Partnerstadt von Neuss Freundschaft mit Pskow hinterfragt

Neuss · Auch private Kontakte in die russische Partnerstadt sind kaum noch möglich. Visa werden von keiner der beiden Seiten mehr erteilt.

 In die Partnerstadt Pskow sind kaum noch Reisen möglich.

In die Partnerstadt Pskow sind kaum noch Reisen möglich.

Foto: Pixabay

Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine vor 15 Monaten wurde die Städtepartnerschaft mit Pskow vorerst auf Eis gelegt. Damals sei das richtig gewesen, sagt Hakan Temel in der Rückschau. Andere Städte hätten ihren russischen Partnern die Freundschaft gleich gekündigt. Aber, fragte der Vorsitzende am Dienstagabend im Partnerschafts-Komitee, „wie lange ist das noch zu halten?“

Es ist das erste Mal, dass die seit mehr als 30 Jahren bestehende Partnerschaft, einst die mit den meisten Aktivitäten, öffentlich infrage gestellt wird. Harald Beschoten vom Verein „Druschba – Freundschaft“ kann solche Erwägungen nachvollziehen, gab aber zu bedenken: „Die Partnerschaft ist für viele Menschen auch ein Hoffnungsschimmer.“ Allerdings ist ein Austausch zwischen beiden Kommunen auch auf Ebene der privaten Kontakte kaum noch möglich, wie Wolfgang Spangenberger berichtete, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft Neuss-Pskow. Reisen seien nur noch möglich, wenn man ein noch gültiges Visum besitzt, neue würden nicht mehr erteilt. Von keiner Seite. Er habe versucht, Freunde aus Pskow einzuladen, doch denen habe die deutsche Botschaft ein Visum verweigert.

Beschoten hat noch ein Visum – und konnte jetzt zum sechsten Mal seit Kriegsbeginn nach Russland reisen. Kultureller Austausch, so sein Eindruck, „ist von Russland nicht gewollt.“ Dort würden derzeit eher Wehrsportvereine finanziert. Die Administration im Rathaus sei „systemtreuer gemacht“ worden, berichtete er. China sei sehr präsent, der Rubel verliert an Wert, die Lebenshaltungskosten hätten sich verdoppelt. „Wer kann, sucht sich einen Nebenverdienst“, so Beschoten.

Die Menschen selbst jedoch würden ihm „mit verschämten Gesichtern“ begegnen. „So sind wir nicht“, sei die Botschaft. Dass Russland sich im Krieg befindet, sei aber allen klar. Weil es auf Pskow Drohnenangriffe gab – und weil jetzt 18-Jährige eingezogen wurden. Auch solche, die vor wenigen Jahren beim Quirinus-Cup in Neuss Handball spielten.

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