Großbrand in Neuss Historisches Lagerhaus einsturzgefährdet – Brandstiftung nicht ausgeschlossen

Neuss · Meterhohe Flammen, Geruchsbelästigung – einsturzgefährdete Gebäudeteile. Die Neusser Feuerwehr hatte in der Nacht zu Donnerstag alle Hände voll zu tun. Grund war ein brennendes leer stehendes Gebäude an der Düsseldorfer Straße. Brandstiftung ist nicht ausgeschlossen.

Neuss-Hafen: Fotos vom Großbrand an Düsseldorfer Straße 2024
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Historische Lagerhalle steht in Vollbrand

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Foto: Patrick Schüller

Die Neusser Feuerwehr hatte es in der Nacht zu Donnerstag mit „einem der größten Brände der vergangenen Jahre“ zu tun, wie Sprecher Christian Franke am Morgen danach bilanzierte. An der Düsseldorfer Straße im Hafen war ein verlassenes Industriegebäude in Vollbrand geraten. Das Feuer war derartig heftig, dass derzeit noch unklar ist, ob die betroffenen Gebäudeteile noch gerettet werden können, oder abgetragen werden müssen. Der Bereich wurde großräumig abgesperrt.

Bei der Erst-Sichtung am Vormittag kam eine Drohne zum Einsatz, weil das Objekt nicht begehbar ist. Da das Gebäude nach Angaben eines Statikers akut einsturzgefährdet ist (weitere Prüfungen sollen folgen), konnten die Brandermittler ihre Arbeit vor Ort noch nicht aufnehmen. Voraussichtlich werden sie den Brandort am kommenden Montag gemeinsam untersuchen – ebenfalls mithilfe einer Drohne.

Gegen 23.45 Uhr hatte ein Zeuge die Flammen hinter den Fenstern des Gebäudes bemerkt und Alarm geschlagen. Bereits auf der Anfahrt waren der riesige Feuerschein und die massive Rauchentwicklung für die Kräfte sichtbar. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte stellte sich heraus, dass das leer stehende Lagergebäude der ehemaligen Neusser Lagerhaus AG in voller Ausdehnung brannte.

Neuss: Lagerhaus am Hafen vor dem Großbrand - Pläne für Hotel und "Speicherstadt"
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Vom Lagerhaus zum Hotel – Pläne für die Neusser „Speicherstadt“

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Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Umgehend wurden ein umfangreicher Löschangriff eingeleitet, parallel die Alarmstufe erhöht und weitere Kräfte zur Einsatzstelle nachalarmiert. Das Löschboot der Feuerwehr Düsseldorf wurde wasserseitig zur Brandbekämpfung eingesetzt. Im Netz kursierten schnell Videos und Fotos von dem Vorfall.

Aufgrund der enormen Rauchentwicklung und der damit verbundenen Geruchsbelästigung wurde die Bevölkerung über die Warn-App „Nina"-informiert. Nach Angaben der Bahn war auch der Neusser Hauptbahnhof in der Nacht kurzzeitig gesperrt. Der Bahnverkehr sei am Morgen aber nicht mehr beeinträchtigt gewesen. Die Feuerwehr war zu Spitzenzeiten mit fünf Löschzügen und etwa 70 Kräften im Einsatz. Auch das Hafenbecken I war zwischenzeitlich gesperrt, konnte weder befahren werden, noch konnten Schiffe es verlassen.

Nach Angaben der Stadt wurde mit der Grundstückseigentümerin (beziehungsweise ihrer rechtlichen Vertretung) abgestimmt, dass unverzüglich geeignete Sicherungsmaßnahmen für das Gebäude zu ergreifen sind, damit eine Gefährdung ausgeschlossen werden kann. Dazu gehöre insbesondere die Beauftragung eines weiteren Statikers, der das Objekt möglichst umgehend begutachtet. Auf dieser Basis sollen dann, wenn nötig, weitere konkrete Sofortmaßnahmen im Gefährdungsbereich getroffen werden. Zur Erst-Abstimmung hat um 10 Uhr ein Termin unter Beteiligung der Feuerwehr, der Bezirksregierung Düsseldorf, der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, der Rheincargo (Hafenmeister), des Amtes für Verkehrslenkung und des Bauordnungsamtes stattgefunden.

Verdächtig: Nur Stunden vor dem Großbrand war die Feuerwehr wegen einer Rauchentwicklung auf das Gelände gerufen worden. Der erste Einsatz (Alarm erfolgte um 16.02 Uhr) war allerdings schnell beendet. Nach Angaben der Polizei werden Zusammenhänge geprüft. Auch in der Vergangenheit kam es bereits zu zahlreichen Bränden in diesem Gebäudekomplex.

Die 1896 aus Backstein errichteten Speichergebäude waren früher Lagerhäuser der Neusser Lagerhaus AG und liegen direkt am Hafenbecken I. Das Besondere ist eine Innenkonstruktion aus Gusseisenstützen, die schwere hölzerne Balkendecken und Holzfußböden tragen.

2010 wurde das historische Gebäude, das bereits seit langem leersteht, in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Seit 2015 existieren Pläne, das Gebäude in ein Hotel mit Kongressbereich und Fitnessstudio umzubauen. Aus der benachbarten Industrie wurde dagegen Einspruch erhoben. Das Projekt kam ins Stocken und wurde bislang nicht realisiert.

(jasi/ki-/jh)
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