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Neuss: Heimatverein Gartenvorstadt agiert als "Reuschenberg-Partei"

Der Heimatverein „Gartenvorstadt“ in Neuss : Ein Verein als „Reuschenberg-Partei“

Der Heimatverein betreibt seit 20 Jahren auch politische Lobbyarbeit für die „Gartenvorstadt“. Das tut er mit gutem Erfolg, wie die Bemühungen um das neue Geschäftszentrum zeigen. Aktuell forciert er den Haltestellenumbau.

Vor über einem Jahr wurde der barrierefreie Umbau der Bushaltestelle „An der Barriere“ beschlossen. Seitdem ist nichts passiert. „Warum dauert das so lange?“, fragt Marlene Conrads, die bei der Verwaltung deshalb noch einmal auf den Busch klopfen will. So wie es der von ihr geführte Heimatverein „Gartenvorstadt“ Reuschenberg schon oft getan hat – und oft erfolgreich.

Als Lobby für den Ortsteil versteht sich der Verein, der erkannt hat, dass man sich dazu mitunter auf die Politik zubewegen muss. Ist ja für eine gute Sache. So meldete sich Conrads beim einflussreichen Planungsausschuss-Vorsitzenden Karl-Heinz Baum am Telefon, als sich die CDU sehr reserviert gegenüber den Umbauplänen für die Bushaltestelle zeigte. „Ich konnte ihn umstimmen“, sagt Conrads knapp.

Im Dezember wurde der Verein 20 Jahre alt. Bei seiner Gründung wollte er – wie andere auch – das Brauchtum pflegen. So steht es in der Satzung, und gemeint sind nicht zuletzt der St.-Martins-Umzug und das Schützenfest. Die rheinische Mundart wollte der Verein am Leben erhalten und sucht dazu inzwischen die Zusammenarbeit mit dem „Internationalen Mundartarchiv Ludwig Soumagne“ in Zons. Drittens wollte man – auch das ein typisches Ziel von Heimatvereinen – die Denkmalpflege im Auge behalten und die Geschichte des Ortsteiles dokumentieren. „Reuschenberg ist ja noch ein relativ junger Ortsteil“, sagt Conrads. Das habe die Möglichkeit eröffnet, noch Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen. Aber – und das unterscheidet die Gartenvorstädter von anderen Heimatvereinen – auch dass man sich um die bauliche Entwicklung kümmern will, wurde als Ziel in der Satzung verankert. Damit war der Verein politischer Akteur.

Diese „Reuschenberg-Partei“ positionierte sich, als es um den Bau eines Geschäftszentrums auf dem Kirmesplatz ging. „Wir hielten und halten den Vollsortimenter-Markt für notwendig“, sagt Conrads, die nicht erkennen kann, dass der Bau einen negativen Einfluss auf den Ladenbesatz entlang der Bergheimer Straße gehabt hat. Andererseits war es Conrads, die verhinderte, dass über dem Supermarkt Wohnungen eingerichtet wurden. Nachdem sie die Pläne gelesen hatte, intervenierte ihr Verein massiv. Wohnungen dort, sagt sie noch heute überzeugt, „hätten den Versuch erschwert, das Schützenfest mitten im Ort zu erhalten.“ Das gelang, der Kirmesplatz aber bleibt als Thema aufgerufen. „Wir müssen den Bolzplatz und die Spielmöglichkeiten darauf erhalten“, stellt Conrads klar. „Der Bolzplatz war schließlich schon immer da.“ Spätestens wenn das Mittelpunkt-Konzept der Stadt für die Ortsteile auf dem Tisch liegt, wird sie dieses daraufhin untersuchen.

Oft werde sie gefragt, sagt die Gründungsvorsitzende, was denn die Menschen im Ort von dem Verein hätten. „Die Menschen profitieren von den Dingen, die wir tun“, ist dann ihre selbstbewusste Antwort. Das können mitunter auch Kleinigkeiten sein. Zum Beispiel, dass am Ehrenmal neben der Neuhaus-Skulptur „Die Trauernde“ neue Bänke stehen, oder dass die Bushaltestelle Lupinenstraße künftig den Zusatz Arboretum bekommt.