Neuss: Joshua Leuchtmann vom Südbad erklärt, welche Aufgaben zu seinem Beruf gehören

Bademeister in Neuss : Der König des Beckenrandes

Joshua Leuchtmann vom Südbad erklärt, welche Aufgaben zu seinem Beruf gehören, wie man Notsituationen verhindert, bevor sie entstehen, und welche Rolle Chemie und Physik im Schwimmbad spielen.

In den Köpfen der meisten Menschen ist der Beruf des Bademeisters recht einseitig: Er steht am Beckenrand und passt auf, dass keiner ertrinkt. Er trägt eine Sonnenbrille, eine Trillerpfeife und Badelatschen. Vielleicht sieht er auch aus wie David Hasselhoff als Rettungsschwimmer Mitch Buchannon in Baywatch: braungebrannt, rote Badehose und grundsätzlich im Laufschritt unterwegs zur Arbeit, mit einer roten Rettungsboje anstelle eines Aktenkoffers. Dass chemisches und physikalisches Fachwissen ebenso zum Beruf gehören wie technisches Verständnis und Menschenkenntnis, wissen hingegen die Wenigsten.

„Klar, allgemein bekannt ist die Badeaufsicht“, sagt Joshua Leuchtmann vom Südbad. „Das ist ein großer Teil des Berufs. Ansonsten sind wir aber auch für Serviceleistungen zuständig, zum Beispiel die stündlichen Saunaaufgüsse. Und natürlich für die Pflege des Bades, für die Technik und für die Hygiene.“ Dabei seien Kenntnisse gefragt, die nicht oft mit dem Beruf assoziiert würden. „Jeder weiß ja, dass wir mit Chlor desinfizieren. Wir müssen aber auch wissen, was das Chlor mit dem Wasser macht. Welche Restprodukte entstehen, was die richtige Dosierung ist. Verschiedene Filtertechniken muss man auch kennen.

Im Juli hat der 22-Jährige seine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe abgeschlossen. „Die Bezeichnungen ‚Bademeister‘ oder ‚Schwimmmeister‘ sind eigentlich umgangssprachlich“, sagt Leuchtmann. Mit 17 kam er durch einen Freund zur Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Damals fasste er den Entschluss zu seiner Berufsausbildung. „Im sportlichen Bereich wollte ich immer tätig sein“, sagt er. „Da war es naheliegend, sich in dieser Richtung zu orientieren.“

Der sportliche Aspekt nimmt im Beruf eine wichtige Rolle ein. „Kurse wie Aquapower sind Herzkreislauf- und Muskeltraining“, sagt Heinz Peter Melder, Ausbilder im Südbad Neuss. Seit 1979 ist er als Fachangestellter für Bäderbetriebe tätig. Das Schwimmen gehöre natürlich auch dazu. „Leute wie Thomas Rupprath oder die Jungs vom Neusser Schwimmverein haben natürlich andere Bestzeiten als wir. Aber als Fachangestellter kann man schon überdurchschnittlich gut schwimmen, nicht zu vergleichen mit dem Normalbürger.“

Zum Schwimmen, sagt Leuchtmann, habe er allerdings nicht viel Zeit. Seinen Tag im Südbad beginnt der gebürtige Mettmanner mit einem Rundgang. „Ich überprüfe die allgemeine Verkehrssicherheit im Bad. Ich schaue nach, ob die Anlagen laufen, ob die Wasserwerte stimmen. Danach müssen Teile des Schwimmbads gereinigt werden, dafür hat man bis zur Öffnung Zeit.“ Nach der Öffnung stehe Aufsicht auf dem Plan, außerdem die verschiedenen Kurse. „Morgens gibt es Wassergymnastik, gegen Nachmittag finden die Kinderschwimmkurse statt. Abends haben wir dann Animationsprogramme im tiefen Wasser, zum Beispiel Aquapower.“ Was ihm an dem Job am besten gefällt? „Ich mag es, die Kurse zu geben. Die Leute zu animieren, Sport zu machen.“ Aber auch Kinder auf ihrem Weg zum Schwimmen zu begleiten, gefalle ihm. Schwierig hingegen seien die heißen Tage, wenn das Bad voll ist. „Klar ist es anstrengend, mit acht Fachangestellten den Überblick zu behalten, wenn 5000 Leute im Freibad sind.“

Manchmal gibt es dann Probleme. „Wir haben hier Kombibecken, die flach anfangen und dann tiefer werden. Die Leute übersehen den Abhang oder unterschätzen vom Rand aus, wie tief das Wasser ist, und springen rein, obwohl sie nicht gut schwimmen können.“ Fachausbilder Melder sieht vor allem Kinder in Gefahr. „Viele Eltern unterschätzen das“, sagt er. „Sie lassen ihre Kinder alleine herumlaufen und gehen in die Sauna.“ Gerade deshalb sei es wichtig, dass Kinder sicher Schwimmen lernten. Um eine echte Notsituation zu verhindern, könne man die Leute außerdem prophylaktisch ansprechen. „Im besten Fall ist es vorbei, bevor etwas passieren kann“, sagt Leuchtmann.

Ob es trotzdem vorkommt, dass jemand gerettet werden muss? „Das kommt vor“, sagt er. „Wie bei Baywatch sieht das aber nicht aus. Immerhin laufe ich nicht ständig mit einer roten Boje herum.“

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