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Neuss: Gesperrte Zollstraße lässt Ärzte und Geschäfte leiden

Neusser Innenstadt : Gesperrte Zollstraße lässt Ärzte und Geschäfte leiden

Die Auswirkungen der neuen Baustelle ließen nicht lange auf sich warten. Wer am Mittwochmorgen mit dem Auto in die Neusser Innenstadt fahren wollte, musste viel Zeit einplanen.

Denn durch die mindestens achtwöchige Sperrung der Zollstraße für den Durchgangsverkehr zwischen Promenade und Oberstraße – Hintergrund sind Kanalsanierungen an der Mühlenstraße – kam es im Herzen der City zu Staus. Am Morgen waren teils chaotische Szenen zu beobachten – unter anderem Autos, die waghalsig auf der Friedrichstraße wendeten, um nicht in die prall gefüllte Erftstraße fahren zu müssen. Die Polizei war bemüht, den Verkehr zu regeln.

Doch nicht nur die Nerven von Autofahrern werden durch die Auswirkungen der notwendigen Sanierung strapaziert, sondern auch von Geschäften, Gaststätten, Ärzten und Co. Ein Mitarbeiter im Druckcenter 24 an der Zollstraße stand um kurz vor 10 Uhr vor Google Maps, um zu schauen, wie er am nächsten Tag am besten zu seinem Arbeitsplatz kommt. „Das war heute das totale Chaos“, sagte er. Gegenüber, bei der Lülsdorff GmbH (Sanitär) berichtet Geschäftsführer Peter Fassbender von „genervten Kunden“. Momentan könne er nicht ausschließen, dass zwei „Minus-Monate“ auf ihn zukommen.

Auch in der benachbarten Podologie „Haas und Weiland“ waren die Auswirkungen zu spüren. Mehrere Behandlungen hätten sich verzögert, weil ihre Kunden im Verkehr „festhängen“. Bis nach Reuschenberg hätte sich zeitweise der Verkehr gestaut.

Die Stadt weist mit LED-Tafeln – hier am  Friedrich-Ebert-Platz  – auf die Sperrung hin. Fotos: jasi. Foto: Janßen/Simon Janßen

In der Zahnarztpraxis von Herbert Rehbach im Ärztehaus an der Zollstraße hatte man angesichts der Baustelle sogar vorgesorgt und Patienten, die gehbehindert sind, empfohlen, einen Termin vor der Sperrung wahrzunehmen. Schließlich werde die Praxis wegen des vorhandenen Aufzugs häufig von Menschen mit körperlichen Einschränkungen – unter anderem Rollstuhlfahrern – aufgesucht. Durch die Baustelle sei deren Anreise jetzt jedoch erheblich erschwert.

Thomas Rajic, Pächter vom „Gasthaus Früh“ an der Michaelstraße, sorgt sich auch wegen der eingeschränkten Erreichbarkeit der Mühlenstraße, die viele seiner Kunden gerne zum Parken nutzten. „Einbußen wird es bestimmt geben, aktuell herrscht Ungewissheit“, sagt er.

Ein weiteres Problem, das wiederum den Verkehr betrifft: Mit der Bergheimer Straße ist derzeit eine weitere Ausfallstraße baustellenbedingt blockiert. Was alle Betroffenen bei aller Kritik jedoch betonen – meckern hilft nicht, schließlich handele es sich um eine sinnvolle Maßnahme. Unter der Mühlenstraße werden nämlich die 100 Jahre alten Schmutz- und Regenwasserkanäle erneuert werden. Parallel werden neue Gas- und Wasserleitungen sowie Leitungen für den Aufbau von Ladesäulen für Elektroautos verlegt.