Neuss: Junge Kunst aus der Akademie auf Schloss Reuschenberg

Ausstellung auf Schloss Reuschenberg : Junge Kunst aus der Akademie

„5 P 93 + MQ“ ist die Signatur, unter der im Internet der Ort, Schloss Reuschenberg, zu finden ist: Und er ist der Titel der neuen Ausstellung der Kunstinitiative „Wurzeln und Flügel“.

Wo kann man junge Kunst am besten entdecken? Beim Rundgang in der Kunstakademie Düsseldorf natürlich. So ist auch Beate Düsterberg, die Vorsitzende der Kunstinitiative „Wurzeln und Flügel“, an die zehn Künstler gekommen, die jetzt die Ausstellungsräume auf Schloss Reuschenberg gestaltet haben.

Ein „Doppel-Sari-Träger“ von Alina Mohr. Foto: Helga Bittner

Alle zehn gehörten zur Klasse von Jürgen Drescher, der heute in Berlin lehrt. Sie studieren noch, das Alter reicht von 22 bis 30 Jahre. „Nur wenige sind schon Meisterschüler“, stellt Düsterberg klar, „alle müssen und sollen sich noch ausprobieren.“ Das vor allem ist Ziel ihrer Ausstellung, denn die Künstler haben sich vor der Schau gemeinsam überlegt, wer welchen Raum belegt und wo was ausgestellt wird. Als Titel hat Düsterberg die Signatur des Ortes im Internet gewählt: „Wie sonst bekommt man ja so einen Sack Flöhe unter einen Hut?“, fragt sie lachend. Eine Bedingung hat sie dennoch gestellt: Der Professor der Studenten sollte den Hauptraum des Ausstellungsgebäudes „bespielen“.

Bilder an den Wänden und Fantasiegegenstände auf dem Boden machten Yuka Kwasakis Spielecke aus. Foto: Helga Bittner

Jürgen Drescher „Überpopulation, Ressourcenerschließung und Entsorgung“ sind seine Themen. „Der ins Absurde ausufernde Drang der menschlichen Spezies zu produzieren, zu konsumieren und sich zu reproduzieren“, wie er sagt. Das verarbeitet er in naturalistischen Skulpturen wie dem überdimensionierten Waschbeckenstöpsel an der Wand, der wie Metall schimmert, aber dennoch aus Kunststoff geformt ist. Naturalistisch bis zu den (vermeintlichen) Wassertropfen, die so gesetzt sind, dass der Stöpsel wie ein Smiley aussieht, „als ob er uns die eigene Blindheit für das Verschwinden unwiederbringlicher Natur erträglicher machen wollte“. Gegenüber stehen an die Wand gelehnt zwei flächige Arbeiten, deren Oberflächenstruktur an die von Tagesdecken erinnert. Sie sind tatsächlich Alu-Arbeiten und „rund 90 Kilogramm schwer“, wie Düsterberg sagt.

Tristan Frowein (Jahrgang 1992) Er ist der einzige Maler der Gruppe und „auf der Suche nach neuer stimmiger und inspirierender Farbe, Perspektive und Komposition in beiden“. So malt er auch mit der Form, bleibt aber der Abstraktion im Motiv treu.

Johanna Bielawski (1988) Die gebürtige Polin fragt sich, ob „Form ein Recht auf Anonymität“ hat und erschafft Objekte, die sie „Spicy Nit Noi“ betitelt hat. Dafür verwendet sie auch Materialien aus dem Alltag wie Bauschaum.

Yuka Kawasaki (1994) Sie hat sich das Ende eines Flurs ausgesucht und eine „Spielecke“ installiert. Ihre Werke erinnern an Kinder, die liegenlassen, was und wie es ihnen gefällt. Was auch der Intention der jungen Japanerin entspricht.

Fernanda Rueda (1996) In einer aufwendig selbstgebauten Vitrine stellt sie eine archaisch anmutende Halskette aus, die aus selbstgedrehten Zigaretten besteht. Dazu konstruiert sie eine witzige Geschichte über das sagenhafte Volk der Tschulatschaki und ihrer Verbindung zu den „Zigarettenketten aus der Pfalz“.

Stella Jermann (1995) Sie teilt sich den Raum mit Rueda und hat aus Wachs kleine „Wirklinge“ geformt, die an Knochenstrukturen erinnern. Zudem zeigt sie auf schräg gelegten Glasplatten auf dem Boden Fotoarbeiten.

Lea-Marie Lepper (1995) „Ich empfinde es als schade, wenn ein Begleittext mir vorschreibt, wie ich ein Werk zu verstehen habe“, sagt sie, aber beschreibt ihre Arbeit „Sinken“ dennoch. Gipsabdrücke zeigen Körperteile und quadratische Formen und liegen auf dem Boden.

Alina Mohr (1990) Weich und hart verbindet die junge Studentin in ihren „Doppel-Sari-Träger“, die sich um Fenster gruppieren oder auf dem Boden liegen. Geformt wie T-träger aus Eisen, aber gemacht aus buntem und weichen Stoff.

Paulina Hoffmann (1994) Eine große transparente Folie spannt sich über die Breite des Raumes, ist ständig in Bewegung – je nachdem wie sich der Besucher darunter zu bewegen traut, ganz der Frage folgend: „Wie behauptet sich ein Objekt im Raum?“

Sophie Isabel Urban und Simon Wienk-Borgert sind ein Künstler-Duo, das die Wahrnehmung verändert, indem es einen Raum in einen Raum baut. „cardboard bias“ heißt ihre Arbeit und besteht aus Wabenplatten (Karton), deren architektonische Struktur auf den Fotos von Häusern, Plätzen und Mauern sich wiederfinden.

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