Schützen in Neuss entscheiden über Frauen-Mitgliedschaft Kleine Schritte mit großer Wirkung

Meinung | Neuss · Am Sonntag entscheidet der Neusser Bürger-Schützen-Verein über eine Satzungsänderung, die Frauen die Mitgliedschaft ermöglichen soll. Warum Schützen und Stadt ein Ja für diese Entscheidung brauchen.

In Neuss entscheiden die Schützen am 16. Juni über eine Mitgliedschaft von Frauen im Bürger-Schützen-Verein. Ein Mitmarschieren im Regiment soll damit nicht verbunden sein.

In Neuss entscheiden die Schützen am 16. Juni über eine Mitgliedschaft von Frauen im Bürger-Schützen-Verein. Ein Mitmarschieren im Regiment soll damit nicht verbunden sein.

Foto: Endermann, Andreas (end)

Neuss und Schützen, das lässt sich nicht trennen, davon sind nicht nur die Neusser überzeugt, das prägt auch die Außendarstellung der Stadt. Das Schützenfest Ende August ist Volks- und Heimatfest, aber eben auch ein Aushängeschild, das die Blicke auf sich zieht und die Stadt besonders macht.

Viel mehr als anderenorts ist es in Neuss gelungen, das Schützenwesen jung, familiär und attraktiv zu erhalten. Probleme anderer Schützenvereine, die von Nachwuchssorgen geplagt werden, sind in Neuss unbekannt. Entsprechend sympathisch und lebensfroh wird gefeiert – und nicht nur das.

Gerade erst hat Alexander Dierselhuis, Polizeipräsident von Duisburg, Neusser und Neusser Schütze, in einem Vortrag noch einmal unterstrichen, was es bedeutet, Schütze zu sein: Gemeinschaft bewahren und der ganzen Stadt Rückhalt geben – und das alljährlich nicht nur rund ums letzte Wochenende im August.

Schützen in Neuss sind eine Schützenfamilie und damit zum Glück viel mehr als reine Männersache. Die mit viel Aufwand erarbeitete und im Vorfeld der Entscheidung am kommenden Sonntag immer wieder erklärte und diskutierte Satzungsänderung kann und wird nicht allen gefallen. Das ist auch gut so, denn es zeigt: Hier haben sich alle Seiten, Fürsprecher für eine aktive Rolle von Frauen im Verein ebenso wie Skeptiker, die auf die Tradition pochen, bewegt und einen Kompromiss gefunden, der vor allem eines ist: machbar.

Manche hätten sich sicher größere Schritte in Richtung Veränderung gewünscht, andere am liebsten gar keine. Wenn die Schützen jedoch ihre prägende Bedeutung und Stärke in der Gesamtgesellschaft der Stadt behalten und die bundesweit positive Ausstrahlung ihres Festes erhalten wollen, führt an einem Ja zu einer Öffnung des Vereins, wie sie jetzt vorgeschlagen wird, kein Weg vorbei. Vereinsmitglieder, die das gesichert sehen wollen, sollten am Sonntag die Chance bei der Versammlung in der Stadthalle nicht verpassen.