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Neuss: Galeria Kaufhof vor Schließung gerettet

Neuer Mietvertrag : Neusser Kaufhof-Filiale ist gerettet

Nach langen und komplizierten Verhandlungen wurde eine Lösung zur Rettung der Galeria Neuss gefunden. Größte Zugeständnisse machten dabei die Eigentümer der Innenstadt-Immobilie.

Die erlösende Nachricht kam am Mittwochnachmittag: Miguel Müllenbach von der Geschäftsführung des Essener Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof informierte Anke Kirschberg darüber, dass „die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst“ und so „für den Erhalt des Hauses gesorgt werden konnte“. Die Galeria Kaufhof Neuss ist gerettet. Umgehend verständigte die Filialleiterin ihre rund 100 Mitarbeiter und war von der Reaktion und der Erleichterung überwältigt: „So viele Tränen.“

Der formale Akt zum Erhalt des Kaufhauses erfolgte am Dienstagabend, als Vertreter der Eigentümer und des Warenhauskonzerns vor einem Notar einen Mietvertrag unterzeichneten. Zur Laufzeit macht Brigitta Siedschlag vom Vorstand der Gesellschaft für Buchdruckerei AG (GfB) keine Angaben, betont aber: Das Arrangement sei nicht kurzfristig angelegt und „keine Übergangslösung, wie man das von anderen Standorten hört“.

Bürgermeister Reiner Breuer beglückwünschte die Filialleitung des Kaufhofs in Neuss zum Erhalt des Standortes. Foto: Foto: Stadt

Kostenpflichtiger Inhalt Vor einigen Monaten hatte der insolvente Konzern Galeria Karstadt Kaufhof angekündigt, sich von 62 seiner bundesweit 172 Filialen trennen zu wollen. Die Zahl schrumpfte seitdem zwar auf 50 Häuser, doch im Sanierungsplan, dem die Gläubiger Anfang September zustimmten, war Neuss noch immer als zu schließender Standort genannt. Letzter Öffnungstag: Samstag, 17. Oktober.

Dass mit der Erwähnung im Sanierungskonzept keine endgültige Entscheidung über den Standort verbunden sein muss, hatte Bürgermeister Reiner Breuer mehrfach betont. „Ich habe immer an den Standort geglaubt, der auch ein guter ist“, sagt Breuer. Er kündigt an: „Wir werden als Stadt unseren Beitrag dazu leisten, dass es so bleibt.“ Im Zusammenwirken mit den Eigentümern soll das Umfeld des Warenhauses am Konvent angepackt und für mehr Aufenthaltsqualität gesorgt werden, kündigte Breuer an.

Der Rettung waren monatelange und auch komplizierte Verhandlungen vorausgegangen. Kompliziert auch wegen der Eigentümerstruktur. 70 Prozent des Grundstückes gehören der GfB mit rund 150 Gesellschaftern, 30 Prozent zwei weiteren Familien, und das aufstehende Gebäude der Signa Unternehmensgruppe – und damit der Immobiliensparte von Rene Benko, dem alleinigen Besitzer der Warenhauskette. Mit allen musste eine Einigung gefunden werden.

„Der Kaufhof ist wichtig für eine attraktive und lebendige Stadt. Darum haben die Eigentümer unter erheblichen Zugeständnissen einer Lösung zugestimmt, die gut für Neuss und die Neusser ist“, sagte Hermann-Josef Kallen, Aufsichtsratsvorsitzender der GfB. Kallen dankte dem CDU-Politiker und ehemaligen Bürgermeisterkandidaten Jan-Philipp Büchler für sein starkes Engagement. Er habe die Eigner gut beraten und zugleich durch seine Gespräche mit den Gremien des Kaufhofes und dem Betriebsrat Türen geöffnet, die zum Erfolg führten. „Dieser Erfolg ist sein Verdienst“, betonte Kallen.

Büchler war von sich aus auf beide Seiten zugegangen. Was ihn antrieb, war einerseits die Erfahrung, die er bei der Mitarbeit an Transformierungs- und Restrukturierungsprojekten machen musste. Er könne nachvollziehen, wie es den von Kündigung bedrohten Mitarbeitern gehe, sagt er – und auch, warum der Krankenstand in der Belegschaft zwischenzeitlich sogar bei 50 Prozent lag. „Die Menschen dort sind emotional am Ende“, sagte er. Die vertrauten dem Mann aus der Wirtschaft, der an der Fachhochschule Dortmund eine Professur für Unternehmensführung innehat, und übergaben ihm 4000 Unterschriften zur Rettung des Hauses, die Büchler an die Besitzer weitergab. Zweitens engagierte sich Büchler, weil er überzeugt ist: „Den Kaufhof zu erhalten, tut Neuss besser als jede andere Zwischenlösung.“ Aus der Kenntnis seiner Arbeit konnte er den Verhandlungspartnern die Folgen einer Schließung für Neuss vor Augen führen: „Wenn so ein zentraler Akteur fällt, folgen andere nach. Ein Dominoeffekt.“ Er stellte aber auch dar, wie schwierig die Suche einer Nachnutzung sein würde. Und er machte deutlich: „Die Forschung geht davon aus, dass Warenhäuser in den nächsten zehn Jahren noch profitabel zu führen sind.“ Was danach komme, sei schwer abzuschätzen, sagt Büchler. „Die Häuser werden sich aber umstellen müssen.“

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