzefarbenen Scherenschnitten der den Wohnbereichen des Stifts zugeordneten Heiligen, eine weiße Decke und neue Wandleuchten, die eine helle, freundliche Atmosphäre in den kleinen Raum zaubern. „Durch die dunkle Decke und die magere Beleuchtung war der Raum vorher dunkel“, erklärt Hillen. „Durch das Weiß und das brillante Licht kommen einst verborgene Schätze – die schönen Kirchenfenster und das Mosaikkreuz – jetzt optimal zur Geltung.“

Die Kapelle im Hubertusstift ist nicht die einzige Spur, die Jutta Hillen in Neuss hinterlassen hat. Unter anderem hat sie in ihrer Heimatstadt Verwaltungsgebäude eines Pharmakonzerns gestaltet, im Clemens-Sels-Museum gearbeitet und Anwaltskanzleien ins rechte Licht gerückt. „Das Besondere an meinem Beruf ist die Vielseitigkeit – ich arbeite kreativ, aber auch technisch und kommunikativ.“ Routine ist ihr fremd: „Jedes Projekt stellt neue Anforderungen hinsichtlich Farben, Materialien, Licht und Akustik.“ Damit ihr die Ideen nicht ausgehen, lässt sich Jutta Hillen immer wieder neu von Sinneseindrücken auf vielen verschiedenen Reisen inspirieren – vor allem in Südfrankreich, aber auch in England oder auf einem isländischen Friedhof. „Dort hat mich die Atmosphäre fasziniert“, erinnert sich Hillen. In jedem Raum, den sie gestaltet, will Hillen eine besondere und zu seiner Nutzung und zur „DNA der Firma passende Atmosphäre“ schaffen. „Räume wirken auf unser Wohlbefinden“, sagt sie. „Mir geht es darum, die Schönheit eines jeden Raumes zu finden.“

Dass das nicht zwangsläufig aufwändig und teuer sein müsse, zeige die Neugestaltung der Kapelle mit simplen Mitteln – weißer Farbe und einem den Bedürfnissen angepassten Lichtkonzept.

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