1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss hilft Burundi und startet Patenschaften für Ziegen

Neuss hilft Burundi : Initiative „Zukunftsziegen“ gestartet - Was es damit auf sich hat?

Neusser Augustinerinnen gründeten 1966 zwei Missionsstationen im ostafrikanischen Burundi. Auch heute, 55 Jahre später, unterstützt der Orden die Gesundheitszentren ideell, materiell und finanziell. Dank der Spendenbereitschaft der Neusser wurden insgesamt 2,75 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Ziegen werden in von Dürre gezeichneten Landschaften zu Hoffnungsträgern, weil sie genügsam und zäh sind. Darum: Wer im ostafrikanischen Burundi eine Ziege besitzt, dem eröffnet sich eine Perspektive für die Zukunft. Die Milch der Tiere nährt, deren Mist düngt die Felder, deren Nachkommen bringen Geld in die leere Haushaltskasse, wenn sie verkauft werden. Darum haben die Projektpartner von „Neuss hilft Burundi“ – Neusser Augustinerinnen, Burundi Komitee, die Stiftung Cor Unum, die St.-Augustinus-Kliniken – die Initiative „Zukunftsziegen“ gestartet. Wer für einmalig 30 Euro eine Ziegen-Patenschaft übernimmt, der unterstützt alleinstehende Mütter im Herzen Afrikas in ihrem Überlebenskampf.

 „Neuss hilft Burundi“ organisiert das Projekt „Zukunftsziegen“. 30 Euro kostet eine Patenschaft.
„Neuss hilft Burundi“ organisiert das Projekt „Zukunftsziegen“. 30 Euro kostet eine Patenschaft. Foto: Burundi-Komitee/Klaus Buyel

Auf Bitten des damaligen Bischofs von Bujumbura gingen Neusser Nonnen, obwohl sie keinem Missionsorden angehörten, 1966 nach Burundi, bauten die Gesundheitszentren Gihanga nahe der Hauptstadt und dem 200 Kilometer entfernten, im Hochland gelegenen Gitaramuka inklusive Schulangeboten auf. Knapp ein Vierteljahrhundert später übergaben die Augustinerinnen die Stationen in die Verantwortung einheimischer Schwestern; die Verbindung zu den burundischen Orden Bene-Bikira und Bene-Umukama ist bis heute eng, fest und vertrauensvoll. Die finanzielle Spritze aus Neuss ist unverzichtbar und spürbar. Mit 2,75 Millionen Euro, also im Schnitt rund 50.000 Euro jährlich, wird die humanitäre Arbeit der Schwestern unterstützt. In Neuss organisiert seit vielen Jahren das Burundi-Komitee diese Hilfe, die jetzt im Verbund mit starken Institutionen als Partner offenbar auf eine breitere Basis gestellt werden soll.

 Die Fahne des Neusser Rudervereins schmückt ein Boot am Tanganjikasee.
Die Fahne des Neusser Rudervereins schmückt ein Boot am Tanganjikasee. Foto: Burundi-Komitee/Klaus Buyel
  • In Jüchen wird geimpft (Symbolfoto).
    Corona in Jüchen : Impfaktionen an der Neusser Straße
  • Tim Dicks (l.) ist auf dem
    Handall-Regionalliga : Hoffnungsschimmer für den Neusser HV
  • In keiner Stadt hat „Picnic“ mehr
    Online-Supermarkt stellt Top Ten vor : Warum Neuss plötzlich „Apfel-Spitzenreiter“ ist

Aktuell wird in Gihanga eine zweigeschossige Kinderstation gebaut, für die jetzt auch die Innenausrichtung angeschafft wird. Vor allem Betten, die auch für Erwachsene geeignet sein müssen, da die Mütter bei ihren Kindern übernachten. Allein in Gihanga kommen monatlich 200 Kinder zur Welt. Somit werden auch viel Milchpulver und Medikamente benötigt. Ein zuverlässiger interkontinentaler „Brückenbauer“ ist Pfarrer Klaus Buyel (76) aus Wegberg, der seit vielen Jahren regelmäßig nach Burundi reist, und vertraut mit den Augustinerinnen zusammenarbeitet. Derzeit ist er wieder vor Ort; begleitet die Bauarbeiten, verteilt Hilfsgüter, steht mit Rat und Tat zur Seite. Klaus Buyel lebt diese Hilfe für die Menschen in Burundi. Bereits von 1980 bis 1986 war er als Pfarrer des Bistums Aachen an das Bistum Bujumbura ausgeliehen; längst hat er eine eigene Stiftung, die sich engagiert, um den Menschen in Burundi das Leben etwas erträglicher zu machen.

Ziel der Neusser Burundi-Initiative ist es, die Basis-Versorgung der beiden Missionsstationen sicher zu stellen. Daran erinnert Stephanie Straaten (57). Die Ärztin übernahm 2018 den Vorsitz im Burundi-Komitee von Anneliese Dorsemagen. Dankbar ist Straaten für die langjährige, intensive Unterstützung durch die Katholischen Frauengemeinschaften (kfd) im Kreisdekanat Rhein-Kreis Neuss. Doch in Pandemiezeiten gestalten sich Geldsammel-Aktionen – zum Beispiel Wischtücher als Dank für Spenden – als schwierig und nicht so ergebnisstark wie gewohnt. Hinzu komme, so Straaten, dass viele Stammspender mit Blick auf ihr hohes Alter nicht mehr aktiv sein könnten oder verstorben seien. Es sei eine Kraftanstrengung gewesen, diese Ausfälle zu kompensieren. „Aber wir haben es geschafft“, sagt Stephanie Straaten, „wir können auch zu Beginn des Jahres 2022 wieder gut 50.000 Euro an die Schwestern für die Missionsarbeit in Burundi übergeben.“

Ohne die Gelder aus Neuss seien die Gesundheitszentren in Burundi, so Stephanie Straaten, auf Dauer nicht existenzfähig. Burundi gehört zu den ärmsten Staaten der Welt. Zwei von drei Einwohnern sich mangelernährt, jeder zweite ist Malaria infiziert, verunreinigtes Wasser macht die Menschen krank. Unter diesen Rahmenbedingungen sind die beiden Missionsstationen mit Hospital, Geburtsabteilung, Schul- und Bildungsangeboten, die von Neusser Augustinerinnen gegründet und bis heute unterstützt werden, Ort der Zuflucht und der Hoffnung vor allem für unterernährte Kinder, alleinerziehende Mütter, Waisen und alte Menschen. Mütter, die eine Ziege mit nach Hause nehmen können, halten mehr als ein Tier an einem Strick: Sie besitzen nun einen Begleiter, der ihnen den Weg in eine bessere Zukunft weisen will.