Neuss: Grüne diskutieren mit Experten über Zukunft der Krankenhäuser

Kommunale Krankenhäuser im Rhein-Kreis Neuss: Fusion sichert die Krankenhaus-Zukunft

Neusser Grüne diskutieren mit Berliner Gesundheitspolitikerin und „Lukas“-Geschäftsführer über Medizin und Pflege.

Kaum treten die Fusionsverhandlungen des Neusser Lukaskrankenhauses mit den Rhein-Kreis Kliniken in Dormagen und Grevenbroich in die entscheidende Phase, laden die Grünen im Traditionslokal Vogthaus zu einem öffentlichen Diskussionsabend ein. Dabei ging es ums Grundsätzliche.

Einhellige Meinung: Die Zukunft der kommunalen Krankenhäuser im Rhein-Kreis ist gesichert. Auf dem Weg dorthin, ist aber noch eine ganze Menge zu bedenken. Das machte Bündnis 90 / Die Grünen am Mittwoch im Gespräch mit Gästen deutlich. Mit von der Partie waren Susanne Benary-Höck (Sprecherin des Grünen-Stadtverbandes Neuss), Nicolas Krämer (Geschäftsführer des „Lukas“) und Erhard Demmer (Chef der grünen Kreistagsfraktion). Die Prominenteste auf dem Podium war Maria Klein-Schmeink, Mitglied des Bundestags. Die Moderation hatte Manfred Haag vom Kreisverband der Grünen übernommen.

Wieder einmal zeigte sich, wie emotional aufgeladen und komplex die Themen im Bereich Gesundheit und Pflege sind. Zwar habe die Bundesregierung in Sachen Pflege gesetzlich nachgerüstet, aber es sei doch sehr fraglich, ob das reiche, ging Maria Klein-Schmeink gleich zur Sache. Die Überalterung der Menschen spiele den Reformern nicht gerade in die Hände. Das seien die aktuellen Herausforderungen: geringe Attraktivität der Pflegeberufe und dadurch erheblicher Fachkräftemangel. „Die Gesellschaft hat zu lange weggeschaut und nicht genügend investiert.“

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Pflegenotstand droht. „Was geschieht denn, wenn in einer Region das Krankenhaus ausfällt?“, fragte die grüne Bundestagsabgeordnete. Daseinsvorsorge sei vonnöten. Sie bezweifelte, dass bei mangelnder Zweckbindung der Pflegestärkungsgesetze „mehr Pflegezeit am Bett herauskommt“. Mit fünf Milliarden Euro beziffert sie den Fehlbetrag für Investitionen. Auch bei der tarifgerechten Bezahlung hapere es gewaltig.

Ein klares „Ja“ formulierte Klein-Schmeink zur Suche nach einer Perspektive für kommunale Krankenhäuser, „denn in der Region muss die Versorgung gesichert sein“. Gerade die Kommunalen seien dafür prädestiniert, weil sie nicht vorrangig profitorientiert sind. Zuvor hatte die Bundespolitikerin das Neusser Lukaskrankenhaus besucht und mitgenommen, dass dort aktiv und kreativ daran gearbeitet werde, Pflegekräfte zu halten und neue zu gewinnen. Beispielhaft sei dafür das preisgekrönte Arbeitszeitmodell „Flexpool“, das Fachkräfte ans „Lukas“ lockt. Neuerdings können sie zu ihren Wunschzeiten und flexibel auf mehreren Stationen arbeiten.

„Lukas“-Geschäftsführer Nicolas Krämer formulierte populär: „Die heile Welt des Krankenhauses im Stil der Schwarzwaldklinik gibt es nicht mehr.“ Bis 2025 würde der deutschlandweite Fehlbestand an Pflegekräften auf 110.000 anwachsen. Also gegensteuern, „aber mit Erfolgsaussicht nur dann, wenn die Geschäftsführer der Krankenhäuser Beinfreiheit erhalten und Fusionen schmieden können“. Seine Lösungen sind Modellversuche in puncto Pflegekräfte. Und: „Weg von der Bauchladen-Ideologie – hin zur Spezialisierung.“ Mit dem fusionsgesteuerten magischen Dreieck Neuss, Grevenbroich und Dormagen wäre das leichter zu stemmen. Er sehe in der angestrebten Fusion jedenfalls einen Wechsel für die Zukunft.

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