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Neuss: In St. Quirin muss kein Kirchenbesucher zurückgewiesen werden

Wieder Gottesdienste in Neuss : Kein Kirchenbesucher wurde zurückgewiesen

Termingenau zum Quirinusfest wurden erstmals nach siebenwöchiger Zwangspause wieder öffentliche Gottesdienste gehalten. Die waren zu Beginn der Corona-Pandemie am 15. März ausgesetzt worden.

Falschen Eingang benutzt und keinen Anmeldezettel dabei: Ein einziger Gottesdienstbesucher hat sich am Sonntag in St. Quirin nicht an die Auflagen gehalten, die für öffentliche Gottesdienste erlassen wurden. Doch diesem besonderen Besucher nimmt Oberpfarrer Guido Assman die Verstöße nicht übel. Denn „er“ war eine Taube – und sorgte für die Kinder im Gotteshaus für eine Sonder-„Attraktion“.

Seit Samstag finden wieder öffentliche Gottesdienste in den Kirchen statt. „Mir hat etwas gefehlt“, sagt Klara Geismann. Sie hat die Vorabendmesse in St. Quirin besucht, die erste nach der von der Corona-Krise diktierten siebenwöchigen Zwangspause. „Wir sind froh, dass wieder ein Stück christlicher Alltag eingekehrt ist“, sagt Vize-Bürgermeisterin Gisela Hohlmann (SPD). Auch Assmann als Hausherr strahlte Zufriedenheit aus: „Mir hat zwar der Gesang gefehlt. Ich habe aber gespürt, dass die, die gekommen sind, froh waren, wieder eine Messe in Gemeinschaft feiern zu können.“ Dass sich nur 25 Gläubige in der Basilika verloren, enttäuschte Assmann nicht. Schlimmer wäre, wenn er jemanden hätte abweisen müssen, sagt er. Doch das war auch in den drei Messfeiern am Sonntagmorgen nicht notwendig.

 Pfarrer Guido Assmann (r.) musste auf Eingangskontrollen bestehen.
Pfarrer Guido Assmann (r.) musste auf Eingangskontrollen bestehen. Foto: Andreas Woitschützke
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Unter Auflagen und strengen Regelungen aber auch großem Medieninteresse wurden am Wochenende wieder Gottesdienste gefeiert. So konnte Pastor Sebastian Appelfeller in der evangelischen Kreuzkirche sogar ein Kamerateam vom Fernsehen begrüßen. Er hat sich entschlossen, neben dem Gottesdienst in der Kirche weiterhin einen „online“ zu zelebrieren. „Wie lange wir das durchhalten, werden wir sehen“, sagt er.

 Im St. Quirin war weniger Platz für Gläubige. Keiner wurde abgewiesen.
Im St. Quirin war weniger Platz für Gläubige. Keiner wurde abgewiesen. Foto: Andreas Woitschützke

Im katholischen Seelsorgebereich Neuss-Mitte wurden zum Start elf Messen angeboten. Jede zweite Bank war in den Kirchen gesperrt, die Zahl der Plätze war stark reduziert, jeder einzelne markiert. So soll garantiert werden, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Wer die Kirche betrat, wurde von freundlichen Ordnern in Empfang genommen, musste Namen, Adresse und Telefonnummer hinterlegen. Damit im Falle eines Corona-Falles die Kontaktketten ermittelt werden können. Wie das organisatorisch weitergeht, will Assmann kommende Woche mit einigen Ordnern besprechen. Er gehe davon aus, dass die Auflagen lange gelten werden.

Kantor Joachim Neugart spielte Orgel und sang, die Gemeinde summte bestenfalls mit. Gesang bleibt nicht erlaubt, weil dabei mit mehr Luftdruck aus den Lungen auch mehr Aerosole (Schwebeteilchen) ausgestoßen werden. Schade findet Assmann das, der mit den Kirchenmusikern in Neuss-Mitte Alternativen besprechen wird. „Vielleicht die Liedtexte gemeinsam sprechen und dazwischen Orgelmusik?“, skizziert er eine Möglichkeit.

Das Quirinusfest machte den Wiederbeginn öffentlicher Gottesdienst in der Basilika so besonders. Bereits ab Donnerstag, dem Patronatstag von St. Quirin, hatten Gläubige die Möglichkeit, am Quirinus-Schrein hinter dem Altar vorbeizugehen, eine Kerze anzuzünden und ein Gebet zu sprechen. Von einem „erfreulichen Zuspruch“ sprach Monsignore Assmann, insbesondere am Donnerstag. Doch auf anderes musste die Gemeinde verzichten. Keine Wallfahrt, kein Festhochamt am Sonntag nach dem Patronatstag, keine Schreinprozession. Abgesagt in Zeiten der Pandemie. Gleichwohl vergaßen viele Neusser ihren Stadtpatron nicht. Die Münsterkirche war festlich geflaggt,  und am Sonntag  stand der Schrein schon zur Frühmesse vor dem Altarraum. Um 18 Uhr dann, normalerweise Beginn des Festhochamtes, wurde im Glockenturm gebeiert – allerdings nicht so lange wie sonst üblich.

Für Oberpfarrer Assmann ist Religion keine Privatsache, „der Glauben gehört zum Menschsein. Er ist ein hohes Gut und vom Grundgesetz geschützt“, sagt er. Wenn es nun um die Lockerung der Beschränkungen während der Corona-Krise gehe, dann dürften nicht nur wirtschaftliche Aspekte hohe Priorität genießen. Gleichzeitig forderte Assmann die Gläubigen auf, die Gefahren der Pandemie ernst zu nehmen und „richtig einzuschätzen“.