Neuss: Neuss ist seit 50 Jahren ein "Schlaraffenland"

Neuss: Neuss ist seit 50 Jahren ein "Schlaraffenland"

Kunst, Humor und Freundschaft tragen den weltweiten Männerbund. Das Neusser Schlaraffen-Reych feiert sein Jubiläum mit 300 Gästen.

Schlaraffen hört! Diese Aufforderung stellen die Mitglieder (Sassen) der Bewegung an den Anfang ihrer Reden – seit der Gründung des Bundes 1859 in Prag und seit 1963 auch in Neuss. Damals wurde das "Castellum Novaesium" gegründet, heute einer von weltweit 260 Vereinen (Reyche), in denen insgesamt knapp 11 000 Schlaraffen organisiert sind. Das Jubiläum feierten die Neusser Recken mit mehr als 300 Gästen am Samstag im Marienhaus, darunter mit den Rittern Maximed (Ekkehard Metzdorf) und Undi-Sonor (Helmut Trott) auch noch zwei Gründungsmitglieder.

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Wer sich als Gast (Pilger) auf eine Veranstaltung (Sippung) der Schlaraffen einlässt, der taucht ein in eine bunte Welt voller herzlicher Lebensfreude, gehobener Nachdenklichkeit und augenzwinkerndem Esprit; inszeniert in einem mittelalterlichen Spiel mit eigener Sprache. In diesem Schlaraffenland, zu den auch Neuss seit 50 Jahren gehört, fließen nicht Milch und Honig, sondern es ist ein Reych, in dem abseits des hektischen Alltags in Ehren ergraute Herren in bunten Gewändern (Rüstungen) ununterbrochen Streiche und Sprüche ersinnen, vor denen nichts und niemand sicher sein kann. In seinem Grußwort schlug Vize-Bürgermeister Thomas Nickel die gedankliche Brücke zur Neusser Rekelei, jener Form des Humors, die auf Häme verzichtet und in liebenswerter Art und Weise menschliche Schwächen aufspießt, jedoch ohne den Angesprochenen zu verletzen.

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Die Schlaraffia ist ein reiner Männerbund, der Kunst, Humor und die Freundschaft zu seinen drei tragenden Sälen kultiviert. Im Unterschied zu Serviceclubs wie Rotary oder Lions verzichtet die Schlaraffia auf soziale Projekte. Ihre Mitglieder, die sich oftmals aus Reihen der Kunst- und Kulturschaffenden rekrutieren, sind sich selbst genug – und das in aller Konsequenz. So gehörten die Schauspieler Werner Sindermann und Jens Eggert, der Intendant Philipp Vogel oder auch der Opernsänger Carl Meuter den Neusser Schlaraffen an.

Auf den wöchentlichen "Sippungen" im Winter unterhalten sich die Sassen vielfach mit niveauvollen Musik- und Gesangsdarbietungen. Auch reine Wortbeiträge (Fechsungen) gehören zum Programm, durch das ein Sitzungsleiter (Fungierender) führt, der von seinem Vorstand (Thron) unterstützt wird. Als höchste Anerkennung für eine gelungene Fechsung erschallt ein dreifaches "Lulu", dem der "goldgerahmte Händedruck des Fungierenden im Hochformat" folgt – dabei schüttelt der Sitzungsleiter, durch einen leeren Bilderrahmen greifend, dem Redner die Hand – Schlaraffen wollen nur spielen. Lulu!

(NGZ)
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