Neuss: Heinrich Thiel als Talk-Gast auf dem blauen NGZ-Sofa

Blaues NGZ-Sofa in Neuss : „Heimat ist etwas Verbindendes“

Als Talkgast sprach der SPD-Stadtverordnete Heinrich Thiel aus der Nordstadt auf dem blauen NGZ-Sofa über Heimat, seine afrikanischen Wurzeln und darüber, weshalb er Neuss als wirklich großartige Stadt empfindet.

Wenn ein Heinrich Thiel von „Heimat in Vielfalt“ spricht, klingt das zunächst wenig spektakulär. Auf dem blauen NGZ-Sofa saß jetzt aber ein ganz besonderer Heinrich Thiel, einer, der vor 31 Jahren in Simbabwe, dem Heimatland seiner Mutter. geboren wurde, der als knapp Vierjähriger mit den Eltern in die Nordstadt zog und der damals natürlich noch nicht geahnt hat, dass er einmal für die SPD im Neusser Stadtrat vertreten sein würde.

NGZ-Chefreporter Ludger Baten interviewte mit Heinrich Thiel einen Mann, der in Zeiten politischer Scharfmacher erfreulich wohltuend wirkt. Trotz des urdeutschen Namens sind dem 31-Jährigen seine afrikanischen Wurzeln deutlich anzusehen, aber er fühlt sich als Neusser, möchte, dass sich noch mehr Ausländer an den Kommunalwahlen beteiligen dürfen, nicht nur die aus den EU-Ländern. Das sei besser als ein Integrationsrat oder ein Fachausschuss. Der Stadtverordnete Heinrich Thiel strahlt Nächstenliebe und Wärme aus, und er hatte seine Mutter und seine Schwester mitgebracht: „Meine Mutter hat gegen die Unterdrückung durch die Weißen gekämpft und dann einen Weißen, meinen Vater, einen Neusser, geheiratet, der in Simbabwe Lehrerausbilder war.“ Die Schwester arbeitet als Lehrerin.

Er schwärmte von seiner Heimatstadt Mutare und wünscht sich, die Deutschen mögen eine größere Rolle spielen in Simbabwe: „Deutschland soll wieder den Fuß in die Tür bekommen und den Menschen mit einem anderen Wertemodell begegnen, als es die Chinesen derzeit tun.“ Heinrich Thiel ist der lebende Beweis dafür, dass der Begriff „Heimat“ positiv besetzt werden kann. „Heimat ist etwas Schönes, Verbindendes“, erklärte der 31-Jährige. „Gibt es eine Pflicht, für seine Heimat einzutreten?“, wollte Ludger Baten wissen. „Durchaus, denn man kann nicht nur die Vorteile eines Gemeinwesens genießen“, lautete die Antwort. Ob er wegen seiner Hautfarbe schon mal angegangen worden sei? Thiel antwortete ausweichend, gestand dann aber, dass er nicht in eine Discothek gelassen worden sei. Sein Credo: „Man darf sich von sowas nicht unterkriegen lassen, nicht zu dünnhäutig sein.“ Der Begriff „Rassismus“ dürfe aber nicht so inflationär gebraucht werden. Er konnte aber auch von positiven Erlebnissen sprechen wie von seinem ersten Besuch im Schützenzelt in der Nordstadt im Jahre 2014 als dunkelhäutiger Sozialdemokrat: „Ratsfrau Ingrid Schäfer hat mich an die Hand genommen und ich bin sehr gut aufgenommen worden.“

Der Talkgast, der sehr sympathisch rüberkam und das Publikum immer wieder zum Lachen und manchmal sogar zum Applaudieren brachte, gestand aber auch Ängste wie diese: „,Bitte kein Desaster’ habe ich gehofft am Wahlabend. Als ich den Wahlkreis dann gewonnen hatte, war ich erfreut, aber auch überrascht.“ Manchmal merkte man, dass er ein „Roter“ ist: So klagte er über die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich. Was ihm gefällt: „In der Nordstadt funktioniert das Zusammenleben.“ In diesem Zusammenhang lobte er die integrative Kraft der Schützen und des Initiativkreises Nordstadt mit Angeboten wie dem Nikolausmarkt, auf dem man sich trifft. Ob er stolz sei, in Neuss zu leben? Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Ja!“ Und er fügte hinzu: „Wir leben in einer wirklich großartigen Stadt.“