Neuss - Jüdische Gemeinde feiert Chanukka-Fest 2017

Neuss: Jüdische Gemeinde feiert Chanukka-Fest

Im Zentrum der Stadt kamen viele Besucher zusammen, um dabei zu sein, wenn Rabbiner Barkahn die acht Kerzen des Chanukkaleuchters zu entzündet. Das Lichterfest geht acht Tage lang, begonnen hat es dieses Jahr am 12. Dezember.

Feierlich ist der Moment, als Rabbiner Chaim Barkahn die acht Kerzen auf dem Chanukka-Leuchter von links nach rechts entzündet. Dazu sagt er den Segensspruch: "Gelobt seist Du, Ewiger, unser G'tt, König der Welt, der Wundertaten vollbrachte unsren Vätern in jenen Tagen zu dieser Zeit." Fröhliche Musik ertönt, es sind traditionelle Chanukkalieder, die über den Neusser Markt schallen. Dort, im Zentrum der Stadt, feiert die jüdische Gemeinde mit vielen Gästen - darunter Bürgermeister Reiner Breuer, Vertreter der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Mitglieder des Stadtrats - das Chanukka-Fest.

Mit dem Lichterfest erinnern die Juden an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels. Das Lichterfest hat in diesem Jahr am 12. Dezember begonnen und dauert acht Tage. Es erinnert an den Aufstand der Makkabäer gegen die syrische Herrschaft im zweiten Jahrhundert vor Christus und die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem. Eine Überlieferung besagt, dass der Leuchter im Tempel nicht erlöschen durfte. Nur noch ein Krug geweihtes Öl war im Tempel, das auf wundersame Weise den Leuchter acht Tage brennen ließ - so lange, wie für die Herstellung von neuem Öl benötigt wurde.

Im Gedenken daran entzünden Juden zu Hause und in der Synagoge Lichter. Jeden Abend kommt eine Kerze in einem achtarmigen Leuchter hinzu, jede Kerze repräsentiert einen Tag von Chanukka.

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Schon die erste Kerze wurde gemeinsam in der Öffentlichkeit im alten Ratsaal zum Projekt von "Gemeinsam wachsam" entzündet. Dass dies nun auch mit der letzten Kerze ebenfalls in der Neusser Öffentlichkeit geschieht, ist für Bert Römgens von der jüdischen Gemeinde wie ein Kreis, der sich nun schließt. Für ihn und Rabbiner Chaim Barkahn hat es eine besondere Bedeutung, wenn die Kerzen öffentlich angezündet werden: "Sie geben uns Kraft für das ganze Jahr. Es ist ein Zeichen, dass wir das Licht von zu Hause auf die Straße in die Gesellschaft bringen und damit auch Licht in die Dunkelheit unserer Tage." Rabbiner Barkahn fügt hinzu: "Das Licht weiterzugeben, steht auch dafür, anderen Menschen unsere Unterstützung anzubieten."

Nachdem die Chanukka-Feiern in den vergangenen Tagen in Mühlheim und Duisburg abgesagt und israelische Fahnen am Brandenburger Tor verbrannt wurden, steht das Feiern eines jüdischen Festes in der Öffentlichkeit mehr denn je im Fokus. "Gerade in diesem Jahr ist es wichtig, wieder ein Lichterzünden, getragen von Politik und Gesellschaft, veranstalten zu können", sagt Römgens in seiner Eröffnungsrede, "wir brauchen ein klares Statement gegen Antisemitismus." Bürgermeister Reiner Breuer fügt hinzu: "Es ist ein Fest des gegenseitigen Respekts und der Anerkennung. Jüdische Feste gehören genauso zu Neuss wie christliche und muslimische." Anschließend feiern alle Gäste gemeinsam mit Latkes und Sufganioth, was so viel heißt wie Reibekuchen und Berliner. "Traditionell wird Fettgebackenes gegessen", erklärt Bert Römgens, "in Erinnerung an das überlieferte Ölkännchen- Wunder".

(ubg)