Neuss: Julia-Huda Nahas zeigt heute ihr RLT-Stück „Täwle" bei „Westwind“

Von Neuss nach Oberhausen : Letzte RLT-Vorstellung von „Täwle“ ist in Oberhausen

Die Regisseurin und Autorin Julia-Huda Nahas zeigt am Montag ihr Stück „Täwle – Am Kopf des Tisches“ beim Jugendtheaterfestival „Westwind“.

Kurz vor Torschluss noch eine Auszeichnung: Mit Ende der aktuellen Spielzeit verlässt die junge Regisseurin Julia-Huda Nahas das Rheinische Landestheater, nachdem sie sich dort in den vergangenen drei Jahren eine Ausbildung von der Regieassistentin zur Regisseurin und vor allem zur Autorin durchlaufen hat. Der vorläufige Höhepunkt: Mit ihrem Klassenzimmer-Stück „Täwle (sprich: Taule) – am Kopf des Tisches“ hat sie am Montag um 10 und 12 Uhr zwei Vorstellungen beim „Westwind“-Festival in Oberhausen.

„Westwind“ gilt bundesweit als eines der renommiertesten Theaterfestivals für junges Publikum. Es wird jedes Jahr von einem anderen NRW-Theater ausgerichtet. Neben einer Auswahl von NRW-Inszenierungen gibt es internationale Gastspiele und ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Workshops, Diskussionen und Gesprächen.

Die Idee zu dem Stück hat Nahas, die zuvor schon viele Texte, aber noch kein Drama geschrieben hatte, lange bewegt. Fast ein Jahr brauchte es, bis es vorlag – wobei sie ganz nebenbei mit dem Genre „Klassenzimmerstück“ auch ein neues am RLT begründete: Gedacht für einen Schauspieler, Zuschauern ab 15 Jahre, wenig Requisiten an einem Ort, der nicht groß sein muss. So hatte der Monolog seine Uraufführung daher in der vergangenen Saison in der Kaarster Partnerschule der Produktion.

In der Geschichte des 30 Jahre alten Nikola hat Nahas auch Teile ihrer eigenen Biografie eingewebt. Denn Nikola, ein deutscher mit syrischen Wurzeln, ist ganz im Hier und Jetzt angekommen, wird aber plötzlich vor die Frage gestellt ob und welche Verwandte er aus dem Kriegsland retten kann. Über die Antwort hinaus beschäftigt ihn damit auch das Nachdenken über die eigene Identität. „Nikola fühlt sich als Deutscher“, hatte die Autorin bei der Vorstellung ihres Stücks erklärt, „aber er wird damit konfrontiert, dass ein Teil seiner Familie in Syrien lebt.“ Reinar Ortmann, damals noch Chefdramaturg des RLT, hatte ihr bei der Einrichtung für die Bühne geholfen. Er verlässt das Neusser Theater mit Ende der Spielzeit ebenso wie der Schauspieler Pablo Guaneme Pinilla, der nach Heilbronn geht, aber am Montag „Täwle“ mit jeweils 55 Minuten allein bestreitet.

Insgesamt hatten sich 42 Inszenierungen von freien und städtischen NRW-Bühnen für das Festival unter dem Motto „Offene Gesellschaft“ vom heute bis 21. Juni beworben – angenommen wurden elf, unter denen am Ende eine Kinder- und die Jugendjury die Besten mit jeweils 1000 Euro auszeichnen wird. Die Abschlussveranstaltung ist am Freitag, 21. Juni, 17 Uhr.

Mehr von RP ONLINE