Neuss: Jürgen Brautmeier auf dem blauen NGZ-Sofa

CDU-Vorsitzender Jürgen Brautmeier: „Bürgermeister-Kandidaten kann man an einer Hand abzählen“

Der neue CDU-Vorsitzende Jürgen Brautmeier sprach auf dem blauen NGZ-Sofa über seinen beruflichen Werdegang, Pläne für die Zukunft und die aktuell schwierige Suche nach einem Bürgermeisterkandidaten.

Dunkelblauer Anzug, hellblaues Hemd, mittelblaues Sitzmöbel: Jürgen Brautmeier ist zwar noch keine 100 Tage als Neusser CDU-Vorsitzender im Amt, aber er wagte sich schon jetzt auf das „Blaue Sofa“ der NGZ im Restaurant Essenz im Gesellschaftshaus der Bürgergesellschaft. Dort stellte er sich den Fragen von NGZ-Chefreporter Ludger Baten. Zu den zahlreichen Besuchern der Veranstaltung gehörten sein Amtsvorgänger Jörg Geerlings und Altbürgermeister Herbert Napp.

Er will kein Ratsherr werden, Bürgermeister schon gar nicht und möglichst auch kein Schütze. „Sie haben ja mal geschrieben, ich sei unheimlich unabhängig“, sagte der 63-Jährige. In dem 70-minütigen Dialog sollte deutlich werden, wer dieser  erstaunlich und für manche  vielleicht sogar erschreckend unkonventionelle Neue ist. Vor allem diese Aussage dürfte den anwesenden CDU-Mitgliedern gefallen haben: „Ich will gewinnen.“

Als Leiter des Wahlkampfteams von Jörg Geerlings und Hermann Gröhe hat er einen guten Job gemacht. Der promovierte Historiker Brautmeier, der in Delbrück im Kreis Paderborn aufwuchs, verriet, warum er CDU-Mitglied geworden ist: „Meine Familie hat einen christlich-konservativen Hintergrund und als Historiker ist man sowieso immer ein bisschen konservativ.“ Als Student sei er zudem von der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt worden. Brautmeier gestand allerdings, dass er „mal kurz mit der FDP geliebäugelt“, sich dann aber doch klar für die CDU entschieden habe. Das war 1981, der 63-Jährige wurde Mitglied im Ortsverband Düsseldorf-Mörsenbroich, strebte aber keine Ämter an.

„Wie sind Sie denn nach Neuss gekommen?“, wollte Ludger Baten wissen. „Ich wollte nicht, dass meine Kinder in einer Großstadt aufwachsen, suchte deshalb per Inserat eine Wohnung im ländlichen Raum“, erklärte der CDU-Vorsitzende. „Darf es auch Uedesheim sein?“, fragte ein Anrufer. Es durfte. Das war vor 29 Jahren.

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    Erstes öffentliches Interview nach seiner Wahl : Der neue Neusser CDU-Chef Jürgen Brautmeier talkt auf dem blauen NGZ-Sofa

Jürgen Brautmeier war von 2010 bis 2016 Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. Die damalige rot-grüne Landesregierung wurde den nach eigener Aussage unbequemen Direktor los, indem sie ein spezielles Gesetz erließ: Demnach muss der Stelleninhaber Jurist sein, was eine Wiederwahl unmöglich machte. Es klang wie eine Drohung an die Adresse des politischen Gegners gerichtet: „Rot-Grün hat mir die Zeit verschafft, mich hier einzubringen – selbst Schuld.“

Nein, alle Antrittsbesuche als neuer CDU-Vorsitzender habe er noch nicht absolviert. „Ich bin offen für Gespräche und Anregungen“, sagte Brautmeier. Ihm ist wichtig, schon bald mit den Vorbereitungen für die Kommunalwahl und die Bürgermeisterwahl zu beginnen. Wer könnte CDU-Bürgermeisterkandidat oder -kandidatin werden? „Die Namen, die bis jetzt genannt wurden und die ich selber im Kopf habe, kann man mit den Fingern einer Hand abzählen.“

Brautmeier will die Menschen mitnehmen, ihnen das Gefühl vermitteln, etwas für sie tun zu können. Wichtig ist ihm neben dem Wohnungsbau die Ausweisung neuer Gewerbeflächen „in einer spannenden Stadt, mit der man sich identifizieren kann“.