Wohnraum im Melli-Beese-Quartier Neues Quartier in der Neusser Nordstadt nimmt Formen an

Nordstadt · Auf dem ehemaligen Pierburg-Areal im Barbaraviertel soll ein modernes Quartier entstehen. Jetzt wurde der symbolische Grundstein gesetzt. Auf der Baustelle gibt es eine Besonderheit, die einen reibungslosen Ablauf des Bauvorhabens gewährleisten soll. Wann ist mit einer Fertigstellung zu rechnen?

 In den symbolischen Grundstein wurde eine Zeitkapsel eingelassen.

In den symbolischen Grundstein wurde eine Zeitkapsel eingelassen.

Foto: Melanie Zanin/Melanie Zanin(MZ)

Bereits im November 2023 fiel der Startschuss: Auf dem Industrieareal „Pierburg alt“ begann ein Projekt, an dessen Ende ein „lebenswertes Quartier und Zuhause“ für Menschen verschiedener Zielgruppen stehen soll, wie Bürgermeister Reiner Breuer bei der symbolischen Grundsteinsetzung am Dienstag erklärte. Auch eine Zeitkapsel mit einer Ausgabe der Neuß-Grevenbroicher Zeitung wurde in dem gemauerten keinen Turm eingelassen. Fraglich bleibt, inwiefern der „Grundstein“ noch Verwendung findet; Kostenpflichtiger Inhalt das Fundament ist schließlich schon längst gegossen. Mühe gaben die Verantwortlichen sich bei dem symbolschwangeren Ereignis dennoch: selbst eine Wasserwaage kam zum Einsatz.

Obwohl es schwierige Zeiten seien und die Rahmenbedingungen anspruchsvoll sind, wolle die Stadt in den Wohnungsmarkt investieren. Breuer ist sicher: „Der Bedarf ist groß und Neuss ist ein exzellenter Standort.“ Die Römer hätten dies schon vor 2040 Jahren erkannt. Jetzt folgt der Gelsenkirchener Wohnungsanbieter „Vivawest“.

4545 Quadratmeter der insgesamt über 60.000 Quadratmeter großen Baufläche hatte das Unternehmen Ende 2022 von der Bema-Gruppe erworben. Neben 104 barrierearmen Wohnungen in drei Gebäuden sollen auf dem Grundstück zwischen zwei und vier Gewerbeflächen entstehen. Die 1,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 33 und 128 Quadratmetern sollen neben Singles und Senioren auch Paare und Familien ansprechen.

Entworfen wurde das Quartierkonzept vom Düsseldorfer Planungsbüro Konrath und Wennemar. Neben dem bereits realisierten B&B-Hotel sollen nach diesem Konzept in den kommenden Jahren fast 500 Wohnungen, Gewerbeflächen sowie eine Kindertagesstätte und ein zentraler Quartiersplatz entstehen. Eine hohe Lebensqualität in dem Quartier sei auch der Stadt wichtig: „Wir investieren als Stadt daher erheblich auch in die weichen Faktoren der Lebensqualität“, erklärt Bürgermeister Breuer.

Uwe Eichner, Vorsitzender der Vivawest-Geschäftsführung erklärt, man wolle in dem Quartier „viele Formen des Zusammenlebens mischen.“ Das würde unter anderem gelingen, indem 46 der neu entstehenden Wohnungen „öffentlich gefördert und dementsprechend preisgünstig“ würden. Ihn freue besonders, dass das neue Quartier „unterschiedlichen Einkommensgruppen ein Zuhause bieten wird“. Wichtig sei außerdem, einen solchen Neubau zukunftsorientiert zu planen. Die 69 Tiefgaragen- und 13 Außenstellplätze werden von der Vivawest daher für die Nutzung von Elektro-Ladesäulen vorgerüstet. Sämtliche Gebäude werden von Luft-Wasser-Wärmepumpen und auf den Dächern installierten Fotovoltaikanlagen mit Energie versorgt.

Realisiert wird das Projekt durch die Wegener Massivhaus GmbH. Aktuell läge das Projekt voll im Plan: „Gemeinsam werden wir dafür sorgen, dass das so bleibt und die künftigen Bewohner wie geplant Anfang 2026 einziehen können“, sagt Jürgen Johannes Wegener, Geschäftsführer des familiengeführten Bauunternehmens. Bei dem Bauvorhaben setzten sie außerdem modernste Technologien ein. Am Baukran sind Kameras installiert, die den Fortschritt auf der Baustelle aus der Vogelperspektive aufzeichnen. Diese Videos durchlaufen im Anschluss verschiedene Algorithmen, die den Bauprozess erkennen. Vollständig automatisiert wird so mithilfe von maschinellem Lernen ein Bautagebuch angefertigt. Laut Wegener könne man so „die Qualitätssicherung optimieren.“ Die Zusammenarbeit mit Vivawest bewertet er bisher als positiv. Alle gemeinsamen Gespräche seien „offen und fair“ verlaufen.

 Kameras am Kranturm zeichnen den Baufortschritt aus der Vorgelperspektive auf.

Kameras am Kranturm zeichnen den Baufortschritt aus der Vorgelperspektive auf.

Foto: Melanie Zanin/Melanie Zanin(MZ)

Am Ende des Bauprojekts, also voraussichtlich Ende 2025, übernimmt die Vivawest sämtliche Wohnungen und Gewerbeeinheiten schlüsselfertig in den eigenen Bestand. Das Quartier im Barbaraviertel soll dann den Namen „Melli-Beese-Quartier“ tragen. Der Name geht zurück auf die gleichnamige Flugpionierin, die Anfang des 20. Jahrhunderts als erste Frau in Deutschland eine Privatpilotenlizenz erwarb. Der Name fügt sich in die Umgebung im Neusser Norden ein, in der schon mehrere Straßen nach Wegbereitern der Luftfahrt benannt sind.

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