Neuss: Internationales Filzfest in Neuss

Internationales Filzfest in Neuss : Monster in der Alten Post filzen

Die Alte Post, der Verein „Interkulturelle Projekthelden“ und der Raum der Kulturen laden zum zweiten Mal zum  „Internationalen Filzfest“ ein. Kommen kann jeder – gleich welchen Alters und welcher Nationalität.

Mit kleinen Monstern auf dem Brückengeländer an der Neustraße hat alles angefangen. Kerstin Bischof hatte damals die Aktion gestartet, die erstens bei Hans Ennen-Köffers, Leiter der Alten Post, zum Wunsch nach mehr Kontakt zu Filzern und ihren Angeboten und zweitens zum Plan für ein erstes „Internationales Filzfest“ rund um die Alte Post führte. Der Kontakt zu Kerstin Bischof steht immer noch, und mittlerweile gibt es ein zweites „Internationales Filzfest“: „Wenn es nächstes Jahr ein drittes gibt, ist es Tradition“, sagt Ennen-Köffers lachend.

Im vergangenen Jahr musste sich Ennen-Köffers noch um die Finanzierung bewerben, bekam Unterstützung aus einem Projektpool für die kulturelle Arbeit mit Flüchtlingen beim zuständigen NRW-Minsterium – und erzielte damit einen so großen Erfolg bei jungen und alten (Neu-)Neussern, dass „wir in diesem Jahr sogar gefragt wurden, ob wir dieses Filzfest wieder veranstalten möchten“.

Natürlich wollten sie: Ennen-Köffers, die Künstlerinnen Claudia Ehrentraut und Maria Gilges sowie ihre vier Helfer, die 2017 noch unentgeltlich mitgemacht haben, nun aber auch ein kleine Entlohnung bekommen. 4500 Euro standen aktuell ihnen zur Verfügung, um das Filzfest für drei Tage mit jeweils vier Stunden auf die Beine zu stellen. Verpflegung gehört wieder dazu, nur findet dieses Mal alles drinnen statt: Die Wetteraussichten sind den Verantwortlichen doch zu vage.

Im Malsaal wird gefilzt, Beschreibungen in zwei Sprachen sollen den Weg weisen. Wobei Ennen-Köffers und Ehrentraut allerdings deutlich betonen, dass das Filzfest jedem offen steht. So sei auch der Zusatz „International“ zu verstehen, sagen sie lachend, denn sie hoffen darauf, dass Menschen aller Altersgruppen, gleich welcher Nationalität, zu dem Filzfest kommen. „Die Verständigung ist gerade beim Filzen einfach, funktioniert ohne Sprache“, sagt Ehrentraut, „man muss nicht groß reden, sondern erklärt mit den Händen, wie es geht.“

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Ennen-Köffers ist vermutlich das beste Beispiel für den Erfolg: Er habe zum ersten Mal im vergangenen Jahr gefilzt, gibt er zu. „Es ist eine tolle Erfahrung: Mit purem Gematsche bekommt man so viel raus“, sagt er lachend und zeigt auf sein Monsterchen, das irgendwie Ähnlichkeit mit Miss Piggy und Kermit hat....

Für Ehrentraut, die auch im Vorstand des kooperierenden Vereins „Interkulturelle Projekthelden“ ist, steht es fest, dass Feste wie das zum Filzen die „Hemmschwelle sinken lassen, sich zu einer Stadtgesellschaft zugehörig zu fühlen“. Für die Arbeit mit ungeübten Filzern macht die Künstlerin auch Abstriche: „Ein Heißluftkleber ist eigentlich ein No go“, sagt sie lachend, „aber bei diesem Filzfest werden sie eingesetzt. Weil es einfacher ist, mit ihrer Hilfe Augen oder auch ähnliches zu befestigen.“

Was gefilzt wird, steht jedem frei. Im vergangenen Jahr ist eine kleine Band entstanden, und wenn es nach Ennen-Köffers gegangen wäre, hätten alle Produkte in einen Baum im Stadtgarten gehängt und er darauf gehofft, dass die Monsterchen von Spaziergängern abgenommen werden. „Dann hätten sie ein neues Zuhause gefunden“, sagt lachend und gibt auch zu, dass das Ganze wohl eher eine „Dramaturgen-Idee“ gewesen sei (Er ist ein gelernter Dramaturg!)

Immerhin hat Claudia Ehrentraut festgestellt, dass viele Filzer ihre Figuren in der Alten Post gelassen haben. „Es war schon bemerkenswert, dass sich viele gar nicht trauten, die Figuren mitzunehmen“, sagt sie und bezeichnet das Verhalten als durchaus „respektvoll“. So hingen die Figuren an einer langen Schnur auf dem Vorplatz der Alten Post. Ähnliches, so sagen Ehrentraut und Ennen-Köffers unisono, erhoffen sie sich auch für die zweite Auflage.

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