Gastspieler aus Fulda Ein wunderbarer Orgelabend in der Neusser Quirinusbasilika

Neuss · Beim Neusser Orgelsommer war der Domorganist Hans-Jürgen Kaiser aus Fulda zu Gast im Quirinusmünster. Mit seinem Programm begeisterte er und schreckte auch vor einem Orgelgewitter nicht zurück.

Der Domorganist Hans-Jürgen Kaiser tauschte für den Abend seine Orgel in Fulda gegen die des Quirinusmünsters ein.

Der Domorganist Hans-Jürgen Kaiser tauschte für den Abend seine Orgel in Fulda gegen die des Quirinusmünsters ein.

Foto: Bistum Fulda

Der Fuldaer Domorganist Hans-Jürgen Kaiser (64) ist vermutlich ein Anhänger mystischer Zahlenspiele: Alle fünf Jahre besucht er Neuss, nun war er zum fünften Mal hier. Er spielte in der Quirinusbasilika ein Konzert im Orgelsommer, von dem die Zuhörer im Nachhinein einig waren: „Ein wunderbarer Orgelabend!“

Dabei sollte Hans-Jürgen Kaiser, der seit nahezu 35 Jahren Organist am Hohen Dom zu Fulda ist, zudem eine Professur für Orgelimprovisation an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz innehat, 2022 im Neusser Orgelsommer konzertieren. Im vorigen Jahr musste er krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Nun hatte sich der Fuldaer Domorganist vollkommen mit dem Motto identifiziert, für das Münsterkantor Joachim Neugart „In memoriam Max Reger“ zu dessen 150. Geburtstag gewählt hat. Der in der Pfalz geborene Organist spielte zunächst zwei Werke aus Regers „Zwölf Stücken“, darunter das pompöse Tastenstück „Toccata d-Moll“. Zum beruhigenden Ausklang wählte er aus derselben Komposition von 1901 eine „Pastorale“. Dem folgte die bekannte „Introduktion und Passacaglia d-Moll“: Nach einer nur kurzen, 15taktigen Einleitung in vollen Akkorden wird die Passacaglia zur Reminiszenz an Johann Sebastian Bach: Über dem Fundament eines gleichbleibenden Basses (Ostinato) wird das Werk ununterbrochen gesteigert. Der legendäre Leipziger Thomaskantor Karl Straube, Lehrer und Freund Max Regers, sagte, es müsse „seelisch bewegt“ gespielt werden. Dieser Forderung wurde Hans-Jürgen Kaiser vollkommen gerecht.

Gleichwohl begeisterte seine Improvisation „Etudes 2023 in memoriam Max Reger“ sehr eindrucksvoll: Der Fuldaer Domorganist ahmte das „Espressivo“ eines Max Regers vollauf nach, aber in seiner Sprache, und schreckte auch nicht vor einem Orgelgewitter zurück. Daneben garnierte er zu Reger passende Werke und ein Bonmot für die Zuhörer: In „Evocation à la Chapelle Sixtine“ zitiert Franz Liszt Mozarts „Ave verum corpus“. Besonders schön aber war, dass Hans-Jürgen Kaiser drei Sätze aus der 3. Orgelsymphonie von Louis Vierne spielte. „Vive Louis Vierne!“ war das Motto des Neusser Orgelsommers 2020, ebenfalls zu dessen 150. Geburtstag. Der französische Großmeister hatte zwar an seiner Cavaillé-Col-Orgel an Notre Dame de Paris 117 Register für seine orchestrale Klangfülle zur Verfügung, doch auch der Fuldaer Domorganist konnte mit den 83 Registern der Münsterorgel zum Finale der Symphonie ekstatisch die Urgewalt eines Sturmwindes vollführen. Wie gesagt: Ein wunderbarer Orgelabend.

Info Am Sonntag, 13. August, spielt Münsterkantor Joachim Neugart im Neusser Orgelsommer. Beginn: 20 Uhr.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort