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Neuss: Günter Kömmet ist der neue Männerberater beim SKM

Angebot in Neuss : Beratung von Mann zu Mann

Als Männerberater beim SKM Neuss kümmert sich Günter Kömmet um die Probleme des „starken Geschlechts“. Häufig gehe es um Beziehungsprobleme, aber auch um Stress im Job.

„Männer sind Weltmeister im Aushalten und Verdrängen“, sagt Günter Kömmet. Beim Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) Neuss berät der 49-Jährige seit Neuestem Männer, die das Verdrängen satt haben und einen Weg aus ihrer Krise suchen. „Mein Klientel zieht sich durch alle Schichten der Gesellschaft“, erzählt Kömmet. Häufig gehe es um Beziehungsprobleme – eine Trennungssituation, den Umgang mit den Kindern oder den Beginn einer neuen Paarbeziehung, in anderen Fällen aber auch um Stress im Job, Arbeitslosigkeit, Burnout, Sucht, Midlife-Crisis, Gewaltproblematiken oder Einsamkeit. „Im Gespräch versuche ich eine Beziehungsebene aufzubauen und die Leute so dazu zu bringen, dass sie sich öffnen.“

Seit 2002 bietet der SKM Neuss Männern ein Einzel-Beratungsangebot, allerdings zuletzt nur auf einer halben Stelle. „Der Beratungsbedarf war immer da – deshalb sind wir sehr froh, dass unser neuer Berater mit ganzer Kraft dabei ist“, bemerkt SKM Neuss-Geschäftsführer Franz Beering-Katthagen. Günter Kömmet kümmert sich seit 1. Februar auf einer vollen Stelle um alles, was Männern auf der Seele brennt. Und offensichtlich wird er gebraucht: „Kaum saß ich am Schreibtisch, stand das Telefon nicht mehr still“, berichtet er über seinen Einstieg beim SKM.

Zuvor war der Sozial- und Theaterpädagoge am Düsseldorfer Schauspielhaus tätig und hat im angegliederten Café Eden Themenabende für Jungen und Männer zu Rollenbildern und Diskriminierung veranstaltet.„Zwei Drittel der Selbstmörder sind Männer“, sagt Beering-Katthagen. Dass Männer derart überfordert seien, dass sie mit dem Leben nicht mehr zurecht kommen, hänge auch mit den großen Veränderungen der Rolle des Mannes in der Gesellschaft zusammen. „Der Mann von heute muss nicht mehr nur ein starker Typ sein, sondern auch emotionale Qualitäten vorweisen. Das ist uns Männern bewusst – viele verfügen aber noch nicht über die Mechanismen, um diese neue komplexe Rolle zu spielen.“ Das könne zum unlösbaren Dilemma avancieren. „Die Betroffenen stehen unter Druck, merken aber häufig viel zu spät, dass sie Hilfe brauchen.“

Funktioniere der Alltag noch geradeso, suche sich kaum ein Mann Unterstützung, bestätigt Günter Kömmet. „Die meisten kommen viel zu spät – anders als Frauen, nehmen sie atmosphärische Störungen nicht zum Anlass für eine Beratung. Einige brauchen den Holzhammer.“ Um frühzeitig eingreifen zu können, appelliert der Männerberater, frühzeitig den Weg in die Beratung zu suchen. Manche wollen nur einmal reden, andere begleite er über viele Wochen, manchmal auch Monate, aus ihrer Krise zurück in ein Leben, mit dem „Mann“ wieder zufrieden ist. Das beinhalte oft auch die Vermittlung an andere Hilfsstellen wie das Jugendamt, die Suchtberatung, einen Psychologen oder an die Schuldnerberatung.

Wichtig sei neben der Einzelberatung auch eine Unterstützung und einen Austausch der Männer untereinander, sagt Beering-Katthagen. Daher richtet der SKM Neuss nach den Osterferien mit dem Edith-Stein-Forum einen regelmäßigen Gruppentermin für Männer ein. Alle 14 Tage finden donnerstags unterschiedliche Aktivitäten statt, die den sozialen Rückhalt von Männern abseits von Kneipe und Fußball stärken. „Das können Gespräche sein, etwa über das veränderte Rollenbild des Mannes, oder ein gemeinsames Essen, ein Theater-Workshop oder ein Malprojekt“, erläutert Kömmet.