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Neuss: IHK kritisiert Ratsentscheidung zum Gewerbegebiet Derikum

Gewerbeflächen in Neuss : IHK-Kritik an Ratsentscheid zum Gewerbegebiet Derikum

Die Entscheidung des Stadtrates zum Gewerbegebiet Derikum sorgt für Zündstoff. Jetzt schaltet sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein ein und warnt vor einem Mangel an Gewerbeflächen.

Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, die Erweiterung des Gewerbegebietes Derikum aus dem Flächennutzungsplan zu streichen, und die Fraktion „Die Linke“ will nun testen, wie ernst es der Mannschaft um Bürgermeister Reiner Breuer damit tatsächlich ist. Der nächste Schritt, um die vom Rat am Freitag mit 38:30 Stimmen gebilligte Anregung abzusichern, wäre nach Ansicht des Linken-Fraktionsvorsitzenden Roland Sperling die Einleitung eines Zielabweichungsverfahrens. Nur so können nach seinem Verständnis der übergeordnete Regionalplan, in dem die Fläche schon als Gebiet für gewerbliche und industrielle Nutzungen ausgewiesen ist, und der Flächennutzungsplan der Stadt wieder in Übereinstimmung gebracht werden. Denn eine Mehrheit im Rat will, dass die 25-Hektar-Fläche bleibt, was sie seit jeher ist: Ackerland. In einem Brief an den Bürgermeister verlangt Sperling nun Auskunft darüber, ob Breuer ein solches Verfahren – oder sogar eines zur Abänderung des Regionalplanes – einleiten wird. Falls nicht, so Sperling, „wird die Linke genau dies im Rat beantragen“.

Weitreichende Folgen kann die Ratsentscheidung auch in anderer Hinsicht haben, denn zwischen dem gutachterlich festgestellten Bedarf an Gewerbeflächen und dem im Plan ausgewiesenen Angebot klafft eine Lücke von knapp 20 Hektar. Dass die Bezirksregierung Düsseldorf den Flächennutzungsplan mit diesem Darstellungsdefizit überhaupt genehmigt, ist längst nicht abgemacht.

Ohne Kompensation für die in Derium wegfallende Fläche, so mahnt Jürgen Steinmetz, „werden de facto keinerlei neue Flächen für die Neusser Wirtschaft zur Verfügung gestellt“. Die Ratsentschedung, so der Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, sei daher „wenig vorausschauend“. Neue Gewerbeflächen, die nicht schon verkauft oder reserviert seien, gebe es im Flächennutzungsplan nicht mehr. Die IHK hatte ursprünglich deshalb ein plus von 150 Hektar gefordert, ein von der Stadt beauftragter Gutachter fordert 97,5 Hektar bis 2030.

(-nau)